Höxteraner Opfer von Shoah und Verfolgung

Foto: Der Stacheldrahtzaun im Ghetto Riga , in das die meisten Höxteraner Juden deportiert wurde.

Die folgenden Kurzbiographien der Höxteraner Opfer der Judenvernichtung des Dritten Reichs berücksichtigen nur die aus der Stadt Höxter deportierten Juden. Nicht einbezogen sind die in Höxter geborenen, aber von hier verzogenen oder nur zeitweise hier lebenden jüdischen Mitbürger. Die ehemals in den heute eingemeindeten Dörfern lebenden Juden sind dort verzeichnet.

Hedwig Ahron Karteikarte StA HX
Hedwig Ahron den 1930er Jahren.

Ahron, Hedwig geb. Hochfeld, *20.2.1880 in Höxter, Tochter von Samuel Hochfeld und Jeanette geb. Weil (aus Sommersell).
Der Vater Samuel betrieb mindestens seit 1905 in der Stummrigestr. 4 das „Atelier Victoria“. Kurz nach 1900 heiratete Hedwig den aus Wunstorf (Neustadt) stammenden Armand Ahron (*17.8.1873) und zog mit ihm nach Wilhelmshaven, wo 1903 die ältere Tochter Gertrud geboren wurde. Die zweite Tochter Hilde Wilhelmine wurde am 20.7.1910 geboren (in Höxter?). Nach dem Tod seines Schwiegervaters übernahm Armand Ahron 1912 das Fotoatelier, und mindestens seit 1925 gehörte ihm das Haus. Allerdings hielt er sich wegen eines in Hannover betriebenen Tabakgroßhandels meistens dort auf, während seine Frau Hedwig das Geschäft in Höxter weiterführte und es nach dem Tod ihres Mannes 1930 auch übernahm. Die Tochter Gertrud Ahron heiratete 1930 Max Sohn (später: Israelsohn, *19.10.1901), in deren Besitz das Haus überging (Tochter Suse Anna, *1935). 1939 wurde das Haus an die Stadt Höxter verkauft, da es „im Interesse des Verkehrs abgerissen“ werden sollte. Gertrud und Max emigrierten 1939 mit ihrer Tochter Suse nach Holland. Hedwig Ahron wurde am 28.3.1942 nach Osten deportiert und ist verschollen.
__Siehe auch __ Die Familie Hochfeld

Beyerlein, Karoline

Beyerlein, Karoline (Lina) geb. Heumann, *22.2.1882 in Brühl bei Köln, Tochter von Wolf Heumann und Adele geb. Israel (aus der Moselgegend).
Genauere Informationen über ihr Leben fehlen. Sie war die erste Ehefrau eines Höxteraner Fahrlehrers. Obwohl solche Mischehen durch die Nürnberger Gesetze für nichtig erklärt wurden, behielt die Ehe ihre Gültigkeit. Allerdings trennte sich das Ehepaar später (ob im Zusammenhang der Rassengesetze der Nazis ist nicht geklärt). Frau Beyerlein wohnte danach in der Stummrigestr. 25, von wo sie am 28.3.1942 nach Osten deportiert wurde. Sie gilt als verschollen.

Bukofzer, Albert

Bukofzer, Albert, *4.5.1884 Barkoschin / Preußen (Provinz Westpreußen).
Er lebte später in Nürnberg, Schweinauer Str. 47. Verheiratet mit der aus Höxter stammenden Martha, geb. Dillenberg, mit der er die Tochter Irmgard hatte. Im Februar 1935 zog die Familie nach Höxter, Stummrigestr. 47, sicher weil das Leben in der Stadt der Reichsparteitage keine Existenzmöglichkeiten mehr bot. Am 9.12.1941 wurden die Familie nach Riga deportiert und ist verschollen.
Weiteres siehe Die Viehhändlerfamilie Dillenberg

Bukofzer, Irmgard

Bukofzer, Irmgart/d, *9.2.1929 in Nürnberg, Tochter von Albert Bukofzer und Martha geb. Dillenberg.
Im Februar 1935 Umzug der Familie nach Höxter, Stummrigestr. 47, sicher weil das Leben in der Stadt der Reichsparteitage keine Existenzmöglichkeiten mehr bot. Irmgard wurde am 26.9.1939 für eine kurze Zeit nach Hannover-Ahlem geschickt, wo die Familie offensichtlich für ihre Tochter auf eine Zuflucht in der dortigen Israelitischen Gartenbauschule hoffte. Spätestens 1941 Rückkehr nach Höxter, als die Gestapo in Ahlem eine Sammelstelle für die Deportation der Hannoveraner Juden einrichtete. Am 9.12.1941 mit ihren Eltern nach Riga deportiert und verschollen.
Weiteres siehe Die Viehhändlerfamilie Dillenberg

Bukofzer, Martha

Bukofzer, Martha geb. Dillenberg, *16.1.1891 in Höxter als Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann.
Um 1927 Heirat mit dem in Nürnberg ansässigen Albert Bukofzer. 1929 Geburt der Tochter Irmgard. Im Februar 1935 verzog die Familie von Nürnberg nach Höxter, Stummrigestr. 47, sicher weil das Leben in der Stadt der Reichsparteitage keine Existenzmöglichkeiten mehr bot. Am 9.12.1941 Deportation der Familie nach Riga . Martha Bukofzer wurde anscheinend später (wohl 1944) nach Stutthof verschleppt und ist dort verschollen.
Weiteres siehe Die Viehhändlerfamilie Dillenberg

Dillenberg, Henny

Dillenberg, Henny, *19.9.1894 in Höxter, Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann.
Sie blieb unverheiratet im Elternhaus, Stummrigestr. 47, wo der Bruder Richard später den Viehhandel des Vaters weiterführte. Weitere Informationen fehlen bisher. Am 9.12.1941 zusammen mit den anderen Familienangehörigen nach Riga deportiert und dort verschollen.
Weiteres siehe Die Viehhändlerfamilie Dillenberg

Richard Dillenberg 1901 als Schüler der Sexta
Richard Dillenberg 1901 als Schüler der Sexta

