Jüdische Bürger in Höxter

Abtransport von Bielefeld nach Riga am 13.12.1941.
Abtransport von Bielefeld nach Riga am 13.12.1941.

Höxteraner Opfer von Shoah und Verfolgung

Kurzbiographien der aus der Stadt Höxter deportierten Juden

Zu den weiteren aus Höxter stammenden Opfern der Shoah siehe „Geboren in Höxter…“ — Die aus den heute eingemeindeten Dörfern deportierten Juden sind jeweils dort verzeichnet.

Als Deportationsdatum ist im Folgenden jeweils der Tag des Abtransports aus Bielefeld angegeben.

Deportation nach Riga
Abmeldung aus Höxter: 9.12.1941
Abtransport aus Bielefeld: 13.12.1941
Ankunft in Riga: 16.12.1941
Deportation nach Warschau
Abmeldung aus Höxter: 28.3.1942
Abtransport aus Bielefeld: 31.3.1942
Ankunft in Warschau: 1.4.1942
Deportation nach Auschwitz
Abmeldung aus Höxter: fälschlich: 1.8.1942
Abtransport aus Bielefeld: 10.7.1942, Berlin 11.7.1942
Ankunft in Auschwitz: nicht bekannt
Deportation nach Theresienstadt
Abmeldung aus Höxter: 1.8.1942
Abtransport aus Bielefeld: 31.7.1942
Ankunft in Theresienstadt: 1.8.1942

Hedwig Ahron Karteikarte StA HX
Hedwig Ahron in den 1930er Jahren.

Ahron, Hedwig geb. Hochfeld, *20.2.1880 in Höxter, Tochter von Samuel Hochfeld und Jeanette geb. Weil (aus Sommersell).
Der Vater Samuel betrieb mindestens seit 1905 in der Stummrigestr. 4 das „Atelier Victoria“. 1902 heiratete Hedwig Hochfeld den aus Wunstorf stammenden Armand Ahron (*17.8.1873) und zog mit ihm nach Wilhelmshaven, wo 1903 die ältere Tochter Gertrud geboren wurde. Die zweite Tochter Hilde Wilhelmine wurde am 20.7.1910 in Höxter geboren. Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernahm Armand Ahron 1912 das Fotoatelier, und mindestens seit 1925 gehörte ihm das Haus. Allerdings hielt er sich in den folgenden Jahren als Photograph und Tabakgroßhändler(?) meistens in Hannover auf, während seine Frau Hedwig das Fotoatelier in Höxter bis ins Dritte Reich weiterführte. 1933 beging der wegen Verdachts gewerblicher Hehlerei inhaftierte Armand Ahron im Gefängnis in Braunschweig Selbstmord, und das Haus in Höxter ging an die Tochter Gertrud über, die seit 1930 mit dem aus Vörden stammenden Max Israelsohn (*1901) verheiratet war. Während das Ehepaar mit der Tochter Suse Anna (*1935) mit Unterstützung der Quäker 1939 über Holland nach England emigrieren konnte, blieb Hedwig Ahron in Höxter. Im Zuge der Arisierung kaufte die Stadt Höxter 1939 das Haus, das „im Interesse des Verkehrs abgerissen“ werden sollte. Hedwig Ahron wurde am 31.3.1942 ins Warschauer Ghetto deportiert und ist verschollen.
Siehe auch „Die Familie Hochfeld“

Beyerlein, Karoline

Beyerlein, Karoline (Lina) geb. Heumann, *22.2.1882 in Brühl bei Köln, Tochter von Wolf Heumann und Adele geb. Israel (aus der Moselgegend).
Sie heiratete 1914 den nicht-jüdischen Höxteraner Fahrlehrer Beyerlein, mit dem sie in der Grubestraße, später in der Stummrigstraße 25 wohnte. Durch die Nürnberger Gesetze des Dritten Reiches wurden „Mischehen“ zwar verboten, bestehende Ehen galten aber weiter. Jedoch wurde das Ehepaar im Juli 1935 geschieden. Ob es wegen der wenig später erlassenen Rassengesetze der Nazis zur Trennung kam, ist nicht nachprüfbar. 1940 musste Lina Beyerlein in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstraße 8 umziehen, von wo sie am 31.3.1942 ins Warschauer Ghetto deportiert wurde. Sie ist verschollen.

Bukofzer, Albert

Bukofzer, Albert, *4.5.1884 Neu-Barkoschin (Provinz Westpreußen).
Wie andere Angehörige der Familie lebte er später in Nürnberg. 1928 heiratete er die aus Höxter stammende Martha geb. Dillenberg und wohnte mit ihr und der Tochter Irmgard (*1929) als Kaufmann in der Schweinauer Straße 47 wohnte. Vielleicht um der Tochter das Leben in der Stadt der Reichsparteitage zu ersparen, schickten die Eltern die Sechsjährige 1935 zur Verwandtschaft nach Höxter. Ende 1938 nach der Pogromnacht zogen auch die Eltern zu Marthas Geschwistern in die Stummrigestraße 47 in Höxter. Um der Tochter eine schulische Grundbildung zu ermöglichen, schickten die Eltern sie von 1939 bis 1941 für zweieinhalb Jahre zur Jüdischen Schule in Detmold bzw. zur Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Am 13.12.1941 wurde die Familie in das Ghetto Riga deportiert, wo Albert Bukofzer nach wenigen Wochen oder Monaten umkam.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Irmgard Bukofzer (2. v.r.) an der jüdischen Schule in Detmold
Irmgard Bukofzer (2. v.r.) an der jüdischen Schule in Detmold

Bukofzer, Irmgard, *9.2.1929 in Nürnberg, Tochter von Albert Bukofzer und Martha geb. Dillenberg.
Sie verlebte nur die ersten sechs Jahre ihres Lebens mit ihren Eltern in Nürnberg. Jedoch wurde das Leben in der Stadt der Reichsparteitage immer schwieriger, und wohl deshalb schickten die Eltern die Sechsjährige Anfang März 1935 nach Höxter, wo sie bei den Geschwistern ihrer Mutter nach Höxter in die Stummrigestraße 47 lebte. Vermutlich besuchte sie zunächst eine Schule in Höxter. Nach der Pogromnacht 1938 folgten auch die Eltern nach Höxter, die ihre Tochter Irmgard von Januar 1939 bis zum Herbst 1941 zur schulischen Grundbildung zur Jüdischen Schule an der Gartenstraße in Detmold, unterbrochen von einigen Monaten an der Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Am 13.12.1941 wurde Irmgard mit ihren Eltern ins Ghetto Riga deportiert, wo sie nach wenigen Wochen oder Monaten umkam.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Häftlingspersonalkarte für Martha Bukofzer aus dem KZ Stutthof (ITS Archivnr. 4706 ous44)
Häftlingspersonalkarte für Martha Bukofzer aus dem KZ Stutthof (ITS Archivnr. 4706 ous44)

Bukofzer, Martha geb. Dillenberg, *16.1.1891 in Höxter als Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann aus Reker.
Sie heiratete 1928 den Nürnberger Kaufmann Albert Bukofzer, mit dem sie 1929 die Tochter Irmgard bekam. Vielleicht um der Tochter das Leben in der Stadt der Reichsparteitage zu ersparen, schickten die Eltern die Sechsjährige 1935 zu Marthas Geschwistern nach Höxter. Nach der Pogromnacht zogen auch die Eltern Ende 1938 in die Stummrigestraße 47 in Höxter. Um der Tochter eine schulische Grundbildung zu ermöglichen, schickten die Eltern sie von 1939 bis 1941 für zwei Jahre zur Jüdischen Schule in Detmold bzw. zur Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Am 13.12.1941 wurde die Familie in das Ghetto Riga deportiert, wo Albert und Irmgard Bukofzer bald umkamen. Martha Bukofzer wurde (vermutlich nach Inhaftierung im KZ Kaiserwald) etwa Mitte 1944 nach Stutthof verbracht und kam dort oder bei einem der „Todesmärsche“ in das Reichsgebiet um.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Dillenberg, Henny

Dillenberg, Henny, *19.9.1894 in Höxter, Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann aus Reker.
Sie blieb unverheiratet im Elternhaus in Höxter, Stummrigestraße 47, wo der Bruder Richard nach dem Tod des Vaters Nathan den Viehhandel weiterführte. Am 13.12.1941 wurde sie zusammen mit den anderen Familienangehörigen in das Ghetto Riga deportiert. Nach der Auflösung des Ghettos wurde sie vermutlich in das KZ Kaiserwald verbracht. Von dort wurde sie am 9.8.1944 in das KZ Stutthof transportiert und kam dort am 15.1.1945 um.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Richard Dillenberg 1901 als Schüler der Sexta
Richard Dillenberg 1901 als Schüler der Sexta

