Jüdische Bürger in Höxter

Alle Stolpersteine sind jetzt verlegt

Aktion erinnert an das Schicksal Höxteraner Juden

Löwenstein-Nichte Ute Siegeler mit dem Künstler Gunter Demnig und Initiatorin Susanne Kraft vor dem Haus Westerbachstraße 5. FOTO: BURKHARD BATTRAN

Höxter (bat). Seit gestern ist Höxter um ein Geschichtsdenkmal reicher. Im Beisein der Initiatoren Susanne und Karl-Heinz Kraft, beide Veterinärmediziner in Höxter, sowie zahlreicher Interessierter wurden gestern die letzten 22 Stolpersteine verlegt.

Die Pflastersteine mit der goldglänzenden Messingauflage erinnern an das Schicksal der Höxteraner Juden im Naziregime. Insgesamt 45 dieser Erinnerungssteine sind vor den Häusern der ehemaligen Höxteraner Juden eingemauert worden. „Wer die Stolpersteine ansehen und die Namen darauf lesen will, muss sich herunter beugen und damit verneigt er sich auch vor den Opfern des Holocaust“, erläutert der Kölner Künstler Gunter Demnig den gedanklichen Hintergrund der von ihm entworfenen Stolpersteine.
Trotz strömenden Regens hatten über 30 Menschen die gestrige Aktion begleitet. Aus Borken angereist war Ute Siegeler (64), eine Nichte der Familie Löwenstein aus dem Haus Westerbachstraße 5. „Ich bin sehr dankbar dafür, was hier in Höxter gemacht wurde, denn durch diese Aktion bin ich mit ganz vielen anderen Familien jüdischen Ursprungs in Kontakt gekommen, von denen ich vorher nichts wusste“, sagte Ute Siegeler.
Bewegt zeigte sich die Klasse 8c der Höxteraner Bielenberg-Hauptschule. „Wir behandeln gerade in Geschichte die NS-Zeit und da sind wir hierher gegangen und jetzt können wir ein Stück dieser Geschichte miterleben“, sagte Schülerin Susanne Scholz (14).
Vor 14 Häusern in Höxter sind Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an die Familien Ransenberg (Albaxer Straße 28a), Leopold und Rosenberg (Corveyer Allee 2), Frankenberg (Corveyer Allee 5), Pins (Marktstraße 12), Frank (Marktstraße 15), Goldschmidt, Kaufmann und Wolff (Marktstraße 27), Netheim und Schönfeld (Rosenstraße 2), Ahron (Stummrigestraße 4), Beyerlein und Rosenstein (Stummrigestraße 25), Bukofzer und Dillenberg (Stummrigestraße 47), Frankenberg, Hochheimer, Mühlfelder und Rosenberg (Stummrigestraße 49), Uhlmann und Katz (Wegetalstraße 6), sowie Löwenstein (Westerbachstraße 5) und Himmelstern und Simson in der Westerbachstraße 12.
Von den 46 Höxteraner Juden, die die Nazis in Konzentrationslager deportiert hatten, hat nur einer überlebt.

aus: Neue Westfälische, 10.2.2007