Dillenberg, Richard, *30.3.1892 in Höxter, Sohn des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann.
Nach der Bürgerschule Höxter ab 1901–1906 Besuch des Gymnasiums. Danach Eintritt in das Geschäft seines Vaters. Dort zunächst als „Handlungsgehilfe“ und ab 1925 nach dem Tod des Vaters Übernahme der Viehhandlung in der Stummrigestr. 47. Er blieb unverheiratet. In der Pogromnacht 1938 wurden an seinem Haus die Fenster eingeworfen, und Zeugen berichten von Misshandlungen durch die SA. Am 9.12.1941 zusammen mit den anderen Familienangehörigen nach Riga deportiert und dort verschollen.
Weiteres siehe Die Viehhändlerfamilie Dillenberg

Dillenberg, Ulla Julie

Dillenberg, Ulla Julie, *14.11.1884 in Höxter, Tochter des Viehhändlers Nathan Dillenberg und seiner Frau Selma geb. Heinemann.
Sie blieb unverheiratet im Elternhaus, Stummrigestr. 47, wo der Bruder Richard später den Viehhandel des Vaters weiterführte. Weitere Informationen fehlen bisher. Am 9.12.1941 zusammen mit den anderen Familienangehörigen nach Riga deportiert und dort verschollen.
Weiteres siehe Die Dillenbergs…

Frank, Gustav, *18.11.1870 in Holzminden, Sohn von Bendix Frank und Johanna geb. Zeckendorf.
Die große Familie Frank war mindestens seit dem 18. Jahrhundert in Altendorf (seit Anfang des 20. Jh. Stadtteil von Holzminden) ansässig und betrieb dort vor allem einen Pferdehandel. Gustav Frank heiratete am 1902 Hedwig geb. Baruch aus Hagen(?) und zog wohl in dieser Zeit nach Höxter, wo er zunächst in der Corveyer Allee 13, dann in der Bismarckstr. 20 ebenfalls Pferdehandel betrieb. Später wohnte das Ehepaar in der Marktstr. 15. Gustav Frank wurde mit seiner Frau Hedwig am 1.8.1942 nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblina deportiert und gilt als in Minsk verschollen.
Der 1903 geborenen Sohn Julius besuchte hier das Gymnasium und trat in dieser Zeit (1920) gegen erste Ansätze von Antisemitismus auf. Nach Abitur (1922), Jurastudium und Promotion war er als Rechtsanwalt und Notar in Braunschweig und später in Berlin tätig. Die 1933 geschlossene Ehe mit Lucie Ruth geb. Lechner aus Braunschweig blieb kinderlos. Julius und Lucie Frank gingen bereits 1933 nach England und Holland (zunächst wohl nur zeitweise?) und emigrierten 1936 nach Montevideo/Uruguay, wo Julius sein juristischen Examina auf spanisch wiederholen musste. Nach Kriegsende mehrfache Besuche in Höxter und Holzminden (zuletzt 1981), wo er alte Freunde traf und in den Archiven nach den Wurzeln seiner Familie forschte. Er starb am 1989 in Montevideo.

Frank, Hedwig, geb. Baruch, *23.12.1875, wohl in Hagen.
1902 Heirat mit dem aus Holzminden stammenden Gustav Frank, der in Höxter zunächst in der Corveyer Allee 13, dann in der Bismarckstr. 20 einen Pferdehandel betrieb. Später wohnten sie in der Marktstr. 15 (zum Sohn Julius siehe Gustav Frank). Hedwig Frank wurde mit ihrem Mann am 1.8.1942 nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblina deportiert und gilt als in Minsk verschollen.

Änne Frankenberg 1937
Änne Frankenberg 1937

Frankenberg, Anna (Änne) geb. Wichelhausen, *4.5.1892 in Herstelle, Tochter des Kaufmanns Adolph Wichelhausen und seiner Frau Ida geb. Rosenstein.
Änne Wichelhausen stammte aus der wohlhabenden Familie Wichelhausen, die seit dem 19. Jahrhundert in Herstelle ein florierendes Geschäft für Jagduniformen betrieb, dessen Verbindungen weit nach Süd- und Westdeutschland reichten. Für die Akzeptanz der Familie im Dorf, die z.B. eine ehemalige Gastwirtschaft aufkaufte, um dort einen Kindergarten und eine Nähschule einzurichten, spricht auch, dass Ännes Bruder Felix, der im 3. Reich rechtzeitig aus Deutschland fliehen konnte, 1928 in Herstelle als Schützenkönig amtierte.
1914 heiratete Änne Wichelhausen den beliebten Höxteraner Arzt Dr. Richard Frankenberg. Am 9.12.1941 wurde das Ehepaar aus seinem Haus Corveyer Allee 5 nach Riga deportiert und dort am 29.7.1944 ermordet.
Weiteres siehe
Dr. Richard Frankenberg...

Wohl Margarete Frankenberg um 1895
Wohl Margarete Frankenberg um 1895

Frankenberg, Margarete (Gretchen), *20.3.1879 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Über ihr Leben ist wenig bekannt. Sie blieb unverheiratet. Mitte der 1920er Jahre wohnte sie in der Stummrigestraße 49, von wo sie Ende 1938 sie zusammen mit ihren Schwestern Eugenie und Olga und anderen Höxteraner Juden in das Haus der Synagoge in der Nagelschmiedstraße 8 ziehen musste. Am 1.8. 1942 wurde zusammen mit ihren Schwestern und der Halbschwester Lina Rosenberg nach Osten deportiert. Anscheinend kam sie zunächst nach Theresienstadt und wurde offenbar von dort am 19.10.1944 nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet zu werden. Sie gilt als verschollen und wurde nach dem Krieg für tot erklärt.
Zur Familie Frankenberg siehe •••

Dr. Richard Frankenberg 1922
Dr. Richard Frankenberg 1922

Frankenberg, Richard, Dr., *8.10.1883 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
Richard Frankenberg stammt aus der etwa seit 1760 im Raum Höxter ansässigen Familie Frankenberg. Sein Vater war im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts nach Höxter gezogen und hatte hier ein Geschäft für Manufakturwaren, aber auch anderes eröffnet.
Richard Frankenberg studierte nach Gymnasialzeit und Abitur Medizin und ließ sich als Arzt in Höxter nieder. 1914 heiratete er Änne geb. Wichelhausen aus Herstelle und bezog mit ihr das Haus Corveyer Allee 5. Die Ehe blieb kinderlos. Im Ersten Weltkrieg als Sanitätsarzt eingezogen, engagiert er sich während der Weimarer Republik in den verschiedensten sozialen und politischen Bereichen (Stadtverordnetenversammlung, Rotes Kreuz, Kinderverschickung nach Holland, „Armenarzt“ u.v.a.). Am 9.12.1941 wurde er er zusammen mit seiner Frau nach Riga deportiert, wo beide am 29.7.1944 ermordet wurden.
Von der Geltung seines Namens in Höxter auch nach dem Ende des Dritten Reiches zeugt die Benennung einer Straße nach ihm.
Weiteres siehe Dr. Richard Frankenberg…

