Jüdische Friedhöfe in Höxter

Foto: Erinnerungstafel auf dem alten jüdischen Friedhof

Der alte jüdische Friedhof am Grefenhagen (heute: Hinter der Mauer)

Der erste bekannte jüdische Friedhof in Höxter (Flur 27, Nr. 109 und 56, jeweils teilweise) befand sich auf dem langen, schmalen Streifen zwischen dem Grefenhagen und der niederen Grube auf der Innenseite der Stadtmauer (heute: längs der Straße Hinter der Mauer). Er lag damit am Rand der Altstadt im Bereich der mittelalterlichen Befestigungsanlage, die seit dem 16./17. Jahrhundert teilweise aufgegeben und der jüdischen Gemeinde zur Nutzung überlassen wurde. Eigentlich forderten die religiösen Vorschriften einen Friedhof außerhalb der Stadt. Möglicherweise legte jedoch der Rat der Stadt den Platz am Rande der alten Stadtbefestigung fest, um rechtlichen Problemen mit dem Landesherren aus dem Weg zu gehen und zugleich die Bestattungsgelder zu kassieren. Zusätzlich war dieser Begräbnisplatz durch seine Nähe zu Corveyer Scharfrichterei und zur Abdeckerei als unrein stigmatisiert.
Die erste Belegung des Friedhofs ist in den bisher bekannten Quellen nicht erfasst und lässt sich wegen der von der jüdischen Religion geforderten ewigen Totenruhe auch archäologisch nicht ermitteln, geht aber vor die Zeit des 30-jährigen Krieges zurück. Nachweislich befand sich die etwa 850 qm große Fläche bereits 1640 im Besitz der jüdischen Gemeinde und wurde nach 1838 wegen vollständiger Belegung mit Grabstätten allmählich aufgegeben. Als letzter wurde dort der am 26. Apr. 1847 verstorbene Samuel Uhlmann aus Stahle bestattet.
Grabsteine oder andere sichtbare Spuren des Friedhofes existieren nicht mehr. Jedoch gilt auch weiterhin die damalige vertragliche Zusicherung, dass der Friedhof weder bebaut noch beackert werden darf. Heute erinnern eine freie Rasenfläche sowie eine Gedenktafel an diesen Begräbnisplatz. Die Tafel trägt folgende Inschrift:
„Jüdischer Friedhof
Bis 1848 Begräbnisplatz für eine in Höxter lebende Bevölkerungsgruppe, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion unter den überwiegend ev./kath. Stadtbewohnern eine Minderheit mit eigenen religös und kulturell begründeten Bräuchen u.a. im Rahmen der Totenbestattung bildete.
Typisch ist die Lage des Friedhofes am Rande der Altstadt im Bereich der mittelalterlichen Befestigungsanlage, die seit dem 16./17. Jahrhundert teilweise aufgegeben und der jüdischen Gemeinde zur Nutzung überlassen wurde.“

Der neue jüdische Friedhofs an der Gartenstraße

Im Jahre 1836 bat der Vorsteher der jüdischen Gemeinde den Magistrat um Fläche für einen neuen Bebräbnisplatz, da auf dem bisherigen Friedhof „nicht soviel Raum mehr frei ist, daß dort eine einzige Leiche begraben werden kann“. 1839 konnte dann das Gelände des heutigen Friedhofs an der Gartenstraße in Erbpacht erworben werden. Als erste wurde dort die am 4. Apr. 1839 verstorbene 99 1/2-jährige Fretgen Hochfeld begraben.

Einer der ältesten Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Höxter
Einer der ältesten Grabsteine auf dem Friedhof an der Gartenstraße. Er trägt nur eine hebräische Inschrift.