Dillenberg, Richard, *30.3.1892 in Höxter, Sohn des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann aus Reker.
Er besuchte nach der Bürgerschule von 1901 bis 1906 Besuch das Gymnasium in Höxter und trat dann zunächst als „Handlungsgehilfe“ in den Viehhandlung seines Vaters in der Stummrigestraße 47 ein. Nach dessen Tod führte er den Viehhandel von 1925 bis ins Dritte Reich fort. Er blieb unverheiratet. Nach 1933 wurde ihm sein Geschäft zunehmend erschwert, und für den Viehtrieb zu seinen vor der Stadt gelegenen Wiesen heuerte er regelmäßig Kinder und Jugendliche aus der Stadt an. Mehrfach wurde das Haus mit rassistischen Parolen beschmiert und die Fenster wurden eingeworfen. In der Pogromnacht 1938 holten SA-Leute die Familie mit Prügeln aus dem Haus. Richard Dillenberg wurde im Rathaus in Höxter eingesperrt und dann bis zum 8.12.1938 im KZ Buchenwald inhaftiert. Am 13.12.1941 wurde er mit seinen Geschwistern in das Ghetto Riga deportiert. Er gilt als verschollen.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Dillenberg, Ulla Julie

Dillenberg, Ulla Julie, *14.11.1884 in Höxter, Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann aus Reker.
Sie blieb unverheiratet im Elternhaus in Höxter, Stummrigestraße 47, wo der Bruder Richard nach dem Tod des Vaters Nathan den Viehhandel weiterführte. Am 13.12.1941 wurde sie zusammen mit den anderen Familienangehörigen in das Ghetto Riga deportiert. Sie gilt als verschollen.
Weiteres siehe „Die Viehhändlerfamilie Dillenberg“

Der nach Montevideo/Uruguay geflohene Sohn Julius Frank 1971 (http://www.denktag.de/juristen/leben-in-montevideo)

Frank, Gustav, *18.11.1870 in Altendorf, Sohn des Pferdehändlers Bendix Frank und seiner Frau Johanna geb. Zeckendorf.
Die große Familie Frank war mindestens seit dem 18. Jahrhundert in Altendorf (seit Anfang des 20. Jh. Stadtteil von Holzminden) ansässig und betrieb dort einen Pferdehandel. Gustav Frank heiratete 1902 die in Hagen geborene Hedwig Baruch und zog mit ihr nach Höxter, wo er in der Corveyer Allee 18, später in der Bismarckstraße in Zusammenarbeit mit seinen Holzmindener Verwandten ebenfalls einen Pferdehandel betrieb. 1903 wurde der Sohn Julius in Höxter geboren, der nach dem Abitur am KWG (1922) und Jurastudium als Rechtsanwalt und Notar in Braunschweig und später Berlin lebte. Mitte der 1920er Jahre gab Gustav Frank den Pferdehandel auf und das Ehepaar zog zunächst in die Marktstraße 27, dann 1933 Nr. 15. Der Sohn Julius, der schon während seiner Schulzeit (1920) gegen Ansätze von Antismitismus aufgetreten war, ahnte früh, was kommen könnte, und wanderte bereits 1933 mit seiner Frau Lucie Lechner, die er im selben Jahr geheiratet hatte, nach Holland und England aus und ging 1936 nach Montevideo (Uruguay), wo er jahrelang als kaufmännischer Angestellter arbeitete und nach Wiederholung seiner Examina auf Spanisch wiederum als Rechtsanwalt tätig war. Die Eltern dagegen blieben in Höxter und mussten bald nach der Pogromnacht 1938 zum jüdischen Viehhändler Dillenberg in die Stummrigestraße 47 und im Mai 1942 in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstraße 8 ziehen. Von dort wurden sie am 31.7.1942 zunächst nach Theresienstadt und dann am 23.9.1942 zur Vernichtung nach Treblinka deportiert, wo sie verschollen sind.

Frank, Hedwig, geb. Baruch, *23.12.1875 in Hagen, Tochter von Jakob Baruch und Elise geb. Löwenstein.
Sie heiratete 1902 den aus Holzminden stammenden Gustav Frank, der in Höxter zunächst in der Corveyer Allee 18, dann in der Bismarckstraße bis Mitte der 1920er Jahre einen Pferdehandel betrieb. Danach zog das Ehepaar in die Marktstraße, zunächst Nr. 27, dann 1933 Nr. 15. Im selben Jahre wanderte der Sohn Julius (*1903 in Höxter), der nach Abitur am KWG (1922), Jurastudium und Promotion als Rechtsanwalt und Notar in Braunschweig und Berlin gelebt hatte, mit seiner im selben Jahr geheirateten Frau Lucie Lechner über Holland und England nach Montevideo (Uruguay) aus, wo er nach Wiederholung seiner Examina auf Spanisch wiederum als Rechtsanwalt arbeitete. Die in Höxter zurückgebliebenen Eltern mussten nach der Pogromnacht 1938 zum jüdischen Viehhändler Dillenberg, Stummrigestraße 47, und im Mai 1942 in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstraße 8 ziehen. Am 31.7.1942 wurden sie nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka deportiert, wo sie verschollen sind.

Änne Frankenberg 1937
Änne Frankenberg 1937

Frankenberg, Anna („Änne“) geb. Wichelhausen, *4.5.1892 in Herstelle, Tochter des Kaufmanns Adolph Wichelhausen und seiner Frau Ida geb. Rosenstein.
Änne Wichelhausen stammte aus der wohlhabenden Familie Wichelhausen, die seit dem 19. Jahrhundert in Herstelle ein florierendes Geschäft für Jagduniformen betrieb, dessen Verbindungen weit nach Süd- und Westdeutschland reichten. Für die Akzeptanz der Familie im Dorf, die z.B. eine ehemalige Gastwirtschaft aufkaufte, um dort einen Kindergarten und eine Nähschule einzurichten, spricht auch, dass Ännes Bruder Felix, der im 3. Reich rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnte, 1928 in Herstelle als Schützenkönig amtierte. — 1914 heiratete Änne Wichelhausen den wegen seines vielfältigen Engagements in Höxter beliebten und hoch geschätzten Arzt Dr. Richard Frankenberg, der in seinem Haus Corveyer Allee 5 seine Praxis betrieb. Die Ehe blieb kinderlos. Trotz der allgemeinen Anerkennung der Familie verlor Dr. Frankenberg nach 1933 all seine Funktionen, durfte schließlich nur noch als „Krankenbehandler“ jüdischer Patienten arbeitenund wurde nach der Pogromnacht für einige Wochen in Buchenwald inhaftiert. Am 13.12.1941 wurde das Ehepaar in das Ghetto Riga deportiert, wo Änne Frankenberg in einer Fischfabrik arbeiten musste. Bei der Aulösung des Ghettos wurden die beiden im September 1943 in das Lager Strazdenhof verschleppt umd am 29.7.1944 im Bikernieki-Wald erschossen und verscharrt.
Weiteres siehe „Dr. Richard Frankenberg“
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Wohl Margarete Frankenberg um 1895
Wohl Margarete Frankenberg um 1895

Frankenberg, Margarete („Gretchen“), *20.3.1879 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Sie blieb unverheiratet und wohnte jahrzehntelang mit ihrer Halbschwester Lina Rosenberg aus der ersten Ehe der Mutter in der Stummrigestraße 49. 1935 bzw. 1938 zogen ihre verwitweten Schwestern Eugenie Hochheimer und Olga Mühlfelder nach dem Tod ihrer Männer ebenfalls mit in das Haus ein. Im Frühjahr 1942 mussten die vier Schwestern noch für wenige Monate in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstraße ziehen, von wo Margarete Frankenberg mit ihrer Schwester Olga Mühlfelder am 10.7.1942 nach Auschwitz deportiert wurde, die Schwestern Lina und Eugenie am 31.7. nach Theresienstadt. Margarete Frankenberg wurde nach dem Krieg für tot erklärt.
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Dr. Richard Frankenberg 1922
Dr. Richard Frankenberg 1922

Frankenberg, Richard, Dr., *8.10.1883 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Richard Frankenberg stammte aus der seit 1760 im Raum Höxter ansässigen Familie Frankenberg. Sein Vater zog im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts nach Höxter und verkaufte in seinem Geschäft in der Stummrigestraße 16 neben Manufakturwaren und Herrengarderobe auch Wintergemüse und vermittelte außerdem Wohnungen. — Richard Frankenberg studierte nach dem Abitur am KWG in Göttingen, Freiburg und München Medizin und ließ sich nach Approbation und Promotion als Arzt in der Marktstraße 11 in Höxter nieder. 1914 heiratete er Änne Wichelhausen aus Herstelle und bezog mit ihr das Haus Corveyer Allee 5. Die Ehe blieb kinderlos. Bei Beginn des Ersten Weltkriegs gehörte er zu den Mitbegründern der „Freiwilligen Sanitätskolonne von Roten Kreuz“, deren Kolonnenarzt er bis zum Dritten Reich blieb. Als Sanitätsarzt (1914-1917) wurde er an der Front mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und widmete sich danach der Ausbildung von Sanitätern. Als Stadtverordneter (1919-1923), Mitglied zahlreicher Kommissionen sowie als „Armenarzt“ setzte er sich in der Weimarer Republik vor allem für die bedürftigen Höxteraner ein und organisierte mit seinem in Holland lebenden Bruder Louis regelmäßig holländische Ferienaufenthalte für arme Kinder aus Höxter. 1933 verlor Dr. Frankenberg all seine Funktionen, und nach dem Entzug der Approbation durfte er ab 1938 als „Krankenbehandler“ nur noch jüdische Patienten versorgen. In der Pogromnacht 1938 wurden im Haus die Fenster zerschlagen und wertvolle Geräte in der Praxis zerstört, und er wurde bis Anfang Dezember 1938 in Buchenwald inhaftiert. Mehrfache Auswanderungsversuche scheiterten. Bevor er am 13.12.1941 mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert wurde, schenkte er seiner geliebten Stadt Höxter noch ein Bild des Malers Jochen Hoffmann-Fallersleben. In Riga arbeitete er als Revierarzt im Krankenhaus und ebenso ab September 1943 in Lager Strazdenhof, wohin er mit seiner Frau verschleppt wurde. Am 29.7.1944 wurden beide im Bikernieki-Wald erschossen und verscharrt. — Zur Ehrung ihres ehemaligen Mitbürgers benannte die Stadt Höxter 1973 eine Straße nach ihm.
Detaillierte Biografie siehe „Dr. Richard Frankenberg…“
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Goldschmidt, Karoline