Goldschmidt, Karoline

Goldschmidt, Karoline geb. Blankenberg, *2.4.1868, sicher Tochter von Herz Blankenberg und Rica geb. Weinberg.
Genauere Informationen fehlen. Es handelt sich sicher um eine jüngere Schwester von Berta Kaufmann geb. Blankenberg. Offensichtlich verwitwet zog sie nach Höxter, Marktstr. 27, zu ihrer ebenfalls verwitweten Schwester, die hier bei ihrem Sohn lebte. Am 1.8.1942 wurde sie zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert und dort (nach anderen Informationen in Auschwitz) ermordet.

Anzeige der Metzgerei Himmelstern um 1928
Anzeige der Metzgerei Himmelstern um 1928

Himmelstern, Berta geb. Schierling, *14.5.1869 in Marburg, Tochter von Bendix (Pinchas) Schierling und seiner Frau Friederike geb. Wolf.
Wohl um 1900 Heirat mit dem aus Beverungen gebürtigen Metzger Simon Himmelstern, der in Höxter am Gänsemarkt (Westerbachstr. 12) ab etwa 1909 eine Fleischerei betrieb. Ihr Mann starb 1936, und sicher führte der mit der Tochter Regine verheiratete Siegfried Simson das Geschäft zunächst weiter. Am 9.12.1941 mit Tochter, Schwiegersohn und deren vier Kindern nach Riga deportiert. Dort verschollen.

Eugenie Hochheimer geb. Frankenberg 1914
Eugenie Hochheimer geb. Frankenberg 1914

Hochheimer, Eugenie geb. Frankenberg, *25.4.1870 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
1897 Heirat mit dem aus Steinheim stammenden Louis Hochheimer. Sie wohnten zunächst in Steinheim, wo die ersten zwei Kinder geboren wurden (Ernst 1898; Otto 1899). Um 1900 Umzug nach Blomberg, dort drei weitere Söhne (Fritz 1901; Walter 1903; Kurt 1907). Später lebten sie im Hameln, wo Ehemann Louis 1933 starb. Daraufhin Rückkehr nach Höxter, Stummrigestr. 49, während die Söhne in den folgenden Jahren in die USA oder nach Palästina emigrieren konnten, wo sie z.T. andere Namen annahmen. Ihre Nachkommen leben heute noch dort. Ende 1938 musste Eugenie mit der verwitweten Schwester Olga Mühlfelder und der ledigen Schwester Margarete Frankenberg sowie anderen Höxteraner Juden zunächst in das Haus der Synagoge („Judenhaus“) in der Nagelschmiedstraße 8 ziehen. Am 1.12.1942 Deportation nach Theresienstadt und am 23.9.1942 Weiterverschleppung nach Treblinka. Nach Kriegsende wurde sie in Minsk für tot erklärt. Ihr Name ist auch auf einem Grabstein auf dem jüdischen Friedhof an der Scharnhorststraße in Hameln verzeichnet.
Zur Familie Frankenberg siehe •••

Katz, Bertha geb. Nussbaum, *15.11.1860 in Hebenshausen (damals Kreis Witzenhausen).
Informationen über ihr Leben konnten bisher nicht gesichert werden. Jedoch ist der Name Katz in Höxter und Umgebung häufig vertreten, auch der Name Nussbaum ist mehrfach belegt. Sie scheint erst in den 1930er Jahren nach Höxter, Westerbachstr. 6, gezogen zu sein. Adresse und Name könnten auf eine Verwandtschaft mit Johanna Uhlmann geb. Katz hindeuten. Sie könnte die 2. Ehefrau des anscheinend von Albaxen nach Hannover verzogenen Heinemann Katz sein, der für eine Zeit auch in Höxter lebte und nach seinem Tod 1919 auf dem Friedhof in Höxter begraben wurde. Am 1.8.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie nach wenigen Tagen am 16.8.1942 umkam.

Handelsregisterauszug nach der Arisierung
Handelsregisterauszug nach der Arisierung

Kaufmann, Berta geb. Blankenberg, *2.8.1865 in Sielen, Tochter von Herz Blankenberg und Rica geb. Weinberg.
Sie heiratete Moses Kaufmann (1862-1927) und lebte mit ihm zunächst in Alsdorf, wo 1897 der Sohn Hermann geboren wurde. 1900 zog die Familie nach Höxter und betrieb hier ein Herren-, Knaben-, Konfektions- und Schuhgeschäft. Sohn Hermann war im 1. Weltkrieg Soldat und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Krieg trat er in das elterliche Geschäft, Marktstr. 27, ein und und übernahm es 1928 nach dem Tod des Vaters. 1930 heiratete er Lilly geb. Wolf(f) und hatte mit ihr die Tochter Inge Liane. In der Pogromnacht wurden am Haus die Fensterscheiben eingeschlagen, und Hermann wurde ins KZ gebracht. Da er jedoch bereits Auswanderungspapiere nach England hatte, wurde er am 12.1.1939 entlassen. Ende 1938 wurde die Firma arisiert und erlosch. Das Haus wurde verkauft, allerdings behielten die Kaufmanns Wohnrecht, und die Familie wurde auch von „arischen“ Freuden unterstützt. 1939 mussten die Kaufmanns in die oberste Etage des Hauses umziehen. Während Hermann 1939 nach England und dann weiter in die USA flüchten konnte, wohin ihm Frau Lilly mit der 9-jährigen Tochter im Juli 1941 folgte, blieb die Mutter Berta in Höxter. Sie wurde am 1.8.1942 nach Theresienstadt deportiert und starb dort nach knapp vier Monaten am 30.11.1942 (nach anderer Angabe im Jan. 1943).

