Jacob Pins Gesellschaft

Protokoll der Mitgliederversammlung vom 16.3.2018

1. Begrüßung und Eröffnung
Herr Ostkämper, 1. Vorsitzender der Jacob Pins Gesellschaft, begrüßt die Mitglieder und stellt die fristgerechte Einladung fest. Die vorgeschlagene Tagesordnung wird von der Versammlung genehmigt.

2. Protokoll der Mitgliederversammlung vom 16.03.2017
Auf ein Verlesen des Protokolls wird verzichtet, da es allen Mitgliedern auf der Homepage zur Verfügung steht (Link wurde mit der Einladung verschickt). Das Protokoll liegt bei der Versammlung außerdem ausgedruckt zur Einsicht vor. Einwände gegen das Protokoll werden nicht erhoben, es gilt damit als genehmigt.
Das Protokoll der Versammlung vom 16.03.2018 übernimmt Frau Werzmirzowsky, da der Schriftführer Herr Austermühl an der Sitzung nicht teilnehmen kann.

3. Bericht des 1. Vorsitzenden und der Geschäftsführerin
Im Namen des Vorstands begrüßt Herr Ostkämper die Mitglieder. Er erinnert daran, dass das Forum Jacob Pins vor 10 Jahren, am 4./5. April 2008, eröffnet wurde.

Bei einem Rückblick auf das letzte Jahr sei festzustellen, dass die Situation der Jacob Pins Gesellschaft in vielen Belangen stabil sei: Das gelte für die Mitgliederzahl (327), die Zahl der aktiven Mitarbeiter, die Besucherzahlen und die finanzielle Lage des Vereins. Das Forum werde in Höxter als Kulturzentrum der Stadt wahr- und angenommen.

Herr Ostkämper nennt die drei Ausstellungen des vergangenen Jahrs:
• im Frühjahr die Ausstellung der grafischen Arbeiten von Christine Steuernagel, ergänzt auch durch eine Veranstaltung mit der Künstlerin,
• danach im Sommer die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Jacob Pins mit zahlreichen Fotos, Dokumenten und Zitaten, die offenbar für viele Besucher so interessant war, dass sie darum baten, diese Ausstellung zu einem Buch zusammenzustellen,
• dann die Herbstausstellung mit den Bildern deutscher Exilkünstler aus der Sammlung Memoria von Thomas B. Schumann, dem man wünsche, dass es ihm gelinge, die Bilder aus seiner Sammlung einmal in einem Museum der Exilkunst zu vereinigen.

Herr Ostkämper weist darauf hin, dass der langjährige Kurator Herr Dr. Schuler seine Tätigkeit als Kurator zum Ende des letzten Jahres niedergelegt hat. Herr Dr. Schuler könne leider aus gesundheitlichen Gründen bei der Mitgliederversammlung nicht anwesend sein.

Mindestens ebenso wichtig wie die Ausstellungen seien auch im vergangenen Jahr wieder die Veranstaltungen, die Konzerte, Lesungen und Vorträge gewesen, die insgesamt wohl noch mehr Besucher anzögen als die Ausstellungen und die das Forum Jacob Pins zu einem echten Kulturzentrum für Höxter machten. Dafür sei vor allem Frau Werzmirzowsky zu danken, die auch für dieses Jahr wieder ein attraktives Programm zusammengestellt habe. Sie werde auch wieder die Studienfahrt „Auf jüdischen Spuren“ begleiten, die in diesem Jahr nach Nürnberg führen werde.

Außerdem werde unter seiner Leitung auch dieses Jahr wieder eine Fahrt zu jüdischen Friedhöfen in der Umgebung angeboten, diesmal nach Ovenhausen, Vörden, Nieheim und Steinheim. Die Fahrt werde voraussichtlich Anfang Juni stattfinden.