Goldschmidt, Karoline geb. Blankenberg, *2.4.1868 in Eberschütz, Tochter von Herz Blankenberg und Rica geb. Weinberg.
Sie war eine jüngere Schwester der in Höxter verheirateten Berta Kaufmann geb. Blankenberg. Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. Offensichtlich lebte sie mit ihrem Mann in Hannover im Büttenserfeld(?) 4. Im November 1939 zog sie als Witwe zu ihrer ebenfalls verwitweten Schwester nach Höxter in die Marktstraße 27, wo zu dieser Zeit auch noch deren Sohn Hermann mit seiner Frau und seiner Tochter lebte. In den folgenden eineinhalb Jahren pendelte Karoline Goldschmidt mehrfach zwischen Höxter und Hannover hin und her, vermutlich um Eigentums- und Familienangelegenheiten zu regeln. Am 31.7.1942 wurde sie zusammen mit ihrer Schwester zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Sie gilt als verschollen.

Anzeige der Metzgerei Himmelstern um 1928
Anzeige der Metzgerei Himmelstern, um 1928

Himmelstern, Berta geb. Schierling, *14.5.1869 in Marburg, Tochter des aus Beverungen stammenden Bendix (Pinchas) Schierling und seiner Frau Friederike geb. Wolf.
Sie heiratete vor oder um 1900 den aus Beverungen gebürtigen Metzger Simon Himmelstern, der in Höxter in der Westerbachstraße 12 ab etwa 1900 eine koschere Fleischerei betrieb und außerdem Wohnungen im Haus vermietete. Um 1930 wurde die Metzgerei aus Altersgründen aufgegeben. Versuche der seit 1932 mit Siegfried Simson verheirateten Tochter Regina, im Haus einen Friseursalon und später einen Kaffee- und Teehandel aufzubauen, scheiterten offenbar, und so wurden die Geschäftsraume an ein Fischgeschäft vermietet. 1936 starb Simon Himmelstern, und seine Witwe lebte in den folgenden Jahren mit ihrer Tochter, ihrem Schwiedersohn und deren vier Kindern im Haus. Als diese am 13.12.1941 in das Ghetto Riga deportiert wurden, ging die 72-jährige Berta Schierling mit ihnen, obwohl sie wegen ihres Alters eigentlich noch nicht zu Deportation vorgesehen war. Sie wollte jedoch wohl nicht allein in Höxter zurückbleiben und starb nach kurzer Zeit in Riga.

Eugenie Hochheimer geb. Frankenberg 1914
Eugenie Hochheimer geb. Frankenberg 1914

Hochheimer, Eugenie geb. Frankenberg, *25.4.1870 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Sie heiratete 1897 den aus Steinheim stammenden Kaufmann Louis Hochheimer und bekam dort mit ihm die Söhne Ernst (*1898) und Otto (*1899). Um 1900 zog die Familie nach Blomberg, wo die Söhne Fritz (*1901) Walter (*1903) und Kurt (*1907) geboren wurden. Die Familie lebte später Hameln, wo Eugenies Ehemann Louis 1933 starb. Zwei Jahre später zog sie mit dem jüngsten Sohn Otto zu ihren unverheirateten Schwestern Lina Rosenberg und Gretchen Frankenberg in die Stummrigestr. 49 in Höxter, wo später auch noch die ebenfalls verwitwete Schwester Olga Mühlfelder einzog. Eugenies fünf Söhne konnten im Dritten Reich in die USA oder nach Palästina emigrieren, wo sie zum Teil andere Namen annahmen. Sie selbst dagegen musste im Frühjahr 1942 mit den Schwestern in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstraße 8 umziehen und wurde am 31.7.1942 mit ihrer Halbschwester Lina nach Theresienstadt deportiert. Sie gilt nach ihrer Weiterdeportation in das Vernichtungslager Treblinka am 23.9.1942 als verschollen. — Ein Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof an der Scharnhorststraße in Hameln erinnert an sie.
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Der Grabstein ihres Ehemanns Herz auf dem jüdischen Friedhof in Nentershausen

Katz, Bertha geb. Nussbaum, *15.11.1860 in Hebenshausen (damals Kreis Witzenhausen). Ihre Eltern sind bisher nicht bekannt.
Sie heiratete 1892 den in Nentershausen ansässigen Metzger und Handelsmann Herz Katz, der aus seiner ersten Ehe drei Kinder mitbrachte und mit dem sie drei weitere Kinder hatte, von denen das älteste, ein Sohn, mit knapp einem Jahr starb. Nachdem ihr Mann 1933 verstorben war, zog sie nach der Pogromnacht Anfang Dezember 1938 zu ihrer mit Gustav Uhlmann verheirateten Tochter Johanna nach Höxter, Westerbachstr. 6. Im Sept. 1941 musste sie mit ihnen zunächst zur Familie Dillenberg in die Stummrigestr. 49 und nach deren Deportation im Mai 1942 in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstr. 8 ziehen. Am 31.7.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie nach wenigen Tagen am 16.8.1942 umkam.

Handelsregisterauszug nach der Arisierung
Handelsregisterauszug nach der Arisierung

Kaufmann, Berta geb. Blankenberg, *2.8.1865 in Sielen, Tochter von Herz Blankenberg und Rica geb. Weinberg.
Sie heiratete den aus Bettendorf stammenden Moses Kaufmann (*1862) und lebte mit ihm zunächst in Alsdorf, wo 1897 der Sohn Hermann geboren wurde. 1900 zog die Familie nach Höxter und betrieb hier ein Herren-, Knaben-, Konfektions- und Schuhgeschäft. Sohn Hermann war im 1. Weltkrieg Soldat und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg trat er in das elterliche Geschäft in der Marktstr. 27 ein und und übernahm es 1927 nach dem Tod des Vaters. 1930 heiratete er Lilly geb. Wolf(f) aus Bad Schwalbach und hatte mit ihr die Tochter Inge Liane. In der Pogromnacht wurden am Haus die Fensterscheiben eingeschlagen, und Hermann wurde in das KZ Buchenwald gebracht. Da er jedoch bereits Auswanderungspapiere nach England hatte, wurde er am 12.1.1939 entlassen. Ende 1938 wurde die Firma arisiert und erlosch. Das Haus wurde verkauft, allerdings behielten die Kaufmanns Wohnrecht, und die Familie wurde auch von „arischen“ Freunden unterstützt. 1939 mussten die Kaufmanns in die zur „Judenwohnung“ gewordenen oberste Etage des Hauses umziehen. Während Hermann 1939 nach England und dann weiter in die USA flüchten konnte, wohin ihm Frau Lilly mit der 9-jährigen Tochter im Juli 1941 folgte, blieb die Mutter Berta in Höxter. Sie wurde am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach knapp vier Monaten am 30.11.1942 (nach anderer Angabe im Jan. 1943).

Pauline Leopold 1914 vermutlich
Pauline Leopold 1914 vermutlich

Leopold, Pauline geb. Ganzmann, *20.10.1851 in Burgpreppach (damals Kreis Bamberg), wahrscheinlich Tochter von Wolf Ganzmann und Amalie Zenner.
Sie war verheiratet mit Maier Leopold (*1852) und wohnte mit ihm in Barchfeld (Schmalkalden). 1909 zog das Ehepaar zu seiner Tochter Kathi nach Höxter, die in der Corveyer Allee 2 mit dem Landhändler Siegmund Rosenberg verheiratet war und mit ihm die Tochter Anny hatte. 1928 starb Maier Leopold und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Höxter begraben. Während die Enkelin Anny mit ihrem Mann Rudolf Baruch und ihrer 1924 geborenen Tochter Ursula 1937 nach Palästina auswandern konnte, blieben Pauline Leopold und ihre seit 1930 verwitwete Tochter Kathi im Haus, das später zu einem „Judenhaus“ wurde. Ihre Tochter Kathi wurde am 11.7.1942 nach Auschwitz deportiert, sie selbst mit anderen Angehörigen am 31.7.1942 nach Theresienstadt, wo die 91-Jährige offenbar nicht lange überlebte.