Jedem Gemeindemitglied wurde durch Statut der jüdischen Gemeinde von 1855 eine kostenlose Grabstelle zugesichert, und in den gut 100 Jahren seiner Belegung nahm dieser Friedhof nach den vorhandenen Quellen und Aufzeichnungen die Überreste von etwa 200 Verstorbenen auf (einschließlich der Totgeburten und der nach wenigen Tagen verstorbenen Kinder, die wohl zum Teil in vorhandenen Gräbern der Familie mitbestattet wurden). Nachdem bis 1876 die linke Seite ausgereicht hatte, begann dann auch die Belegung der rechten Seite, bis diese ab 1901 ausschließlich belegt wurde. Als letzte wurde dort die am 20. Okt. 1941 gestorbene Dina „Sara“ Katz geb. Schönfeld beerdigt.
Entgegen dem bisherigen Stand der Forschung (Köring 1976, Stratmann/Birkmann 1987, Würzburger 1988, Pracht 1998) wurde der Friedhof nach neu aufgefundenen Akten des Stadtarchivs Höxter in der Pogromnacht 1938 nicht oder nur in geringerem Umfang zerstört. So berichtet die Stadt Höxter 1943 nach Berlin, die Grabsteine seien gut fotografierbar und die Inschriften gut lesbar. Aus einem Bericht der nach dem Krieg für Höxter zuständigen Jüdischen Gemeinde Warburg erfährt man vielmehr, dass der Höxteraner Garnisonskommandant eines Tages (wohl in der zweiten Jahreshälfte 1944) befohlen habe, den Friedhof unter einer Aufsicht durch die Militärarrestanten zerstören zu lassen, und diese hätten gründliche Arbeit geleistet. Ob auf dem Gelände, das in diesen Jahren an die Stadt Höxter überging, Baracken für ausgebombte Familien aus den Städten errichtet wurden, die nach dem Krieg auf Befehl der Alliierten wieder abgerissen wurden, ist fraglich, denn hier widersprechen sich die Aussagen von Zeitzeugen.

Nach dem Krieg wurde die Stadt Höxter durch eine Verfügung des Landrats verpflichtet, den Friedhof bis zum 1.7.1945 wieder in Ordnung zu bringen. Daraufhin wurden 18 weitgehend erhaltene Grabsteine wieder aufgestellt und der Friedhof eingesät. Es handelt sich vor allem Grabsteine aus Granit, die weniger gelitten hatten
Vermutlich entstand in dieser Zeit auch das Gedenkmal in Form eines Sarkophags in der linken Ausbuchtung des Friedhofs. Es besteht vor allem aus den älteren Grabsteinen dieses Bereichs (meistens aus Sandstein), die anscheinend weniger beschädigt waren.
Im März 1947 beabsichtigte die Stadt Höxter, alle Grabsteine und Trümmer ohne Inschrift wegzuschaffen. Dagegen verwahrte sich jedoch die jüdische Gemeinde Warburg. Auf Anregung von Frau Martha Mannsbach geb. Davids aus Beverungen ordnete Bürgermeister Thies deshalb im September 1947 an, aus den zerstörten Grabsteinen ein Ehrenmal zu errichten, das am 19. September 1948 eingeweiht wurde. Friedhof und Denkmal wurden der Stadt Höxter zur Betreuung übergeben.

Das Ehrenmal aus zerschlagenen Grabsteinen
Das Ehrenmal aus zerschlagenen Grabsteinen

Das Gedenkmal besteht zum allergrößten Teil aus Überresten sehr stark zerstörter Grabsteine der verschiedensten Art (Gussstein, Sandstein, Granit) und hat die Form einer halbrunden Ehrenmals mit zwei Pfeilern auf den Seiten und einem Pfeiler auf der Rückseite. Zwei Tafeln auf den Stirnseiten der Pfeiler tragen die Namen der durch den Naziterror umgekommenen ehemaligen jüdischen Bürger Höxters. die ursprünglichen Sandsteintafeln wurden 1970 wegen Verwitterung durch Bronzetafeln ersetzt.
Trotz der Zerstörungen sind viele der Grabsteine in den beiden Mahnmalen noch identifizierbar. Die wünschenswerte Abschrift aller lesbaren Daten und Texte steht jedoch noch aus.

Nach dem Krieg fand nur noch eine Bestattung statt, als dort am 13.2.1959 die aus dem Ruhrgebiet stammende und durch den Krieg nach Höxter verschlagene Sophia Cohn begraben wurde, deren Mann Jakob Cohn von Lüchtrigen aus den Tod transportiert worden war.

Fritz Ostkämper, 1.9.2008
e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de

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Jacob Pins widmet seine Stiftung dem Andenken seiner Eltern, die 1941 deportiert und 1944 im Ghetto in Riga ermordet wurden. Zur steten Erinnerung und Mahnung finden Sie hier eine umfangreiche Dokumentation zur gemeinsamen Geschichte von Juden und Deutschen und den tragischen Schicksalen der jüdischen Mitbürger der Stadt Höxter.