Weiterhin berichtet Herr Ostkämper an Beispielen über einen Schwerpunkt seiner Arbeit: die Erinnerung an das Leben und Schicksal der Höxteraner Juden:
• Wie jedes Jahr wurde am 27. Januar zusammen mit der Stadt Höxter der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen, der dieses Jahr von einem Geschichtskurs des KWG unter Leitung ihrer Lehrerin Frau Pekker gestaltet wurde.
• Zu einer ganz besonderen Begegnung wird es im Juni kommen, wenn der in Fürstenau geborene Helmut (Harry) Löwenstein mit zwei Töchtern und einem Schwiegersohn zu einem Besuch nach Höxter und Fürstenau kommt. Er ist der einzige noch lebende Jude aus dem Gebiet der heutigen Stadt Höxter, der die Deportation 1941 nach Riga und den Todesmarsch von Stutthof nach Westen überlebt hat. Der Besuch wird wohl nur im kleinen Kreis stattfinden, denn Harry Lowenstein ist inzwischen 87 Jahre alt. Auf der Homepage ist ein Bericht abgedruckt, den er 2013 aus Anlass des 75. Jahrestages der sog. „Kristallnacht“ über sein Leben gegeben hat. Helmut Löwenstein aus Fürstenau – Erinnerungen eines Überlebenden
• Zu Weihnachten hat die noch in Höxter geborenen, jetzt 83jährigen Suse Anna Israelsohn (heute Jewitt) aus dem Fotoatelier Ahron in der Stummrigestraße 4 wieder Grüße geschickt.
• Herr Kraft hat im Sommer zwei Mitglieder der Amelunxer Familie Archenhold bei ihren Besuchen in Höxter, Amelunxen und Lichtenau begleitet.
• Von Nachkommen des Ottberger Zweigs der Familie Netheim hat Herr Ostkämper einen riesigen Stapel von geschätzt 200 Briefen an die nach Palästina emigrierte Ruth Netheim aus dem Zweig der Familie in Norden bekommen. Die Sütterlin-Schrift der Briefe ist inzwischen transkribiert, zur weiteren Auswertung fehlte bisher die Zeit.
• Herr Ostkämper hat in der letzten Zeit geholfen, das Schicksal der zahlreichen Juden aus Nieheim zu klären, die im Dritten Reich ermordet wurden. Denn auch dort solle jetzt endlich mit einer Gedenktafel an die Opfer erinnert werden.

Herr Ostkämper dankt Frau Rüscher, Frau Förste und Herrn Horn für das Engagement im Bereich des museumspädagogischen Angebots für Schüler. Kooperationsverträge mit dem KWG und der Sekundarschule seien geschlossen. Allerdings nähmen die Schulen die museumspädagogischen Angebote immer noch recht begrenzt wahr, obwohl die Stadt für die Schüler die Kosten trage. Auch die Angebote im Rahmen der Kulturscouts OWL fänden immer noch recht begrenzt Zuspruch. Immerhin hätten 2017 ca. 270 Schüler allein aus Höxter das Forum besucht.

Die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule laufe weiterhin ohne große Diskussionen. Dieses Jahr habe das Forum wieder zusammen mit der VHS und den entsprechenden Arbeitskreisen der beiden Kirchen eine Veranstaltungsreihe ausgerichtet, zu der das Forum mit einem hochinteressanten Vortrag von Frau Dr. Körber aus Hamburg zur Frage „Deutschland – wieder jüdische Heimat?“ beigetragen hat.

Zur Öffentlichkeitsarbeit stellt Herr Ostkämper fest, dass die Zeitungen regelmäßig die von Frau Werzmirzowsky geschriebenen Ankündigungen abdrucken; zu wünschen sei aber, dass die Presse auch häufiger Redakteure zu den Veranstaltungen schickten, um darüber zu berichten.

Der Kreis Höxter wird das Konzertprogramm des Forums dieses Jahr bis zu einer Höhe von 2.900 € fördern. Die Stadt Höxter hat sich durch Beschluss des Stadtrats bereit erklärt, die jährlichen Betriebskosten von knapp 20.000 € bis zu einer Höhe von 15.000 € zu bezuschussen. Dadurch werden Mittel frei, so dass man jetzt einen Museumsmitarbeiter oder eine Museumsmitarbeiterin mit 15 Wochenstunden anstellen könne, der/die viele der Aufgaben übernehmen soll, die bisher in der Hand von Frau Werzmirzowsky liegen. Zugleich können damit auch die ehrenamtlichen Aufsichtführenden entlastet werden.