Berl Löwenstein mit seiner Mutter Mitte April 1939
Berl Löwenstein mit seiner Mutter Mitte April 1939

Löwenstein, Berl-Eli, *2.9.1938 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Ernst Löwenstein und seiner Frau Gertrud geb. Wallhausen, Westerbachstr. 5.
Berl-Eli durfte nicht einmal eine Kindheit in Höxter erleben. Schon mit dreieinhalb Jahren wurde er am 31.3.1942 mit seinen Eltern ins Warschauer Ghetto deportiert und ist dort verschollen.
Weiteres siehe „Die Löwensteins…“

Ernst Löwenstein in der Zeit der Heirat im Okt. 1937
Ernst Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937

Löwenstein, Ernst, *5.8.1900 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Jacob Löwenstein und seiner Frau Minna geb. Meyer aus Schlangen.
Er besuchte nach der Volksschule ab 1913 das Gymnasiums in Höxter, bis er im Juni 1918 als Soldat einberufen wurde. Als Artl.-Wachtmstr. wurde er mit dem EK I ausgezeichnet. Nach einem Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer (1919/20), abgeschlossen mit dem Abitur, trat er in das elterliche Kleidungsgeschäft und Kaufhaus in der Westerbachstr. 5 ein, das er nach dem Tod des Vaters ab 1928 weiterführte. Bei den Löwensteins, bekannt als kulante Arbeitgeber, waren zuletzt 25 Angestellte beschäftigt. Ihre soziale Einstellung bewiesen sie z. B. durch Führung eines kostenlosen Mittagstisches für Kinder bedürftiger Höxteraner, denen sie auch zur Konfirmation und anderen Anlässen Geschenke machten, durch die Unterstützung bedürftiger Wöchnerinnen, durch die Schenkung der Aussteuer an Angestellte usw. 1933 kam Ernst kurzzeitig in „Schutzhaft“, da er die KPD durch kleine Spenden unterstützt hatte, wurde aber nach wenigen Tagen wegen seines schlechten Gesundheitszustands und einer eidesstattlichen Erklärung fast sämtlicher („arischer“) Angestellter entlassen. 1937 heiratete er Gertrud (Trude) Wallhausen aus Arholzen, und 1938 wurde der Sohn Berl-Eli geboren. Bereits in den Jahren des Boykotts wurden Kunden vor dem Geschäft fotografiert und verwarnt. In der Pogromnacht 1938 wurden die Räume verwüstet und Ernst Löwenstein wurde bis zum 12.1.1939 in Buchenwald inhaftiert. Das Geschäft war inzwischen „arisiert“, und er musste zunächst in einer Lederpappenfabrik in Godelheim und dann von Juli 1940 bis März 1942 bei der Holzwarenfirma Vogt & Dr. Bering in Beverungen arbeiten. Er versuchte jedoch eine Auswanderung vorzubereiten und erlernte zeitweise in Brandenburg, im Siegerland und in Höxter die Landwirtschaft. Im Juli 1941 musste die Familie in das „Judenhaus“ der Witwe Kathi Rosenberg in der Corveyer Allee 2 ziehen und wurde am 31.3.1942 ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie verschollen ist.
Weiteres siehe „Die Löwensteins…“

Trude Löwenstein in der Zeit der Heirat im Okt. 1937
Trude Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937

Löwenstein, Gertrud (Trude) geb. Wallhausen, *8.2.1910 in Arholzen, Tochter von Theodor Wallhausen und Johanna geb. Rothenberg.
Sie arbeitete zunächst als Sekretärin bei der Weberei A.J. Rothschild & Söhne. Im Oktober 1937 heiratete sie den Kaufmann Ernst Löwenstein in Höxter, Westerbachstr. 5n und im Sept. 1938 wurde der Sohn Berl-Eli geboren. Ende 1938 wurde das Kaufhaus arisiert, und im Juli 1941 musste die Familie in das „Judenhaus“ der Witwe Kathi Rosenberg, Corveyer Allee 2, umziehen, obwohl ihnen in ihrem Haus ein Wohnrecht zugesichert war. Am 31.3.1942 wurde sie mit ihrem Mann Ernst und dem dreieinhalbjährigen Sohn Berl-Eli nach Osten deportiert, wo die ganze Familie verschollen ist.
Weiteres siehe „Die Löwensteins…“

Geschäftsanzeige vom 18.9.1925
Geschäftsanzeige vom 18.9.1925

Löwenstein, Minna geb. Meyer, *7.1.1868 in Schlangen (damals Kreis Detmold), Tochter von Bendix und Emma Meyer.
Sie heiratete 1891 den Kaufmann Jacob Löwenstein, der in der Westerbachstr. 5 in Höxter ein florierendes Geschäft für Kleidung und Manufakturwaren betrieb, das nach dem Tod des Vaters vom Sohn Ernst fortgeführt wurde, während Minna Löwenstein Geschäftsinhaberin blieb. Sie war jahrelang Vorsitzende des jüdischen Frauenvereins und übernahm 1928 nach dem Tod ihres Mannes auch dessen Sitz in der städtischen Wohlfahrtskommission. Ende 1938 wurde das Geschäft arisiert. Nachdem ihr Sohn mit seiner Familie bereits im März 1942 deportiert worden war, musste Minna Löwenstein im Mai 1942 in das „Judenhaus“ der Witwe Kathi Rosenberg, Corveyer Allee 2, ziehen und wurde knapp drei Monate später am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 26.3.1943 umkam.
Weiteres siehe „Die Löwensteins…“

Wohl Olga Mühlfelder geb. Frankenberg um 1895
Wohl Olga Mühlfelder geb. Frankenberg um 1895

Mühlfelder, Olga geb. Frankenberg, *20.7.1877 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Sie heiratete 1910 Karl Mühlfelder aus Gleicherwiesen, über den nichts Weiteres bekannt ist. Die Ehe blieb offenbar kinderlos. Während des ganzen Ersten Weltkriegs war Olga Mühlfelder in verschiedenen Kriegs- und Reservelaretten als Krankenschwester tätig und zog dann nach Breslau. Nachdem ihr Mann anscheinend vor 1933 gestorben war, kehrte sie 1936 aus Oberhausen nach Höxter zurück, hielt sich aber danach für jeweils längere Zeit in Hamburg, Lichtenau und Oberhausen auf, bis sie ab Mai 1938 dauerhaft mit ihren Schwestern Margarete, Lina und Eugenie in Höxter, Stummrigestr. 49, wohnte. Im Mai 1942 mussten die vier Schwestern in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstr. 8 ziehen, von wo Olga Mühlfelder mit ihrer Schwester Margarete am 10.7.1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde, während die älteren Schwestern Lina und Eugenie am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert wurden.
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Paul Netheim 1901 als Schüler in Sexta
Paul Netheim 1901 als Schüler in Sexta

Netheim, Paul, *4.8.1888 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Levi Netheim (Konfektionswaren, Wäsche, Stoffe) und seiner Frau Helene geb. Grünewald aus Borgholz.
Nach der jüdischen Schule besuchte er von 1898 bis 1906 Besuch das Gymnasium und ging mit dem einjährig-freiwilligen Zeugnis ab. Danach zog er nach Göttingen und Geestmünde und machte vermutlich eine kaufmännische Ausbildung, bevor er 1913 in das elterliche Geschäft Ecke Westerbachstr. 14 / Rosenstr. 2 eintrat. Im Ersten Weltkrieg war er als Fahrer beim Magazin-Fuhrpark eingesetzt. Nach dem Tod des Vaters übernahm er 1919 das Geschäft. 1928 heiratete er Sophie geb. Katz aus Ovenhausen. Die Ehe blieb kinderlos. Das Ehepaar wohnte zunächst in der Charlottenstr. 2 und zog 1934 in das Geschäftshaus Westerbachstr. 14, das dem in Osnabrück als Rechtsanwalt ansässigen Bruder Max (1939 in die USA geflohen) gehörte. 1929 wurde Paul Netheim zum Vorsteher der Jüdischen Gemeinde gewählt und blieb es bis zum Schluss. Bald nach Beginn des 3. Reiches bot die Familie 1933 ihre Häuser und Grundstücke zum Verkauf an, führte jedoch das Geschäft noch weiter, obwohl schon bald die Fenster mit Kalkfarbe beschmiert wurden. In der Pogromnacht 1938 wurden die Räume verwüstet und geplündert, und Paul Netheim wurde nach Inhaftierung im Rathaus bis zum 24.11.1938 nach Buchenwald verbracht. Auf ihn richtete sich der besondere Hass der Nazis, so dass er einmal auf einem Spaziergang so schwer misshandelt wurde, dass er sich einige Zeit stationär behandeln lassen musste. Trotzdem stellte er seine Wohnung in der Folgezeit als geheimen Versammlungsort zur Verfügung. 1939 musste die Familie ihr Haus verkaufen und 1940 zunächst zu Dr. Frankenberg, Corveyer Allee 5, und dann im April 1942 in die „Judenwohnung“ der Familie Kaufmann in der Markstr. 27 ziehen. Paul Netheim war der letzte Vorsteher der jüdischen Gemeinde Höxter und dann auch im ganzen Kreis. Am 31.7.1942 wurde er zusammen mit seiner Frau Sophie und deren 1940 zugezogener Tante Rosa Schönfeld nach Theresienstadt deportiert. Am 9.10.1944 wurde das Ehepaar nach Auschwitz verbracht und dort Ende 1944 ermordet.