Pauline Leopold 1914 vermutlich
Pauline Leopold 1914 vermutlich

Leopold, Pauline geb. Ganzmann, *20.10.1851 in Burgpreppach (damals Kreis Bamberg).
Über ihr früheres Leben fehlen bisher Informationen. Sie war verheiratet und wohnte mit ihrem Mann Maier Leopold, der 1928 verstarb, ab den 1920er Jahren bei der in Höxter mit Siegmund Rosenberg verheirateten Tochter Kathi in der Corveyer Allee 2. Am 1.8.1942 wurde sie mit ihr und weiteren Familienangehörigen nach Theresienstadt deportiert und ist danach verschollen.

Berl Löwenstein mit seiner Mutter Mitte April 1939
Berl Löwenstein mit seiner Mutter Mitte April 1939

Löwenstein, Berl-Eli, *2.9.1938 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Ernst Löwenstein und seiner Frau Gertrud geb. Wallhausen, Westerbachstr. 5.
Am 28.3.1942 wurde er mit nicht einmal drei Jahren zusammen mit seinen Eltern nach Osten deportiert und ist dort verschollen.
Weiteres siehe Die Löwensteins…

Ernst Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937
Ernst Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937

Löwenstein, Ernst, *5.8.1900 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Jacob Löwenstein und seiner Frau Minna geb. Meyer aus Schlangen.
Nach der Evangelischen Volksschule Höxter 1913 – Juni 1918 Schüler des Gymnasiums in Höxter. Abgang wegen Einberufung zum Heeresdienst. Als Artl.-Wachtmstr. mit dem EK I ausgezeichnet. 1919/1920 Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer, abgeschlossen mit dem Abitur. Danach wohl Eintritt in das elterliche Kleidungsgeschäft und Kaufhaus, Westerbachstr. 5, das er nach dem Tod des Vaters ab 1928 weiterführte. Bei den Löwensteins, bekannt als kulante Arbeitgeber, waren zuletzt 25 Angestellte beschäftigt. Ihre soziale Einstellung bewiesen sie z. B. durch Führung eines kostenlosen Mittagstisches für Kinder bedürftiger Höxteraner, denen sie auch zur Konfirmation und anderen Anlässen Geschenke machten, durch die Unterstützung bedürftiger Wöchnerinnen, durch die Schenkung der Aussteuer an Angestellte usw. 1933 kam Ernst kurzzeitig in „Schutzhaft“, da er die KPD durch kleine Spenden unterstützt hatte. Entlassung nach wenigen Tagen auf Vorlage eines Attests über den schlechten Gesundheitszustand und einer eidesstattlichen Erklärung fast sämtlicher („arischer“) Angestellter. Okt. 1937 Heirat mit Frau Gertrud (Trude) geb. Wallhausen aus Arholzen, 1938 Geburt des Sohnes Berl-Eli. In den Jahren des Boykotts wurden Kunden vor dem Geschäft fotografiert und verwarnt. In der Pogromnacht 10./11. Nov. 1938 Verwüstung der Räume, Inhaftierung im Rathaus, danach Abtransport nach Buchenwald. Entlassung am 12.1.1939. Ende 1938 Arisierung des Geschäfts. Nach Kriegsbeginn zwangsweise Einsiedlung bei der Witwe Kathi Rosenberg, Corveyer Allee 2. Musste damals von 7–16 Uhr in einer Lederpappenfabrik in Godelheim arbeiten; als diese abbrannte, dann auf einem Bauernhof. Mit Frau Gertrud und 3 1/2-jährigem Sohn Berl-Eli am 28.3.1942 nach Osten deportiert und verschollen.
Weiteres siehe Die Löwensteins…

Trude Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937
Trude Löwenstein sicher in der Zeit der Heirat im Okt. 1937

Löwenstein, Gertrud (Trude) geb. Wallhausen, *8.2.1910 in Arholzen, Tochter von Theodor Wallhausen und Johanna geb. Rothenberg.
Sie arbeitete zunächst als Sekretärin bei der Weberei A,J. Rothschild & Söhne. Im Oktober 1937 Heirat mit dem Kaufmann Ernst Löwenstein in Höxter, Westerbachstr. 5. Im Sept. 1938 Geburt des Sohns Berl-Eli. Ende 1938 wurde das Kaufhaus arisiert, und nach Kriegsbeginn musste die Familie in das zum „Judenhaus“ erklärte Haus der Witwe Kathi Rosenberg, Corveyer Allee 2, umziehen, obwohl ihnen in ihrem Haus ein Wohnrecht zugesichert war. Am 28.3.1942 wurde sie mit ihrem Mann Ernst und dem dreieinhalbjährigem jährigem Sohn Berl-Eli nach Osten deportiert, wo die ganze Familie verschollen ist.
Weiteres siehe Die Löwensteins…

Geschäftsanzeige vom 18.9.1925
Geschäftsanzeige vom 18.9.1925

Löwenstein, Minna geb. Meyer, *7.1.1868 in Schlangen (damals Kreis Detmold), Tochter von Bendix und Emma Meyer.
Sie heiratete den Kaufmann Jacob Löwenstein, der in der Westerbachstr. 5 in Höxter ein florierendes Geschäft für Kleidung und Manufakturwaren betrieb, das nach dem Tod des Vaters ab 1928 vom Sohn Ernst fortgeführt wurde. Ende 1938 Arisierung des Geschäfts. Nach Kriegsbeginng Zwangseinsiedlung bei der Witwe Kathi Rosenberg, Corveyer Allee 2. Am 1.8.1942 Deportation nach Theresienstadt, wo sie am 26.3.1943 im Krematorium eingeäschert wurde.
Weiteres siehe Die Löwensteins…

Wohl Olga Mühlfelder geb. Frankenberg um 1895
Wohl Olga Mühlfelder geb. Frankenberg um 1895

