
Erste Hinweise auf eine Synagoge oder einen Gebetsraum in unmittelbarer Nähe der Judengasse gibt es bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts (Rabe, Anm. 458). 1629 wird ein Rabbiner genannt, und eine Quelle von 1639 verweist auf einen ansässigen Rabbiner. Von der Existenz eines Gebetsraumes, einer Synagoge im Hause des Gottschalck, berichtet eine Akte zum Jahre 1661 (SH A XI,3), wo ihre (vorübergehende) Schließung angeordnet und vom Rat der Einspruch dagegen abgelehnt wird. Insgesamt bleiben die bisher bekannten frühen Informationen spärlich.
Das ändert sich im 19. Jahrhundert. Zunächst bis 1808 versammelte man sich noch in gemieteten Räumen an der Westerbachstraße. Die Zunahme der Anzahl der Juden in Höxter nach ihrer Emanzipation im Königreich Westfalen ab 1808 führte jedoch dazu, dass schließlich eine eigene Synagoge errichtet werden konnte. Zunächst mietete man in der Rosenstraße eine Steinkammer an, die als Synagoge eingerichtet und am 4. Dez. 1812 vom Landesrabbiner Abraham Sutro feierlich eingeweiht wurde.
Offensichtlich reichte dieser Raum jedoch schon bald nicht mehr aus. Das zunehmende Selbstbewusstsein und die höhere Finanzkraft der Juden sind sicher weitere Gründe, weshalb 1823 ein Verein zum Bau einer eigenen Synagoge ins Leben gerufen wurde. Die Kosten für den Bau sollten auf freiwilliger Basis aufgebracht werden. So konnte dann 1834 in der Nagelschmiedstraße 8 (damals noch Faulebachstraße) ein Fachwerkgebäude bezogen werden, das rechts die Synagoge mit Empore für die Frauen enthielt und in dessen linken Teil eine Lehrerwohnung und ein Schulraum eingerichtet wurden. 1843 wurde dort zusätzlich ein Frauenbad eingerichtet.

Diese Synagoge blieb der jüdischen Gemeinde in Höxter über 100 Jahre als ihr Gotteshaus erhalten und erlitt dann in der Pogromnacht 1938 schwere Verwüstungen. Einige SA-Männer stürmten gegen Morgen die Synagoge. Da die Mieter im Gebäude – sie bewohnten die ehemalige Lehrerwohnung – den anrückenden SA-Männern nicht schnell genug die Haustür öffneten, drangen diese durch die inzwischen zerstörten Fenster ein. Im Inneren verwüsteten sie die gesamte Einrichtung, warfen Gebetsrollen und sonstige Kultgegenstände auf die Straße, rissen Leuchter von der Wand, zertrümmerten den Thoraschrein, beschädigten das Geländer der Frauenempore sowie viele Bänke und Stühle. Zahlreiches Mobiliar aus dem ehemaligen Schulraum wurde von der Galerie in den Synagogenraum geworfen. Anschließend sollte die Synagoge in Brand gesteckt werden, was jedoch Nachbarn verhindern konnten, da durch die enge Wohnbebauung zahlreiche Wohnhäuser gefährdet gewesen wären. Einige Gegenstände aus der Synagoge, so etwa zwei größere Kandelaber, wurden ins Rathaus gebracht. Zahlreiches Schriftgut, Bücher und Gebetbücher wurden auf dem Marktplatz verbrannt.
Da die Synagoge nicht mehr nutzbar war, bat Paul Netheim, Vorsitzender der Synagogengemeinde Höxter, den Regierungspräsidenten um die Erlaubnis, „unser Synagogengebäude, welches auch als Wohnhaus gebraucht wurde, verkaufen zu dürfen. Gleichzeitig bitten wir höfl., auch den untergeordneten Stellen die Anweisung zu geben, uns bei dem Verkauf des Grundstückes keine Schwierigkeiten zu machen.“
Anfang 1939 kaufte der Nachbar, ein Kohlenhändler, das Fachwerkhaus. 1945 wurde der rechte Teil des Gebäudes mit der ehemaligen Synagoge durch Kriegseinwirkungen beschädigt und 1947 wegen Baufälligkeit weitgehend abgerissen. Aus den Balken wurde das heutige Altarkreuz der Nicolai-Kirche gefertigt. Bis in die 1990er Jahre hinein war aber noch ein Teil des Synagogenraums und der Frauenempore zu erkennen. Inzwischen ist auch dieser Restteil der Synagoge zu Wohnraum umgebaut. Eine Gedenktafel an der Mauer zur Nagelschmiedstraße erinnert an die ehemalige Synagoge. Die wenigen erhaltenen Gegenstände, halb verbrannte Bücher, Schriften und Reste der Ausstattung, die von Nachbarn aufbewahrt worden sind, werden im Forum Jacob Pins gezeigt. Erhalten blieben ebenfalls zwei der schmuckvollen Fensterflügel, von denen einer im Forum Jacob Pins zu sehen ist.
Fritz Ostkämper, 1.6.2008
e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de