Verlobung Ostern 1928
Verlobung Ostern 1928

Netheim, Sofie geb. Katz, *18.5.1897 in Ovenhausen, Tochter des Handelsmannes Moses Katz und seiner Frau Lina geb. Schönfeld aus Dössel.
Sie heiratete 1928 den Kaufmann Paul Netheim (Konfektionswaren, Wäsche, Stoffe). Das Ehepaar wohnte zunächst in Höxter in der Charlottenstr. 2 und zog 1934 in das Geschäftshaus Rosenstr. 2, das dem in Osnabrück als Rechtsanwalt ansässigen Bruder Max Netheim (1939 in die USA geflohen) gehörte. Die Ehe blieb kinderlos. Nach der zwangsweisen Aufgabe des Geschäfts musste die Familie 1940 zunächst zu dem jüdischen Arzt Dr. Frankenberg in der Corveyer Allee 5 und dann im April 1942 in die „Judenwohnung“ der Familie Kaufmann, Marktstr. 27 ziehen. Am 31.7.1942 wurde Sofie Netheim zusammen mit ihrem Mann und ihrer 1940 zugezogenen Tante Rosa Schönfeld nach Theresienstadt deportiert. Von dort wurde das Ehepaar am 9.10.1944 nach Auschwitz verschleppt, wo beide Ende 1944 ermordet wurden.

Ida Pins geb. Lipper 1937
Ida Pins geb. Lipper 1937

Pins, Ida geb. Lipper, *27.6.1883 in Fürstenau, Tochter des Kaufmanns Jacob Lipper und seiner Frau Emilie geb. Benjamin, die 1886 in Höxter ein Kleidungs- und Manufakturwarengeschäft eröffneten.
Sie heiratete 1916 den aus Dülmen stammenden Tierarzt Dr. Leo Pins und hatte mit ihm die 1917 und 1920 geborenen Söhne Otto (Jacob) und Rudolf (Rudi). Von 1921 bis 1926 lebte die Familie besserer Einkommensmöglichkeiten wegen in Lüdinghausen, wo sie in einem alten Haus am Stadtrand wohnte. Als Idas Bruder Benno 1926 das bisher von ihm betriebene elterliche Geschäft in der Marktstr. 12 aufgab, um nach Braunschweig zu ziehen, kehrte die Familie nach Höxter zurück, wo Ida Pins in den folgenden Jahren das Geschäft weiterführte, während ihr Mann im Haus seine Tierarztpraxis hatte. Bereits 1934 gab sie das Geschäft auf, und die Familie dachte schon früh an Auswanderung. Im November 1934 schickten die Eltern ihren 14-jährigen Sohn Rudolf mit einem Kindertransport in die USA, und der ältere Sohn Otto emigrierte 1936 nach einem Hachschara-Vorbereitungslager 1936 nach Palästina. Die Eltern konnten jedoch für sich die für die Auswanderung nötigen Papiere und finanziellen Mittel nicht aufbringen. Sie zogen 1935 zur Familie Rosenberg in die Corveyer Allee 2 und wurden am 13.12.1941 nach Riga deportiert. Dort arbeitete Ida Pins in der Kleiderkammer. 1943 wurde das Ehepaar in die Kasernierung Reichsbahn verlegt, wo Ida in der Küche arbeitete, bis das Ehepaar im Juli 1944 bei einer „Aktion“ des berüchtigten SS-Hauptsturmführers Krebsbach ermordet wurde.
Weiteres siehe Die Eltern Pins…

Dr. Leo Pins 1937
Dr. Leo Pins 1937

Pins, Leo, Dr., *20.1.1884 in Dülmen, Sohn des Viehhändlers Herz Pins und seiner Frau Friederike geb. Blume.
Nach dem Abitur und dem Studium in München und Hannover erhielt er 1908 seine Approbation als Tierarzt und promovierte 1910 zum Dr. vet. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Veterinäroffizier mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. 1916 heiratete er die Höxteranerin Ida Lipper. Wegen der begrenzten Einkommensmöglichkeiten in Höxter zog das Ehepaar mit den 1917 und 1920 geborenen Söhnen Otto (Jacob) und Rudolf (Rudi) 1921 nach Lüdinghausen, wo die Familie in einem alten Haus am Stadtrand lebte. Als der Bruder seiner Frau 1926 das elterliche Kleidungs- und Manufakturwarengeschäft in der Marktr.12 in Höxter aufgab, zogen Dr. Leo und Ida Pins nach Höxter zurück, wo Ida das Geschäft übernahm, während ihr Mann im Haus seine Tierarztpraxis betrieb. Außerdem war bis 1933 als Fleischbeschauer tätig. Die Familie plante wohl schon früh eine Auswanderung. Nachdem Ida Pins schon 1934 das Geschäft aufgegeben hatte, schickten die Eltern ihren jüngeren Sohn Rudi im November 1934 mit einem Kindertransport in die USA, und der ältere Otto wanderte 1936 nach einem Hachschara-Vorbereitunglager nach Palästina aus. Für eine eigene Auswanderung konnten die Eltern jedoch nicht die nötigen Mittel aufbringen. Sie zogen 1935 zur Familie Rosenberg in der Corveyer Allee 2. In der Pogromnacht 1938 wurde Leo Pins verhaftet und bis Anfang Dezember nach Buchenwald verbracht. Am 13.12.1941 wurde das Ehepaar nach Riga deportiert, wo Dr. Leo Pins zunächst im Innen- und dann im Außendienst arbeitete, ebenso auch nach der Auflösung des Ghettos und der Verlegung in die Kasernierung Reichsbahn. Im Juli 1944 wurde das Ehepaar bei einer „Aktion“ des berüchtigten SS-Hauptsturmführers Krebsbach ermordet.
Weiteres siehe Die Eltern Pins…

Ransenberg, Frieda
Der im 1. Weltkrieg gefallene Bruder Hermann 1901 als Schüler der Quarta

Ransenberg, Frieda, *5.4.1890 in Höxter, Tochter des Metzgers und späteren Buchhalters Selig Ransenberg und seiner Frau Betty geb. Judenberg.
Sie blieb unverheiratet und versorgte nach dem Wegzug der Geschwister und dem Tod der Mutter (1912) den Haushalt des Vaters in Höxter, Albaxer Str. 28a. 1937 zog sie mit ihrem Vater, möglicherweise wegen Kündigung der Wohnung, zur Familie Netheim in die Rosenstraße 2. Nach der Arisierung des Netheimschen Hauses mussten Vater und Tochter dann im September 1939 zu der Viehhändlerfamilie Dillenberg, Stummrigestr. 47, ziehen. 1940 und 1941 hielten sie sich zweimal zu mehrwöchigen Aufenthalten in Dorstfeld, dem Geburtsort ihres Vaters, auf. Möglicherweise hofften sie auf eine Auswanderung, denn Schwester Jenny floh von dort nach Belgien, von wo sie später deportiert wurde. Am 10./11.7.1942 wurde Frieda Ransenberg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Todesfallanzeige für Selig Ransenberg in Theresienstadt

Ransenberg, Selig, *8.10.1861 in Dorstfeld, Sohn von Herz Ransenberg und seiner Frau Anna geb. Neuwald.
Er heiratete 1887 die aus Fürstenau stammende Betty Judenberg (*1853) und zog 1889 von Coesfeld nach Höxter, wo er mit seiner Frau als Buchhalter in der Albaxer Str. 28a wohnte, nachdem er ursprünglich Metzger gewesen war. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, von denen der älteste Sohn Hermann 1917 im Ersten Weltkrieg in Rumänien fiel. Während vier der Kinder aus Höxter verzogen, blieb die unverheiratete Tochter Frieda in Höxter und versorgte nach dem Tod der Mutter (1912) den Haushalt. Möglicherweise wegen Kündigung der Wohnung zogen Selig Ransenberg 1937 und seine Tochter in das Haus der Familie Netheim in der Rosenstr. 2. In der Pogromnacht 1938 wurde der 76-Jährige verhaftet, aber wegen seines Alters nicht nach Buchenwald verbracht. Als das Haus der Netheims 1939 arisiert wurde, musste er mit seiner Tochter in die Stummrigestr. 47 zur Familie Dillenberg ziehen. Vielleicht in der Hoffnung auf eine Auswanderung hielten er sich mit Tochter Frieda 1940 und 1941 zu jeweils mehrwöchigen Aufenthalten in seinem Geburtsort Dorstfeld auf, von wo die andere Tochter Jenny nach Belgien floh. Sie wurde jedoch von dort ebenso wie der Bruder Max aus Frankreich und die Schwester Frieda aus Höxter nach Auschwitz deportiert und ermordet. Selig Ransenberg wurde am 31.7.1942 nach Theresienstadt transportiert, wo er nach wenigen Wochen am 18.9.1942 umkam.

