
Die Geschichte der Juden in Stahle reicht bis in den Beginn des 18. Jahrhunderts zurück. Die Quellen sprechen dort von einer Familie (später nahm sie den Namen Lissauer an), deren Sohn Bendix Behrend Lissauer 1731 wohl in Stahle geboren wurde und später nach Vörden heiratete. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind in Stahle bereits die fünf Familien Rüsenberg, Uhlmann, Wolf, Lilienfeld und Silberberg überliefert.
Trotzdem gab es in Stahle nie eine eigene jüdische Gemeinde. Die dortigen Juden hatten die Synagoge „in des Moyses Mathias Behausung zu Albaxen zu frequentiereren“, wie es 1765 in einer Anweisung des Corveyer Abts heißt. Im frühen 19. Jahrhundert wurde zwar auch ein eigener Gebetssaal ein gerichtet. Dieser Raum in einem Privathaus existierte 1874 noch, wurde aber damals bereits seit langen Jahren nicht mehr für Gottesdienste benutzt, vermutlich seit der zweiten Hälfte der 1850er Jahre, nachdem Stahle der Synagogengemeinde Albaxen zugeordnet worden war.
Wie überall brachte das Königreich Westfalen des Königs Jérôme für die Juden größere Freiheiten. Darauf verweist etwa die Anzeige des Handelsmannes Soistmann Silberberg aus Stahle, die sich im Wochenblatt für den District Höxter im Jahre 1812 findet. Dort heißt es, bei ihm seien „sehr gute gekochte Roßhaare um die billigsten Preise einzeln und in Quantitäten zu haben“.
Mehr Informationen über die Juden in Stahle gibt es nach dem preußischen Gesetz von 1847, „die Verhältnisse der Juden betreffend“. Mit der Einrichtung und Neuabgrenzung der Synagogengemeinden wurde Stahle (ebenso wie Lüchtringen) der Synagogengemeinde Albaxen zugeschlagen. Zu dieser Zeit gab es in Stahle fünf jüdische Familien mit zwölf Personen. Die Namen der Familien waren Silberberg, Lilienfeld, Isenberg, Ransenberg, Sternau. An Berufen gab es Metzger, Kaufleute, Lumpensammler, Kleinhändler oder Handelsleute. In den Vorstand der neuen Synagogengemeinde wurde 1854 aus Stahle Salonon Isenberg gewählt.
In den folgenden Jahrzehnten mit der schließlich endgültigen Gleichberechtigung der Juden verringerte sich die Anzahl der jüdischen Bürger in Stahle. Zwischen 1840 und 1846 gab es immer nur maximal ein schulpflichtiges Kind. 1869 lebten hier noch vier jüdische Familien, bereits 1874 bei den Vorstandswahlen blieb nur noch eine Familie (Isenberg) mit einem wahlberechtigten Juden, eine Zahl, die sich gegen Ende des Jahrhunderts nur kurzzeitig durch den Zuzug des Schlachters Ransenberg erhöhte. Als der in Albaxen wohnende Israel Schlesinger als Vorsteher der Synagogengemeinde im Januar 1905 den Antrag stellte, die Gemeinde aufzulösen, gab es in Stahle bereits keine Juden mehr.
Der jüdische Friedhof in Stahle

Erhalten blieb der jüdische Friedhof. Typisch ist die Ortsrandlage. Der Friedhof liegt im Ohrtale am Ortsausgang in Richtung Hameln gegenüber dem Hotel Kiekenstein. Heute steht er unter Denkmalschutz und ist in der Verwaltung des Landesverbandes der jüdischen Kultusgemeinden.
Im 18. und weit bis ins 19. Jahrhundert bestatteten die Stahler Juden ihre Verstorbenen in Fürstenau. Das besagt ein Vergleich über den Begräbnisplatz in Fürstenau von 1773, den die Gemeinde Fürstenau mit der „gantzen Judenschaft“ abschloss – genannt sind neben Fürstenau Stahle und Albaxen.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Juden in Preußen allmählich zu gleichberechtigten Bürgern wurden, dürfte dann der Stahler Friedhof angelegt worden sein. Dort befinden sich heute noch fünf Grabsteine, die auffallend alle in einheitlicher Form aus Sandstein sind. Auf den Vorderseiten befinden sich hebräische und auf den Rückseiten deutsche Inschriften. Es sind nur Personen mit den Namen Isenberg und Ransenberg vemerkt. Während der älteste Grabstein die Jahreszahl 1883 trägt, stammen die vier anderen aus der Zeit nach der Jahrhundertwende zwischen 1902 und 1904. Als letzte wurde hier Sara Isenberg, geb. Mayer beerdigt, die am 8. Mai 1825 geboren war und am 12. September 1904 verstarb.
Man kann sich heute wundern, dass der Friedhof und die Grabsteine noch sichtbar sind. Denn das Amtsgericht Höxter stellte im Jahre 1939 fest, dass es seit längerer Zeit keine jüdische Gemeinde mehr gebe und die letzte Beerdigung mindestens 25 Jahre zurückliege. Der Landrat wandte sich an den Regierungspräsidenten, um zu erwägen, die „herrenlosen Grundstücke“, die sich „in einem verwahrlosten Zustand befinden“, an das Land Preußen zu übertragen und das Gelände „nach den erforderlichen Umbrucharbeiten evtl. als Gartenland“ zu verwenden. Als Wert für den Friedhof wurden vom Katasteramt Höxter 30 RM angesetzt. 1940 erwarb dann die politische Gemeinde die Fläche gegen 50 RM an die Regierungshauptkasse in Minden. Zu der in Aussicht genommenen Umwandlung in Gartenland kam es glücklicherweise nicht.