Mühlfelder, Olga geb. Frankenberg, *20.7.1877 in Höxter, Tochter des Kaufmanns Gustav Frankenberg und seiner Frau Jenny geb. Jacobs.
1910 Heirat mit Karl Mühlfelder aus Gleicherwiesen. Die Ehe blieb kinderlos. Weitere Informationen fehlen bisher. Nach dem Tod ihres Mannes, der vor 1933, starb, kehrte sie nach Höxter zurück und lebte dann in Höxter, Stummrigestr. 49. Ende 1938 musste sie zusammen mit ihren Schwestern Eugenie und Margarete und anderen Juden in das Haus der Synagoge in der Nagelschmiedstraße 8 ziehen. Von dort wurde am 1.8.1942 zusammen mit ihnen sowie der Halbschwester Lina und der Schwägerin Kathi noch Osten deportiert (sicher nach Theresienstadt) und ist verschollen.
Zur Familie Frankenberg siehe •••

Paul Netheim 1901 als Schüler in Sexta
Paul Netheim 1901 als Schüler in Sexta

Netheim, Paul, *4.8.1888 in Höxter, Sohn des Kaufmanns Levi Netheim (Konfektionswaren, Wäsche, Stoffe) und seiner Frau Helene geb. Grünewald aus Borgholz.
Nach Besuch der jüdischen Schule 1898–1906 Besuch des Gymnasiums. Abgang mit dem Einjährig-Freiwilligen Zeugnis und Eintritt in das Geschäft (Ecke Westerbachstr. 14 / Rosenstr. 2). Im 1. Weltkrieg Fahrer beim Magazin-Fuhrpark. Nach dem Tod des Vaters 1919 Übernahme des Geschäfts. 1928 Heirat mit Sophie geb. Katz aus Ovenhausen. Das Ehepaar wohnte zunächst in der Charlottenstr. 2 und zog 1934 in das Geschäftshaus Westerbachstr. 14, das dem in Osnabrück als Rechtsanwalt ansässigen Bruder Max Netheim (1939 in die USA geflohen) gehörte. Die Ehe blieb kinderlos. 1929 Wahl zum Vorsteher der Jüdischen Gemeinde. Bald nach Beginn des 3. Reiches bot die Familie 1933 ihre Häuser und Grundstücke zum Verkauf an, führte jedoch das Geschäft zunächst noch weiter, obwohl schon bald die Fenster mit Kalkfarbe beschmiert wurden. 1934 Emigration der Schwester Grete nach Australien. 1936 Konflikt mit der Stadt wegen nicht hinreichend verputzter Schornsteine. In der Pogromnacht Verwüstung und Plünderung der Räume, Inhaftierung im Rathaus, danach Abtransport nach Buchenwald, Entlassung nach einigen Wochen. In diesen Zeitraum fällt wohl auch eine Misshandlung, in deren Folge Netheim sich einige Zeit stationär behandeln lassen musste. 1939 musste die Familie ihr Haus verkaufen und mit anderen Juden zur Familie Kaufmann ziehen. Paul Netheim war einer der letzten Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde Höxter. Am 1.8.1942 zusammen mit seiner Frau Sophie zunächst nach Theresienstadt deportiert, von wo beide am 9.10.1944 nach Auschwitz verbracht und dort ermordet Ende 1944 wurden.

Verlobung Ostern 1928
Verlobung Ostern 1928

Netheim, Sofie geb. Katz, *18.5.1897 in Ovenhausen, Tochter von Moses Katz und Lina geb. Schönfeld aus Dössel.
1928 Heirat mit dem Höxteraner Kaufmann Paul Netheim (Konfektionswaren, Wäsche, Stoffe). Das Ehepaar wohnte zunächst in der Charlottenstr. 2 und zog 1934 in das Geschäftshaus Westerbachstr. 14, das dem in Osnabrück als Rechtsanwalt ansässigen Bruder Max Netheim (1939 in die USA geflohen) gehörte. Die Ehe blieb kinderlos. Nach der zwangsweisen Aufgabe des Geschäfts musste die Familie 1939 zur jüdischen Familie Kaufmann ziehen. Am 1.8.1942 zusammen mit ihrem Mann Deportation zunächst nach Theresienstadt und am 9.10.1944 weiter nach Auschwitz, wo beide Ende 1944 ermordet wurden.

Ida Pins geb. Lipper 1937
Ida Pins geb. Lipper 1937

Pins, Ida geb. Lipper, *27.6.1883 in Fürstenau, Tochter des Kaufmanns Jacob Lipper und seiner Frau Emilie geb. Benjamin.
1916 Heirat mit Dr. Leo Pins. Nach zwischenzeitlichem Aufenthalt in Lüdinghausen kehrte Ida Pins mit ihrem Mann nach Höxter zurück und führte das Kleidungsgeschäft der Eltern in der Marktstr. 12 fort. Während die Eltern ihre Söhne Jacob (Otto) und Rudolph (Rudi) nach Pälestina bzw. in die USA retten konnten, konnten sie selbst die für die Auswanderung nötigen Papiere und finanziellen Mittel nicht aufbringen und wurden am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo sie im Juli 1944 ermordet wurden..
Weiteres siehe Die Eltern Pins…

Dr. Leo Pins 1937
Dr. Leo Pins 1937

Pins, Leo, Dr., *20.1.1884 in Dülmen, Sohn von Herz Pins und seiner Frau Friederike geb. Blume.
1916 Heirat mit Ida geb. Lipper. Nach Teilnahme als Veterinär am Ersten Weltkrieg ging er mit der Familie für einige Jahre nach Lüdinghausen, da Höxter keine hinreichende Existenzgrundlage bot, kehrte jedoch nach Höxter zurück, wo seine Frau das Kleidungsgeschäft der Eltern in der Marktstr. 12 weiterführte und Leo als Tierarzt arbeitete. Die Söhne Otto Jacob und Rudoph (Rudi) konnten rechtzeitig nach Pälestina bzw. in die USA entkommen. Dr. Leo Pins jedoch wurde mit seiner Frau Ida am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo beide im Juli 1944 ermordet wurden.
Weiteres siehe Die Eltern Pins…

Ransenberg, Frieda

Ransenberg, Frieda, *5.4.1890 in Höxter, Tochter des Buchhalters Selig Ransenberg und seiner Frau Betty geb. Judenberg.
Sie blieb unverheiratet und versorgte nach dem Tod ihrer Mutter (1912) den Haushalt des Vaters in Höxter, Albaxer Str. 28a. Am 1.8.1942 deportiert (vermutlich mit ihrem Vater nach Theresienstadt), verschollen.