Dankesbrief der Tochter Anny an die Stadt Höxter nach der Benennung einer Straße nach ihrem Onkel Dr. Richard Frankenberg
Dankesbrief der Tochter Anny an die Stadt Höxter nach der Benennung einer Straße nach ihrem Onkel Dr. Richard Frankenberg

Rosenberg, Kathi geb. Leopold, *7.4.1880 in Barchfeld (damals Kreis Schmalkalden), Tochter von Maier Leopold und Pauline geb. Ganzmann.
Sie heiratete um 1900 den Kaufmann Siegmund Rosenberg (*1868), der in Höxter in der Corveyer Allee 2 eine florierende Kohlen-, Futtermittel- und Baumaterialhandlung betrieb, wie zahlreiche Zeitungsanzeigen belegen. Er hatte in Höxter eine angesehene Stellung. Zeitweise gehörte er zu den Vorstehern der jüdischen Gemeinde und war jahrelang Vorsitzender des AOK-Bezirks Stadt und Amt Höxter. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg war er auch Mitglied des Kriegervereins der ehemaligen 55-er. Kathi Rosenberg kümmerte sich indessen um die 1902 geborene Tochter Anny und ab 1909 auch um ihre aus Barchfeld mit ins Haus eingezogenen Eltern. Anny Rosenberg heiratete etwa 1924 Rudolf Baruch aus Gelsenkirchen, der als Prokurist in das Geschäft eintrat. 1928 wurde deren Tochter Ursula geboren, und im selben Jahr starb Kathi Rosenbergs Vater Maier Leopold. Zwei Jahre später starb auch ihr Mann Siegmund (1930), und Rudolf Baruch führte das Geschäft bis ins Dritte Reich weiter. Während Rudolf und Anny Baruch mit der Tochter Ursula 1937 nach Palästina auswandern konnten, blieben Kathi Rosenberg und ihre Mutter Pauline in Höxter. Kathi Rosenberg wurde am 11.7.1942 zur Ermordung nach Auschwitz, ihre Mutter Pauline am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert.

Wohl Lina Rosenberg um 1895
Wohl Lina Rosenberg um 1895

Rosenberg, Lina, *25.12.1866 in Höxter, Tochter von Siegmund Soistmann Rosenberg und Jenny geb. Jacobs.
Nachdem ihr Vater nicht einmal ein Jahr nach ihrer Geburt gestorben war, wuchs sie nach der Wiederverheiratung ihrer Mutter mit dem Kaufmann Gustav Frankenberg zusammen mit ihrem Bruder Siegmund und den sieben Kindern aus dieser zweiten Ehe in der Stummrigestr. 16 in Höxter auf. Sie blieb unverheiratet. Zumindest in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre lebte sie nicht in Höxter. Weiteres ist bisher nicht bekannt. Spätestens ab Mitte der 1920er Jahre wohnte sie mit ihrer ebenfalls ledigen Halbschwester Margarete Frankenberg in der Stummrigestr. 49. 1935 zog ihre verwitwete Halbschwester Eugenie mit ins Haus ein und 1936 auch die ebenfalls verwitwete Halbschwester Olga. Anfang Mai 1942 mussten die vier Schwestern in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstr. 8 ziehen, bevor Lina Rosenberg und ihre Halbschwester Eugenie am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert wurden. Von dort wurde Lina Rosenberg am 26.9.1942 nach Treblinka verschleppt und ermordet.
Siehe auch „Kleine Geschichte der Familie Frankenberg“

Rosenstein, Jole

Rosenstein, Jole (Joli), fälschlich auch Joel, *30.6.1886 in Triest/Italien, Tochter des in Arendsee (Altmark) geborenen Alex Rosenstein und seiner ersten Frau Jenny geb. Grego aus Triest, nach deren Tod der Vater die Nichtjüdin Elise Pibrouz heiratete, die zum jüdischen Glauben übertrat.
Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. Ihr in Bühne (Borgentreich) geborener Großvater Samuel war um die Mitte des 19. Jahrhunderts nach Arendsee gezogen, wo die Familie ein Bekleidungsgeschäft betrieb. Ihr Vater Alex ging als Techniker der Nähmaschinenfirma Singer nach Triest. Die Tochter Jole wurde Buchhalterin und zog 1902 zu einer Tante nach Köln. Später lebte sie ledig in Schlüsselburg und zog vermutlich wegen alter Verwandtschaft mit in Brakel ansässigen Verwandten 1937 von Schlüsselburg nach Höxter in die Stummrigestr. 25. 1940 musste sie in das „Judenhaus“ der Synagoge an der Nagelschmiedstr. 8 umziehen. Am 31.7.1942 wurde sie nach Theresienstadt und von dort am 29.1.1943 nach Auschwitz weiter deportiert und ermordet.

Rothenberg, Berta geb. Frankenberg

Rothenberg, Berta geb. Frankenberg, *20 od. 25.4.1874 in Meimbressen, Tochter des Vörden stammenden Samuel Frankenberg und der in Kassel geborenen Sophie Lahr, die sich in Meimbressen niedergelassen hatten.
Sie heiratete um 1900 den in Stadtoldendorf ansässigen Kaufmann Richard Rothenberg, der in der Teichtorstr. 1 ein Textilwarengeschäft führte. 1904 wurde der Sohn Karl geboren. 1929 starb ihr Mann, und Bertha Rothenberg führte das Geschäft in der Folgezeit weiter, unterstützt von ihrem Schwager Rudolf, dessen Hut-, Pelz- und Textilgeschäft gegenüber in der Kellerstr. 1 lag. Nach der Arisierung des Geschäft zog Bertha Frankenberg übergangsweise, wie sie sicher hoffte, zu der entfernt verwandten Kathi Rosenberg nach Höxter, Corveyer Allee 2. Ihr Sohn Karl wanderte im Oktober 1938 mit seiner kurz zuvor geheirateten Frau Lotte geb. Adler nach New York aus. Die Mutter wollte ihm folgen, durfte jedoch auf Anordnung des Oberfinanzpräsidenten in Hannover nicht mehr über ihr Vermögen verfügen und blieb in Höxter. Sie wurde am 31.7.1942 nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert und dort ermordet.

Schönfeld, Rosa, *30.1.1861 in Dössel (damals Kreis Warburg), Tochter von David Schönfeld. Die Familie betrieb bis ins 20. Jahrhundert hinein in Dössel eine Gastwirtschaft.
Rosa Schönfeld war eine Schwester von Lina Katz geb. Schönfeld, der Mutter von Sofie Netheim geb. Katz. Sie hatte anscheinend zwischenzeitlich in Telgte gewohnt und zog Anfang 1940 aus Warburg kommend bei ihrer Schwester Lina in die Rosenstr. 2 in Höxter ein. Mit der Familie Netheim musste sie zum Oktober 1940 zu dem jüdischen Arzt Dr. Frankenberg in der Corveyer Allee 5 ziehen, bevor im Mai 1942 ein erneuter Umzug in die „Judenwohnung“ der Familie Kaufmann in der Marktstr. 27 folgte. Von dort wurde sie am 31.7.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie nach wenigen Tagen am 12.8.1942 umkam.

Simson, Günter. J.

Simson, Günter. J., *26.10.1937 in Höxter, Sohn von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern, Westerbachstr. 12.
Er wurde als Vierjähriger am 13.12.1941 mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern nach Riga deportiert und dort vermutlich bei einer der Selektionen ermordet.

Simson, Henriette

Simson, Henriette, *7.6.1936 in Höxter, Tochter von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern, Westerbachstr. 12.
Sie wurde sechsjährig am 13.12.1941 mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern nach Riga deportiert und dort vermutlich bei einer der Selektionen ermordet.

Regina Simson eröffnet 1932 ein Friseurgeschäft
Regina Simson eröffnet 1932 ein Friseurgeschäft

Simson, Regina geb. Himmelstern, *21.10.1902 in Höxter, Tochter des aus Beverungen stammenden Simon Himmelstern und seiner Frau Bertha geb. Schierling aus Marburg, die etwa seit 1900 in Höxter an der Westerbachstr. 12 eine koschere Metzgerei betrieben.
Regina Himmelstern arbeitete ab 1921 offenbar in verschiedenen Stellungen in ganz Deutschland (Frankfurt, Kassel, Köln, Saarbrücken). In Berlin lernte sie den aus Gilgenburg (Ostpreußen) stammenden Kaufmann Siegfried Simson kennen, und 1932 heirateten die beiden. Nach der aus Altersgründen erfolgten Schließung der Metzgerei versuchte sich Regina Simson im elterlichen Haus offenbar vergeblich mit einem Friseurgeschäft und danach mit einem Tee-, Kaffee- und Kakaohandel. Schließlich wurden die Geschäftsräume 1935 an ein „arisches“ Fischgeschäft vermietet. In schneller Folge wurden 1933 bis 1937 vier Kinder geboren. Am 13.12.1941 wurde Regina Simson mit ihrem Mann, ihren vier Kindern und ihrer Mutter nach Riga deportiert. Ihre Mutter starb nach wenigen Wochen. Ihr Mann wurde im März 1942 wegen Brothandels hingerichtet. Die vier Kinder kamen vermutlich bei einer der Selektionen um. Regina Simson wurde in das Nebenlager Riga-Jungfernhof verschleppt und dort am 20.5.1943 ermordet.