Als anerkannte Einsatzstelle für Bundesfreiwilligendienstleistende hat das Forum Jacob Pins im letzten Jahr Alexandra Schäfer beschäftigt. Mit der Einstellung einer Teilzeitkraft ist die Beschäftigung eines Zivis nicht mehr erforderlich und auch aus finanziellen Gründen nicht machbar.

Herr Ostkämper dankt allen, die mit ihrem Beitrag und ihrem Einsatz dazu beigetragen haben, dass auch das Jahr 2017 wieder erfolgreich abgeschlossen worden sei.

Frau Werzmirzowskys macht in ihrem Rückblick auf das Jahr 2017 zunächst einige statistische Angaben:
• 2863 Besucher haben das Forum besucht (dabei wird nicht unterschieden, ob Eintritt bezahlt wurde oder nicht)
• 455 Schüler haben das Forum als außerschulischen Lernort wahrgenommen (einschließlich VHS-Integrationskurse und Schüler des Berufskollegs)
• besucherstärkste Monate waren Juni und November – die Abhängigkeit von den jeweiligen Veranstaltungen und der Attraktivität der jeweiligen Ausstellung ist deutlich
• die Ausstellungseröffnung „Deutsche Künstler im Exil“ hatte die meisten Besucher (100), gefolgt von dem Konzert des Grieg-Streichquartetts aus Leipzig (85)
• die monatlichen Jour fixes „Bücher im Gespräch“ und „Bilder im Gespräch“ hatten durchschnittlich etwa 10 Teilnehmer
• die Studienfahrt „Auf jüdischen Spuren nach Straßburg war mit 30 Teilnehmern wieder ausgebucht
• die öffentlichen Führungen (am 1. Samstag eines Monats) finden nur wenig Resonanz – angedacht ist für 2018 eine monatliche Kunstführung der Kuratorin (Titel: „Kunstpause“?); Vorschlag von Frau Werzmirzowsky : Monatsführungen nur von April bis November

Frau Werzmirzowsky gibt anschließend einen Überblick über die geplanten Veranstaltungen 2018 (nachzulesen auf der Homepage, in dem Veranstaltungsflyer und in den Zeitungsankündigungen).

Der Gewölbekeller werde mittlerweile stärker genutzt (Ärztestammtisch und Schachclub sind regelmäßig Gäste, Schüler-Workshops).

Frau Werzmirzowsky berichtet über die breit gefächerte Öffentlichkeitsarbeit: Veranstaltungs- und Ausstellungshinweise erscheinen regelmäßig in den Tageszeitungen der Region, dem VHS-Programmheft, dem jährlichen Veranstaltungsheft der Stadt, im bundesweit erscheinenden „Kunstquartal“, der WDR hat 2017 über die Ausstellung von Frau Steuernagel berichtet.

Auch Besuche des CDU-Landtagsabgeordneten Herrn Göken, des CDU-Bundestagsabgeordneten Herrn Haase und von Frau Düker (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag) trügen dazu bei, das Forum Jacob Pins über die Region hinaus bekannt zu machen.

Ein 3-minütiger Imagefilm über das Forum Jacob Pins ist geplant und soll Besuchern der Homepage demnächst angeboten werden. Ein Förderantrag zur Finanzierung ist bei der NRW-Stiftung eingereicht.

Zur Mitarbeiter-Situation stellt Frau Werzmirzowsky fest, dass weiterhin wie seit Jahren ein Kreis von 30 Aktiven im Einsatz ist. Für ausscheidende Mitarbeiter fänden sich immer wieder Nachfolger. Auf die Stellenanzeige für eine/n Museumsmitarbeiter/in hätten sich erstaunlich viele qualifizierte Bewerberinnen gemeldet. Sie erwarte von einer Einstellung neue Ideen und eine dringend erforderliche Verjüngung des Teams.