Der gefallene Sohn Hermann 1901 als Schüler der Quarta
Der im 1. Weltkrieg gefallene Sohn Hermann 1901 als Schüler der Quarta

Ransenberg, Selig, *8.10.1861 in Dorstfeld.
1887 Heirat mit der aus Fürstenau stammenden Betty geb. Judenberg, mit der er in der Albaxer Str. 28a als Buchhalter lebte, nachdem er ursprünglich als Fleischer gearbeitet hatte. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, von denen der älteste Sohn Hermann 1917 im ersten Weltkrieg in Rumänien fiel. Nach dem Tod der Ehefrau (1912) versorgte offensichtlich die unverheiratete Tochter Frieda den Haushalt. In der Pogromnacht 1938 wurde auch der 76-jährige Selig, der in dieser Zeit in der Westerbachstr. 14 (Netheim) wohnte, verhaftet. Weitere Zwangsumzüge scheinen gefolgt zu sein. Vermutlich zusammen mit der Tochter wurde er am 1.8.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er am nach wenigen Wochen am 18.9.1942 starb.

Dankesbrief der Tochter Anny an die Stadt Höxter nach Nennung einer Straße nach dem Onkel Dr. Richard Frankenberg
Dankesbrief der Tochter Anny an die Stadt Höxter nach Nennung einer Straße nach dem Onkel Dr. Richard Frankenberg

Rosenberg, Kathi geb. Leopold, *7.4.1880 in Barchfeld (damals Kreis Schmalkalden), Tochter von Maier Leopold und Pauline geb. Ganzmann.
Um 1900 Heirat mit dem Höxteraner Kaufmann Siegmund Rosenberg, der in der Corveyer Allee 2 eine Kohlen- und Baumaterialhandlung betrieb. 1902 Geburt der Tochter Anny, die 1928 Rudolf Baruch heiratete, der als Prokurist in das Geschäft eintrat und es später (offensichtlich nach dem Tod des Schwiegervaters Siegmund Rosenberg) übernahm. Seit den 1920er Jahren lebten auch Kathi Rosenbergs Eltern im Haus. Ihr Mann Siegmund verstarb 1930. Während Rudolf und Anny Baruch mit Tochter Ursula (*1924) 1937 nach Palästina auswandern konnten, wurde Kathi Rosenberg am 1.8.1942 mit ihrer Mutter und weiteren Angehörigen der Familie nach Osten (vermutlich Theresienstadt) deportiert und ist verschollen.

Wohl Lina Rosenberg um 1895
Wohl Lina Rosenberg um 1895

Rosenberg, Lina, *25.12.1866 in Höxter, Tochter von Siegmund Rosenberg und Jenny geb. Jacobs.
Sie blieb unverheiratet. Zumindest in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre lebte sie nicht in Höxter. Weiteres ist bisher nicht bekannt. Spätestens ab Mitte der 1920er Jahre wohnte sie in der Stummrigestr. 49. Ende 1938 musste sie zu ihrer Schwägerin Kathi Rosenberg in die Corveyer Allee 2 ziehen. Mit dieser sowie deren 91-jähriger Mutter Pauline Leopold und ihren drei Halbschwestern Eugenie Hochheimer, Olga Mühlfelder und Margarete Frankenberg wurde sie am 1. Aug. 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 26.9.1942 weiter nach Treblinka verschleppt. In Minsk für tot erklärt.
Zur Familie Frankenberg siehe •••

Rosenstein, Jole

Rosenstein, Jole, *30.6.1886 in Triest/Italien.
Weitere Informationen fehlen. Der Name Rosenstein ist in Höxter auch sonst nicht belegt, wohl dagegen z. B. in Beverungen und anderen Orten der Umgebung. Sie wohnte in der Stummrigestr. 25. Am 1.8.1942 nach Theresienstadt und am 29.1.1943 weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Rothenberg, Berta geb. Frankenberg

Rothenberg, Berta geb. Frankenberg, *20 od. 25.4.1874 in Meimbressen.
In Stadtoldendorf mit dem Kaufmann Richard Rothenberg verheiratet, dessen Geschäft sie nach seinem Tod 1929 weiterführte. Der einzige Sohn Karl wanderte 1938 in die USA aus. Die Mutter wollte ihm folgen, durfte jedoch auf Anordnung des Oberfinanzpräsidenten in Hannover nicht mehr über ihr Vermögen verfügen. Sie lebte bis zu ihrer Deportation in Höxter, Corveyer Allee 2 (sehr wahrscheinlich entfernte Verwandtschaft). Am 1.8.1942 Deportation nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka. Ins Minsk für tot erklärt.

Schönfeld, Rosa, *30.1.1861 in Dössel (damals Kreis Warburg).
Ihr Identität ist nicht sicher geklärt. Vermutlich handelt es sich um eine Schwester der Mutter (Lina Schönfeld) von Sofie Netheim geb. Katz. Darauf deuten die Adresse Rosenstr. 2 und der Name hin. Anscheinend wohnte sie vorher in Telgte und zog später nach Höxter. Sie wurde am 1.8.1942 von Höxter nach Theresienstadt deportiert, wo sie bereits nach wenigen Tagen am 12.8.1942 starb.

Simson, Günter. J.

Simson, Günter. J., *26.10.1937 in Höxter Sohn von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern (Westerbachstr. 12).
Die sechsköpfige Familie wurde am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo Günter Simson umkam.

Simson, Henriette

Simson, Henriette, *7.6.1936 in Höxter, Tochter von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern (Westerbachstr. 12).
Die sechsköpfige Familie wurde am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo Henriette Simson umkam.

Regina Simson eröffnet 1932 ein Friseurgeschäft
Regina Simson eröffnet 1932 ein Friseurgeschäft

Simson, Regina geb. Himmelstern, *21.10.1902 in Höxter, Tochter des Metzgers Simon Himmelstern und seiner Frau Bertha geb. Schierling.
1932 Heirat mit dem aus Gilgenberg (Osterrode) stammenden Siegfried Simson, der wohl in die Fleischerei am Gänsemarkt (Westerbachstr. 12) eintrat und sie nach dem Tod des Schwiegervaters Simon Himmelstern weiterführte. Regina eröffnete für kaum ein Jahr (1932-1933) ein „Damen- und Herren-Friseurgeschäft“ und 1934 dann einen Handel mit Kaffee, Tee und Kakao (ohne Ladengeschäft). Ab September 1935 befand sich ein „arisches“ Fischgeschäft im Haus. Das Ehepaar hatte vier zwischen 1933 und 1937 geborene Kinder. Zusammen mit der Mutter Berta wurden alle am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo alle umkamen.

