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„Einmal Yekke, immer Yekke“

Die Monografie stellt den jüdischen Maler Jacob Pins aus Höxter vor

Höxter (rec). Jacob Pins ist am 4. April 2007 endgültig heimkehrt. Im historischen Adelshof in Höxter wurde zu seinen Ehren ein Museum mit dem umfangreichen Nachlass des jüdischen Künstlers eröffnet. Die Jacob Pins Gesellschaft hat hierzu ein umfangreiches Buch über Leben und Werk Pins’ herausgegeben. Die Wiederannäherung des 2005 in Jerusalem gestorbenen Holzschneiders und Malers an seine Heimatstadt ist für den Publizisten Ralph Giordano ein »Mirakel«, es beweise, dass deutschjüdische Aussöhnung möglich sei.

Titelblatt der Monografie

Pins, 1917 als Sohn eines Tierarztes in Höxter geboren, war 1936 nach Palästina emigriert. Seinen Eltern gelang die Ausreise nicht, sie wurden 1941 ins Ghetto Riga deportiert und später vergast. Trotz dieser Umstände und obwohl Pins einer der bedeutenden Künstler Israels wurde, blieb er seiner Herkunft verbunden. Er sei von deutscher Kultur „durchtränkt“, hatte er einmal gesagt: „Einmal Yekke, immer Yekke“. „Yekke“ war die Bezeichnung für westeuropäische Juden, die als Bekleidung statt der knielangen Mäntel der osteuropäischen Juden kurze Jacketts bevorzugten.

Das Buch „Jacob Pins – Künstler, Sammler, Freund“ enthält einen umfangreichen biografischen Aufsatz von Christine Longère, früher Redakteurin unserer Zeitung, die den Künstler kannte und viele Familienangehörige und Freunde befragt hat. Sie berichtet auch von einer bitteren Anekdote auf Pins’ Weg zurück nach Höxter.

Pins hatte schon 1959 erstmals seine Heimatstadt wieder besucht. 1967 und 1970 zeigte der Höxteraner Kunsthändler Herbert Henze zwei Ausstellungen mit seinen Werken. 1988 richtete eine örtliche Arbeitsgruppe, die sich der Aufarbeitung und der Dokumentation des Schicksals der Höxteraner Juden verschrieben hatte, eine Ausstellung in der Marienkirche anlässlich des 50. Jahrestags der Reichspogromnacht ein. Dazu gehörten auch Fotografien der Deportation nach Riga. Eines der Bilder zeigt einige Juden, schwerbepackt, auf dem Bielefelder Bahnhof vor dem Abtransport. Auf dieser Fotografie erkannte Pins seinen Vater wieder.

Pins’ künstlerisches Werk erschließen in dem reich illustrierten Buch drei Aufsätze von Manfred Strecker, Kultur-Chef dieser Zeitung, und einige Bildbetrachtungen weiterer Autoren.
Pins hatte 1941 in Jerusalem, mit einem schmalen Stipendium in denkbar ärmlichen Verhältnissen lebend, ein Studium bei Jakob Steinhardt aufgenommen. Steinhardt, schon 1933 nach Palästina emigriert, gehörte mit Ludwig Meidner und Ludwig Janthur zu der 1911 in Berlin gegründeten Künstler-Gruppe „Die Pathetiker“ und zählte bald zu den profilierten expressionistischen Holzschneidern Deutschlands.

Pins, der bei Steinhardt das Handwerk des Holzschnitts erlernte, befreite sich aber bald vom Vorbild seines Lehrers und entwickelte eine eigenständige bildnerische Sprache über den Expressionismus hinaus. Entscheidend dafür war die Begegnung mit der Technik des japanischen Farbholzschnitts, ein erstes Blatt hatte Pins 1945 in einem Ramschladen in Jerusalem erstanden. Die japanische Kunst kannte die Zentralperspektive nicht. Das Prinzip, die Komposition aus dem Spiel von Flächen zu entwickeln, wurde für Pins prägend.

Pins nahm am japanischen Holzschnitt nicht nur künstlerisch Maß, er wurde einer der weltweit bedeutenden Sammler dieser Blätter und schulte sich zum anerkannten Fachmann. Über ein besonderes schmales Hochformat des japanischen Farbholzschnitts, diese genannten Pfostenbilder, veröffentlichte er 1982 ein Standardwerk.

Über dem Holzschneider kommt der Maler Pins oft zu kurz. Auch in den späten Gemälden finden sich bestimmte Motive öfters wieder: der Weserbogen und die Silhouette seiner Heimatstadt Höxter.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen, 21.3.2008

Die Monografie als ePaper

Die Publikation „Monografie Jacob Pins“ können Sie in Form eines Auszugs auch digital lesen – als ePaper. Die Biografie von Jacob Pins finden Sie hier ebenso wie einzelne Seitenstrecken aus dem gedruckten Buch. Mithilfe der Lupenfunktion können Sie die Ansicht auch vergrößern oder über das digitale Inhaltsverzeichnis in andere Kapitel springen.

ePaper der Monografie Jacob Pins

ePaper Monografie Jacob Pins
ePaper Monografie Jacob Pins

Jacob Pins – Künstler, Sammler, Freund.
Herausgegeben von der „Jacob Pins Gesellschaft – Kunstverein Höxter“
Autoren: Christine Longère, Dr. Manfred Strecker
137 Seiten, 24,80 EUR

Die Monografie kann direkt bei der Jacob Pins Gesellschaft oder über den Buchhandel bezogen werden.
Weihnachts-Angebot: Versandkostenfrei innerhalb Deutschlands, der EU und der Schweiz bis zum 21.12.2014!
Preis: 24,80 €
Bestellung: forum@jacob-pins.de