Abschließend dankt Frau Werzmirzowsky Herrn Ostkämper für seine Arbeit – ganz besonders spricht sie ihre große Anerkennung für die Zusammenstellung der Ausstellung zu Jacob Pins 100. Geburtstag aus.

4. Bericht der Museumskuratorin
Frau Diekmann M.A., seit Anfang des Jahres Museumskuratorin des Forums, gibt einen Überblick über die Ausstellungen 2018:
• Vom 01.04. – 21.05.2018: Moderne Zeiten? Druckgrafik der Jahre 1900 bis 1945 aus der Sammlung des Kreises Höxter
• Vom 27.05. – 23.09.2018: Lob und Tadel der Torheit. Jacob Pins: Narren – Bettler – Propheten
• Vom 30.09. – 02.12.2018: geschnitten – gestochen – geätzt: Druckgrafik von Magdalene Bischinger (mit einem Druck-Workshop)

5. Bericht der Kassenwartin
Frau Kopplstätter gibt einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben des Kassenjahres 2017. Sie legt die Kontostände Anfang und Ende 2017 vor. Frau Kopplstätter bewertet die finanzielle Situation des Vereins als weiterhin stabil. Auf Anfrage kann der Kassenbericht eingesehen werden.

6. Bericht der Kassenprüferinnen
Frau Görtz und Frau Horn haben alle Konten des Vereins am 23. Februar 2017 in Anwesenheit der Kassenwartin Frau Kopplstätter und der Geschäftsführerin Frau Werzmirzowsky geprüft und die Buchhaltung für 2017 in tadellosem Zustand gefunden.

7. Entlastung des Vorstands für das Kassenjahr 2017
Frau Görtz beantragt die Entlastung des Vorstands für 2017. Diese erfolgt einstimmig (bei 4 Enthaltungen).

8. Ergänzungswahl zum Beirat
Herr Ostkämper teilt mit, dass Herr Dr. Stöckle (Umzug) und Herr Dr. Knoblauch-Flach (Umzug und berufliche Belastung) von ihrem Beiratsposten zurückgetreten sind. Er schlägt Herrn Kraft als neues Beiratsmitglied vor. Die Anwesenden stimmen diesem Vorschlag (bei einer Enthaltung) einstimmig zu.

9. Wahl eines Kassenprüfers
Da Frau Görtz das Amt einer Kassenprüferin zwei Jahre ausgeübt hat, wird eine Nachfolge erforderlich. Auf Vorschlag von Herrn Ostkämper wird Herr Kraft zum Kassenprüfer für die Jahre 2018 und 2019 gewählt.

10. Verschiedenes
Herr Fellmann, Vertreter der Stadt im Vorstand, erklärt, dass der Verein seiner Beurteilung nach auf soliden, stabilen Füßen stehe – auch was die Finanzen betreffe. Daher habe der Rat der Stadt mit großer Mehrheit im vergangenen Jahr einen Zuschuss von € 2.000.- für die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Jacob Pins gewährt. Eine breite Mehrheit im Rat habe auch dem Zuschuss von € 15.000.- zu den Betriebskosten des Forums zugestimmt.

Auf die Frage von Herrn Hesse, wer für die Pflege der Stolpersteine zuständig sei, erklärt Herr Kraft, dass für die Stolpersteine mit der Verlegung per Vertrag die Stadt zuständig sei.

Frau Hölscher weist darauf hin, dass eine Reihe von Fenstern, die sich in den Räumen der Jacob Pins Gesellschaft befinden, dringend überarbeitet und lackiert werden müssten. Frau Werzmirzowsky erklärt, dass diese Maßnahme bereits mit der Hausverwaltung besprochen worden sei.

Herr Ostkämper schließt die Versammlung um 20.35 Uhr.

Protokoll: Bärbel Werzmirzowsky