Simson, Ruth H.

Simson, Ruth H., *15.7.1933 in Höxter, Tochter von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern (Westerbachstr. 12).
Die sechsköpfige Familie wurde am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo Ruth Simson umkam.

Simson, Siegfried

Simson, Siegfried, *6.6.1901 in Gilgenberg (Kreis Osterode/Ostpreußen), Sohn von Samuel Simson.
Lebte in den 1920er Jahren in Berlin und hatte dort eine Tochter (*1926, unehelich). Am 9.11.1932 Heirat mit Regina geb. Himmelstern, deren Vater seit etwa 1909 am Gänsemarkt (Westerbachstr. 12) eine Fleischerei betrieb, in die Siegfried Simson wohl eintrat, bis sie geschlossen wurde. Das Ehepaar hatte vier Kinder. Die sechsköpfige Familie Simson wurde zusammen mit der Schwiegermutter Berta Himmelstern (geb. Schierling) am 9.12.1941 nach Riga deportiert. Siegfried Simson wurde dort im März 1942 wegen Tauschhandel erschossen (nach anderer Aussage: erhängt).

Simson, Werner S.

Simson, Werner S., *21.12.1934 in Höxter, Sohn von Siegfried Simson und seiner Frau Regina geb. Himmelstern (Westerbachstr. 12).
Die sechsköpfige Familie wurde am 9.12.1941 nach Riga deportiert, wo Werner Simson verschollen ist.

Zeugenaussage von Gustav Uhlmann wegen des Todeszeitpunkts von Dr. Richard Frankenberg
Zeugenaussage von Gustav Uhlmann wegen des Todeszeitpunkts von Dr. Richard Frankenberg

Uhlmann, Johanna geb. Katz, *17.12.1895 in Neuterhausen.
1925 Heirat mit dem aus Ovenhausen stammenden Gustav Uhlmann, Wegetalstr. 6, der im Höxteraner Kaufhaus Löwenstein angestellt war, bis dieses Ende 1938 „arisiert“ wurde. 1927 wurde der Sohn Walter geboren. Am 9.12.1941 Deportation der ganzen Familie nach Riga , wo sie zunächst zusammenblieb, da Gustav Uhlmann das „Glück“ hatte, wie er schreibt, im Ghetto zur Lagerpolizei zu gehören. Mit Heranrücken der Front Mitte 1944 wurde die Familie jedoch auseinandergerissen. Johanna Uhlmann wurde nach Stutthof verschleppt, wo sie am 15.12.1944 umkam.
Ihr Mann Gustav Uhlmann ist der einzige Höxteraner Jude, der die Deportation überlebte. Am 9.12.1941 mit Frau und Sohn nach Riga deportiert, wo er der Ghetto-Polizei angehörte, kam er am 23.8.1944 in das KZ Stutthof, wurde von dort nach Liebau verschleppt und wurde dann beim Heranrücken der Roten Armee mit einem Frachtschiff in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel verbracht. Nach einem 4-tägigen Marsch nach Kiel, den nur 153 von 1.400 Juden überlebten, gelangte er am 1.5.1945 aufgrund eines Abkommens zwischen Himmler und und einem internationalen Vertreter über Schweden in die USA zu seinem Bruder Wilhelm, der bereits 1936 in die USA geflohen war.
Gustav Uhlmanns Briefe nach dem Krieg geben einen Einblick in das Leben und Sterben der nach Riga deportierten Juden. So heißt es in einem Brief vom 29.10.1945: “Einige Tage vor unserer Ankunft hatten die Nazis 34.000 jüdische Letten erschossen. In dieselben Wohnungen, wo die wohnten, mußten wir rein. Die ersten 14 Tage haben wir keine Verpflegung bekommen und mußten davon leben, was wir in den Wohnungen vorgefunden haben. Es sind gleich viele gestorben! Frau Himmelstern, Bukofzer, das Kind von Bukofzer auch, meine Cousine von Vörden, Simon ist erschossen worden.“ Und über seine Rettung schreibt er: „Ich kam von Riga nach Liebau und von dort, wie die Russen näherkamen, kamen wir mit einem Frachtdampfer nach Hamburg ins Gefängnis. Von da haben wir einen vier Tagesmarsch nach K.Z. Kiel machen müssen, von 1400 Mann sind wir 153 gerettet worden. Wir hatten nichts weiter mehr als unsere gestreifte Sträflingskleidung. Sie können sich ja nicht denken, wie das ein Gefühl war, als wir eines Morgens am 1. Mai 1945 von Roten-Kreuz Schwestern gerettet wurden. Es durfte aber auch keine 14 Tage dauern so wären wir alle verloren. Ich habe noch 47 kg gewogen und jetzt Gottseidank schon wieder 82 kg. Von Höxter soll ich wohl der einzige übriggebliebene sein. Von meinem Sohn und meiner Tochter habe ich noch nichts gehört und muß ich auch annehmen, daß keiner mehr da ist.”

Uhlmann, Walter, *25.9.1927 in Höxter, Sohn von Gustav Uhlmann und seiner Frau Johanna geb. Katz (Wegetalstr. 6).
Zusammen mit den Eltern am 9.12.1941 aus der Wegetalstr. 6 nach Riga deportiert. Die Familie blieb bis Mitte 1944 zusammen, da Vater Gustav der Lagerpolizei angehörte. Nach der Auflösung des Rigaer Ghettos Mitte 1944 ist Walter Uhlmann verschollen.