Simson, Ruth H.

Simson, Ruth H., *15.7.1933 in Höxter, Tochter von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern, Westerbachstr. 12.
Nach der Schließung der öffentlichen Schulen für jüdische Kinder gaben sie ihre Eltern zum Schulbesuch in das jüdische Waisenhaus in Paderborn. Am 13.12.1941 wurde sie 8-jährig mit ihren Eltern und und ihren drei Geschwistern nach Riga deportiert und dort vermutlich bei einer der Selektionen ermordet.

Simson, Siegfried

Simson, Siegfried, *6.6.1901 in Gilgenberg (Kreis Osterode/Ostpreußen), Sohn von Samuel (Adolph) Simson.
Er lebte in den 1920er Jahren als Kaufmann in Berlin und hatte dort eine uneheliche Tochter (*1926). Er lernte die aus Höxter stammende und in Berlin angestellte Regina Himmelstern kennen, und 1932 heirateten die beiden. Sie zogen nach Höxter, wo Reginas Vater in der Westerbachstr. 12 eine bald aus Altersgründen geschlossene Metzgerei betrieb. Offenbar vergeblich versuchten sie ein Friseurgeschäft und danach ein Tee-, Kaffee- und Kakaogeschäft aufzubauen. 1935 wurden die Geschäfträume an ein „arisches“ Fischgeschäft vermietet, und Siegfried Simson erscheint in den Quellen als Arbeiter. Er hatte mit seiner Frau vier Kinder, die zwischen 1933 und 1937 geboren wurden. In der Pogromnacht wurde Siegfried Simson verhaftet und für zwei Wochen nach Buchenwald verbracht. Am 13.12.1941 wurde er mit seiner Frau, den vier Kindern und der Schwiegermutter nach Riga deportiert. Letztere kam nach wenigen Wochen um. Er selbst wurde im März 1942 „wegen etwas Brot“ erschossen oder erhängt. Seine Kinder kamen vermutlich bei einer der Selektionen um, während seine Frau nach ihrer Weiterverschleppung in Riga-Jungfernhof ermordet wurde.

Simson, Werner S.

Simson, Werner S., *21.12.1934 in Höxter, Sohn von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern, Westerbachstr. 12.
Nach der Schließung der öffentlichen Schulen für jüdische Kinder schickten ihre Eltern ihn zum Schulbesuch in das Jüdische Wasienhaus in Paderborn. Er wurde knapp siebenjährig am 13.12.1941 mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern nach Riga deportiert und dort vermutlich bei einer der Selektionen ermordet.

Die Familie Uhlmann um 1930. © Susan Wertheim Farkas

Uhlmann, Johanna geb. Katz, *17.12.1895 in Nenterhausen, Tochter des Metzgers und Handelsmannes Herz Katz und seiner Frau Bertha geb. Nussbaum.
Sie heiratete 1925 den aus Ovenhausen stammenden Gustav Uhlmann, der als Kaufmann und später Geschäftsführer im Kaufhaus Löwenstein angestellt war. Das Ehepaar wohnte in die Westerbachstraße 12, wo 1927 der Sohn Walter geboren wurde. Nach einer Zwischenstation im Haus Nr. 9 folgte 1932 ein Umzug in die Wegetalstr. 6. Nach der Pogromnacht 1938 wurde ihr Mann für knapp drei Wochen in Buchenwald inhaftiert und musste nach seiner Rückkehr in einer Lederpappenfabrik in Godelheim arbeiten. Ihren Sohn Walter, der keine öffentlichen Schule mehr besuchen durfte, schickten die Eltern von 1939 bis 1941 zur Israelitischen Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Inzwischen war auch Johannas Mutter Bertha Katz im Dezember 1938 mit ins Haus eingezogen. Im September 1941 musste die Familie in das „Judenhaus“ in der Stummrigestr. 49 umziehen und wurde drei Monate später am 13.12.1941 nach Riga deportiert, während die Mutter noch in Höxter blieb. Bis 1944 blieb die Familie zusammen, denn Gustav Uhlmann wurde der Lagerpolizei zugeteilt und konnte Frau und Sohn so beschützen. Als er jedoch im September 1944 nach Liebau abgeordnet wurde, wurde Johanna Uhlmann am 1.10.1944 mit ihrem Sohn nach Stutthof verschleppt, wo sie am 17.12.1944 umkam. Auch der Sohn Walter starb vermutlich dort.

Aus einem Brief Gustav Uhlmanns vom 29.10.1945

Ihr Mann Gustav Uhlmann, *27.3.1899 in Ovenhausen, Sohn des Kolonial- und Haushaltswarenhändlers Levi Uhlmann und dessen zweiter Frau Johanna geb. Löwendorf, ist der einzige höxtersche Jude, der die Deportation überlebte.
Nach einer Kaufmannslehre arbeitete er in Elberfeld. Im Ersten Weltkrieg wurde er verwundet und kehrte 1925 nach Höxter zurück, wo er als Verkäufer und später Geschäftsführer im Kaufhaus Löwenstein angestellt war. Aus seiner Heirat (1927) mit der aus Nentershausen stammenden Johanna Katz ging 1927 der Sohn Walter hervor, mit denen er in der Westerbachstr. 12, dann Nr. 9 und schließlich in der Wegetalstr. 6 wohnte. Nach der Pogromnacht wurde er für knapp drei Wochen in Buchenwald inhaftiert. Bei seiner Rückkehr war das Kaufhaus Löwenstein arisiert, und Gustav Uhlmann musste in der Folge in einer Lederpappenfabrik in Godelheim arbeiten. Er fuhr jedoch regelmäßig nach Berlin, um Englisch zu lernen und so eine Auswanderung der Familie vorzubereiten, während der Sohn Walter von 1939 bis 1941 die Israelitische Gartenbauschule in Hannover-Ahlem besuchte. Nach einem erzwungenen Umzug in das „Judenhaus“ Stummrigestr. 49 im September 1941 wurde er mit Frau und Sohn am 13.12.1941 nach Riga deportiert. Dort gehörte er der Ghetto-Polizei an und konnte seine Familie bis zu seiner Abkommandierung nach Liebau im September 1944 beschützen. Während seine Frau und sein Sohn in Stutthof umkamen, wurde Gustav Uhlmann beim Heranrücken der Roten Armee mit einem Frachtschiff in das Polizeigefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel transportiert. Nach einem 4-tägigen Marsch in das „Arbeitserziehungslager“ Kiel-Hassee, den nur 153 von 1.400 Juden überlebten, gelangte er am 1.5.1945 aufgrund eines Abkommens zwischen Himmler und Vertretern des Roten Kreuzes über Schweden in die USA zu seinem Bruder Wilhelm, der bereits 1936 in die USA geflohen war. Gustav Uhlmann starb 1953 in den USA.
Gustav Uhlmanns Briefe nach dem Krieg geben einen Einblick in das Leben und Sterben der nach Riga deportierten Juden. So heißt es in einem Brief vom 29.10.1945: „Einige Tage vor unserer Ankunft hatten die Nazis 34.000 jüdische Letten erschossen. In dieselben Wohnungen, wo die wohnten, mußten wir rein. Die ersten 14 Tage haben wir keine Verpflegung bekommen und mußten davon leben, was wir in den Wohnungen vorgefunden haben. Es sind gleich viele gestorben! Frau Himmelstern, Bukofzer, das Kind von Bukofzer auch, meine Cousine von Vörden, Simon ist erschossen worden.“ Und über seine Rettung schreibt er: „Ich kam von Riga nach Liebau und von dort, wie die Russen näherkamen, kamen wir mit einem Frachtdampfer nach Hamburg ins Gefängnis. Von da haben wir einen vier Tagesmarsch nach K.Z. Kiel machen müssen, von 1400 Mann sind wir 153 gerettet worden. Wir hatten nichts weiter mehr als unsere gestreifte Sträflingskleidung. Sie können sich ja nicht denken, wie das ein Gefühl war, als wir eines Morgens am 1. Mai 1945 von Roten-Kreuz Schwestern gerettet wurden. Es durfte aber auch keine 14 Tage dauern so wären wir alle verloren. Ich habe noch 47 kg gewogen und jetzt Gottseidank schon wieder 82 kg. Von Höxter soll ich wohl der einzige übriggebliebene sein. Von meinem Sohn und meiner Frau habe ich noch nichts gehört und muß ich auch annehmen, daß keiner mehr da ist.“

Uhlmann, Walter, *25.9.1927 in Höxter, Sohn von Gustav Uhlmann und seiner Frau Johanna geb. Katz.
Er wohnte mit seinen Eltern zunächst in der Westerbachstr. 12 und dann ab 1932 in der Wegetalstr. 6. Nachdem er zunächst noch eine öffentliche Schule besuchen durfte, schickten ihn seine Eltern nach dem entsprechenden Verbot von Juni 1939 bis September 1941 zur schulischen Grundbildung auf die Israelitische Gartenbauschule in Hannover-Ahlem. Im selben Monat musste die Familie in das „Judenhaus“ in der Stummrigestr 49 umziehen. Von dort wurde Walter mit seinen Eltern am 13.12.1941 nach Riga deportiert, wo sein Vater der jüdischen Lagerpolizei angehörte und seine Familie so noch beschützen konnte. Als er jedoch nach Liebau abgeordnet wurde, wurden Walter und seine Mutter am 1.10.1944 nach Stutthof verschleppt, wo die Mutter am 17.12.1944 umkam. Ort und Zeit des Todes von Walter Uhlmann sind nicht bekannt.