Wolf(f), Goldine geb. von der Wyll,

Wolff, Goldine geb. von der Wall, *30.10.1873 in Norden, Tochter von Heymann von der Wall und Hannchen, geb. Cossen.
Sie war verheiratet mit Samuel Wolff, mit dem sie die Kinder Jacob Samuel (*1900) und Hannchen (*1901) hatte. 1940 zog das Ehepaar nach Höxter zu Hermann Kaufmann, Marktstr. 27, dessen Frau Lilly eine geborene Wolff war. Während letztere mit ihrer Tochter rechtzeitig emigrieren konnten, blieben Samuel und Goldine Wolff in Höxter. Am 1.8.1942 wurden sie zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert. Beide wurden in Minsk für tot erklärt.Sehr wahrscheinlich handelt es sich um die Schwiegereltern von Hermann Kaufmann, die 1940 zu ihrer Tochter Lilly nach Höxter, Marktstr. 27, zogen. Während diese mit Mann und Tochter rechtzeitig emigrieren konnte, blieben Goldine und Samuel Wolf in Höxter. Am 1.8.1942 wurden sie zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert. Beide wurden in Minsk für tot erklärt.

Samuel Wolff 1926
Samuel Wolff (ganz rechts) 1926 als Vorstandstandsmitglied der Norder Synagogengemeinde vor dem Eingangsportal.

Wolff, Samuel Jacob, *26.8.1870 Norden, Sohn des Viehhändlers Jacob Samuel Wolff und der aus Aurich stammenden Hannchen Ballin.
Zusammen mit seinen Brüdern übernahm er den Viehhandel des Vaters. Er war verheiratet mit Goldine geb. von der Wall, mit der er die Kinder Jacob Samuel (*1900) und Hannchen (*1901) hatte. Als Schriftführer des Militär-Vereins für den Kreis Norden kümmerte er sich im Ersten Weltkrieg um die Kriegsversicherung der Einberufenen, und in der Weimarer Republik war er Mitglied des Vorstands der Norder Synagogengemeinde. Boykottaufrufe hinderten die Brüder im Dritten Reich an der Weiterführung ihrer Geschäfte, und so versuchten sie, ihren Grundbesitz zu verkaufen. Die Genehmigung wurde ihnen jedoch untersagt, und der Besitz fiel zunächst an das Deutsche Reich. Vermutlich aus diesen Gründen entschlossen sich Samuel und Goldine Wolff 1940 zum Umzug nach Höxter, wo sie zu Hermann Kaufmann, Marktstr. 27 zogen, dessen Frau Lilly eine geborene Wolff war. Während letztere mit ihrer Tochter rechtzeitig emigrieren konnten, blieben Samuel und Goldine Wolff in Höxter. Am 1.8.1942 wurden sie zunächst nach Theresienstadt und am 23.9.1942 weiter nach Treblinka deportiert. Beide wurden in Minsk für tot erklärt.
Während die Tochter Hannchen mit ihrem Mann 1939 nach England fliehen konnte, wurde der Sohn Jacob mit Frau und Tochter in der Shoah ermordet.

Neben den Juden wurden auch die Sinti und Roma Opfer der nationalsozialistischen Rassenverfolgung. Die einzelne Opfer lassen sich nur schwer einer Stadt zuordnen, da die „Zigeuner“ ja von Ort zu Ort zogen. Bekannt ist aber, dass die folgenden drei Personen in Höxter geboren wurden:

Reinhardt, Anna, *16.08.1916 in Höxter.
Köchin; mit Transport vom 15.04.1944 in Auschwitz-Birkenau angekommen, dort umgekommen.

Rose, Friede, *5.10.20 in Höxter.
Arbeiterin, umgekommen in Auschwitz-Birkenau am 3.5.1943.

Wagner, Anton, *18.10.1931 in Höxter.
Er wurde nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er am 14.3.1943 ankam, dort 1943 umgekommen.

Nicht vergessen sein sollen auch die Opfer politischer Verfolgung durch die Nazis. Davon zeugen in Höxter die Namen Bernhard Disse und Ernst Möse.

Disse Stolperstein

Disse, Bernhard, *31.3.1896 in Tietelsen.
Er war Besitzer des Braunschweiger Hofes (damal: Adolf-Hitler-Straße; heute: Corbiestr. 5), verheiratet mit Änne geb. Grewe. Im Ersten Weltkrieg Soldat. Bekannt ist die kritische Einstellung des in Höxter beliebten Gastwirts gegenüber dem Nazi-Regime. Unmittelbar vor der Übergabe der Stadt Höxter an die bereits in Ottbergen stehenden Amerikaner untersagte er den im Haus untergebrachten deutschen Soldaten den Alkoholgenuss und riet ihnen, den Widerstand einzustellen, auch um eine Beschießung der Stadt zu verhindern. Daraufhin von einem Unteroffizier denunziert, ordnete der Major Fahrenberg die Erschießung Disses wegen „Wehrkraftzersetzung“ an (anscheinend ohne vorangehendes Standgericht). Er wurde am 6.4.1945 im Bereich der Lüre zwischen Corvey und Lüchtringen erschossen. Seine Frau erfuhr erst zwei Tage später davon und holte den Leichnam mit dem Handwagen nach Hause. Die Verantwortlichen blieben nach dem Krieg unbestraft.

Möse, Ernst, *1891.
Der Molkereifachmann und Milchhändler, Vater von zwei erwachsenen Kindern, führte in der Papenstr. 4 sein Geschäft. Wegen einer Kriegsverletzung aus dem Ersten Weltkrieg war er danach vom Kriegsdienst freigestellt. Trotz der Verbote hörte er ausländische Radiosender, kaufte in jüdischen Geschäften und äußerte offen seine Kritik an der Kriegspropaganda. Bereits 1939 wegen „abträglicher Reden“ vernommen, wurde er nach der Denunziation durch eine Kundin am 10.6.1940 verhaftet und einen Monat später wegen „Rundfunkverbrechens“ und „gehässiger Äußerungen“ zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Er kam zunächst ins Zuchthaus Münster und dann in das KZ Esterwege bei Papenburg. Im Dezember 1944 wurde er nach Wesendorf (Kreis Gifhorn), Außenlager des KZ Bergen-Belsen, transportiert, wo er am 11.3.1945 aus Mangel an Ernährung starb.

Fritz Ostkämper, 18.8.2008 e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de

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Jacob Pins widmet seine Stiftung dem Andenken seiner Eltern, die 1941 deportiert und 1944 im Ghetto in Riga ermordet wurden. Zur steten Erinnerung und Mahnung finden Sie hier eine umfangreiche Dokumentation zur gemeinsamen Geschichte von Juden und Deutschen und den tragischen Schicksalen der jüdischen Mitbürger der Stadt Höxter.