Wolf(f), Goldine geb. von der Wyll,
Die in Norden verlegten Stolpersteine für das Ehepaar Wolff und ihren Sohn Jacob mit seiner Frau und seiner Tochter

Wolff, Goldine geb. von der Wall, *30.10.1873 in Norden, Tochter des Fleischers Heymann von der Wall und und seiner Frau Hannchen geb. Cossen.
Sie heiratete um 1898 den ebenfalls in Norden ansässigen Viehhändler und Schlachter Samuel Wolff und hatte mit ihm die Kinder Jacob Samuel und Hannchen (geb. 1900 bzw. 1901). Die Familie war angesehen und wohlhabend und geriet im Dritten Reich schnell unter den Druck der Nazis, so dass ihnen bald nach 1935 die Fortführung des Geschäfts fast unmöglich wurde, bis ihnen der Viehhandel 1938 verboten wurde. Während die Tochter Hannchen 1939 mit ihrem Mann nach England floh, blieben die Eltern und der verheiratete Sohn Jacob noch in Norden. Zur Vorbereitung des Einmarsches in die Niederlande wurden jedoch alle Juden der Region Weser-Ems gezwungen, bis zum 1.4.1940 ihre Heimat zu verlassen. Der Sohn ging mit seiner Familie nach Essen, während die Eltern Mitte März 1940 nach Höxter zur Familie Kaufmann, Marktstr. 27, zogen, vermittelt vermutlich durch den in Norden lebenden Julius Netheim, der am selben Tag in seinen Geburtsort Ottbergen zurückkehrte. Knapp zweieinhalb Jahre blieben dem Ehepaar Wolff in Höxter. Dann wurden sie am 31.7.1942 zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert, wo sie ermordet wurden.

Samuel Wolff 1926
Samuel Wolff (ganz rechts) 1926 als Vorstandstandsmitglied der Norder Synagogengemeinde vor dem Eingangsportal.

Wolff, Samuel Jacob, *26.8.1870 Norden, Sohn des Viehhändlers Jacob Samuel Wolff und der aus Aurich stammenden Hannchen Ballin.
Wie sein Vater wurde er Viehhändler und Schlachter und übernahm nach dessen Tod (1917) zusammen mit seinen Brüdern das Geschäft. Er war seit etwa 1898 mit Goldine geb. von der Wall, ebenfalls aus Norden, verheiratet und hatte mit ihr die Kinder Jacob Samuel (*1900) und Hannchen (*1901). Boykottaufrufe hinderten die Brüder im Dritten Reich an der Weiterführung ihrer Geschäfte, und so versuchten sie spätestens 1938 nach dem völligen Verbot ihres Viehhandels ihren Grundbesitz zu verkaufen. Die Genehmigung zum Verkauf an einen Landwirt ihrer Wahl wurde ihnen jedoch versagt. Während die Tochter Hannchen 1939 mit ihrem Mann nach England floh, blieben die Eltern und der Sohn Jacob mit seiner Familie noch in Norden. Als die Nazi-Armee jedoch 1940 den Einmarsch der Truppen in die Niederlande vorbereitete, wurden alle Juden der Region Weser-Ems bis auf ganz wenige Alte gezwungen, bis zum 1.4.1940 ihre Heimat zu verlassen, damit die Grenzregionen „judenfrei“ waren. Der Sohn ging mit seiner Familie nach Essen, und Samuel und Goldine Wolff zogen Mitte März 1940 nach Höxter zur Familie Kaufmann, Marktstr. 27, vermutlich auf Vermittlung des in Norden lebenden und aus Ottbergen stammenden Julius Netheim, der mit seiner Frau am selben Tag in sein Heimatdorf zurückkehrte. Knapp zweieinhalb Jahre blieben Samuel und Goldine Wolff in Höxter. Dann wurden sie am 31.7.1942 nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert und ermordet.

Sinti und Roma als Opfer rassistischer Verfolgung

Neben den Juden wurden auch die Sinti und Roma Opfer der nationalsozialistischen Rassenverfolgung. Die einzelne Opfer lassen sich nur schwer einer Stadt zuordnen, da die „Zigeuner“ ja von Ort zu Ort zogen. Bekannt ist aber, dass die folgenden drei Personen in Höxter geboren wurden:

Gomann, Ilka Marika, *12.5.1939 in Höxter (Krankenhaus), katholisch, uneheliche Tochter der Artistin Maria Gomann und des Musikers Karl Reinhard.
Die Familie hielt sich später in Halle/Saale auf und wurde nach Auschwitz deportiert. wo Ilka Gomann am 26.12.1943 ermordet wurde.

Reinhardt, Anna, *16.08.1916 in Höxter, katholisch.
Sie war später Köchin in Recklinghausen. Mit Transport vom 15.04.1944 wurde sie nach Auschwitz-Birkenau angekommen und dort ermordet.

Rose, Frieda Luise, *5.10.1920 in Höxter (Wohnwagen), katholisch, Tochter des Musikers Hugo Rose (Elberfeld) und seiner Frau Amanda geb. Schmidt.
Sie war Arbeiterin und wurde 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 3.5.1943 ermordet wurde.

Wagner, Anton, *18.10.1931 in Höxter.
Er wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er am 14.3.1943 ankam und 1943 ermordet wurde

Opfer politischer Verfolgung aus Höxter

Nicht vergessen sein sollen auch die Opfer politischer Verfolgung durch die Nazis. Davon zeugen in Höxter die Namen Bernhard Disse und Ernst Möse.

Bernhard Disse

Disse, Bernhard, *31.3.1893 in Tietelsen.
Er war Besitzer des Braunschweiger Hofes (damal: Adolf-Hitler-Straße; heute: Corbiestr. 5), verheiratet mit Änne geb. Grewe. Im Ersten Weltkrieg war er Soldat. Bekannt ist die kritische Einstellung des in Höxter beliebten Gastwirts gegenüber dem Nazi-Regime. Unmittelbar vor der Übergabe der Stadt Höxter an die bereits in Ottbergen stehenden Amerikaner untersagte er den im Haus untergebrachten deutschen Soldaten den Alkoholgenuss und riet ihnen, den Widerstand einzustellen, auch um eine Beschießung der Stadt zu verhindern. Als er daraufhin von einem Unteroffizier denunziert wurde, ordnete der Major Fahrenberg die Erschießung Disses wegen „Wehrkraftzersetzung“ an (anscheinend ohne vorangehendes Standgericht). Er wurde am 6.4.1945 im Bereich der Lüre zwischen Corvey und Lüchtringen erschossen. Seine Frau erfuhr erst zwei Tage später davon und holte den Leichnam mit dem Handwagen nach Hause. Die Verantwortlichen blieben nach dem Krieg unbestraft.

Ernst Möse

Möse, Ernst, *1891.
Der Molkereifachmann und Milchhändler, Vater von zwei erwachsenen Kindern, führte in der Papenstr. 4 sein Geschäft. Wegen einer Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg war er danach vom Kriegsdienst freigestellt. Trotz der Verbote hörte er ausländische Radiosender, kaufte in jüdischen Geschäften und äußerte offen seine Kritik an der Kriegspropaganda. Nachdem man ihn bereits 1939 wegen „abträglicher Reden“ vernommen hatte, wurde er nach der Denunziation durch eine Kundin am 10.6.1940 verhaftet und einen Monat später wegen „Rundfunkverbrechens“ und „gehässiger Äußerungen“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam zunächst ins Zuchthaus Münster und dann in das KZ Esterwege bei Papenburg. Im Dezember 1944 wurde er nach Wesendorf (Kreis Gifhorn), ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen, transportiert, wo er am 11.3.1945 aus Mangel an Ernährung starb.

Fritz Ostkämper, Stand 10.9.2017
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