
Bereits seit 1657 ist die Anwesenheit von Juden in Albaxen belegt, und bereits früh scheinen sie auch über einen eigenen, allerdings wohl angemieteten Betraum verfügt zu haben. Auch ein „Rabbiner“, der sicher gleichzeitig die Funktion des Vorsängers, Schächters und Lehrers ausübte, wird früh genannt. Als solcher lässt sich 1683 Abraham Bacharach das Privileg ausstellen, „nach jüdischen ceremonien unter hiesigen juden vorfallende copulationes zu verrichten“, also Heiratszeremonien zu vollziehen und dafür Gebühren einzunehmen.

Albaxen verfügte zwar nie über ein eigenes Synagogengebäude, und es gab auch Mitte des 18. Jahrhunderts offensichtlich Konflikte unter den dortigen Juden, so dass Corveyer Fürstabt die Juden in Albaxen und Stahle ausdrücklich aufforderte, „des Moyses Mathias Synagoge“ in Albaxen zu besuchen und nicht andere. Jedoch scheinen noch bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts dort regelmäßige Gottesdienste abgehalten worden zu sein, bis der Betraum endgültig aufgegeben wurde.
Einen eigenen jüdischen Friedhof aber hatte Albaxen nicht, sondern die Juden von Albaxen, Bödexen, Fürstenau und Stahle bestatteten ihre Toten auf dem Friedhof in Fürstenau, worüber im Jahre 1773 ein eigener Vergleich abgeschlossen wurde.

Eine besondere Bedeutung hat die jüdische Gemeinde in Albaxen offensichtlich nie gewonnen, auch wenn 1733 Wulf Heinemann mit dem Privileg des Hofjuden ausgestattet wurde. Aber 1809/10 lebten dort immerhin 10 jüdische Familien mit 41 Seelen. Das ist auch der Grund, weshalb Albaxen Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Neuorganisation der jüdischen Kultusverhältnisse unter Einbeziehung der Juden aus Stahle und Lüchtringen als eigene Synagogengemeinde konstituiert wurde. In einem Vorschlag der Amtsverwaltung Höxter-Albaxen heißt es dazu: „Obgleich die Synagoge in Albaxen klein und in schlechtem Stande ist und kaum mehr als 10 Personen fassen kann, so muß Albaxen als Mittelpunkt zwischen Stahle und Lüchtringen doch als Synagogengemeinde bestimmt werden.“
Zu dieser Zeit war die Anzahl der Juden in Albaxen bereits zurückgegangen, und sie nahm immer weiter ab. Die alteingesessenen Familien Katz (mindestens seit Ende des 18. Jahrhunderts in Albaxen ansässig) und Löwenstein waren nach Höxter übergesiedelt und hatten dort neue Geschäfte gegründet. Ebenso gab es in Albaxen auch keine Angehörigen des dortigen Zweigs der Familie Eichwald mehr.
Schließlich lebten in Albaxen nur noch die Angehörigen der Familie Schlesinger. Der aus Vörden stammende Israel Theodor Schlesinger war um 1850 mit seiner Familie nach Albaxen zugezogen, wo zunächst der Sohn Calmon und dann der Enkel Israel die Geschäfte weiterbetrieb, und zwar einen Kolonialwarenhandel und ab 1901 auch einen Schlachterbetrieb. Im Haus befand sich im 19. Jahrhunderts auch der Gebetsraum der jüdischen Gemeinde.
Letzterer – seit einigen Jahren Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Albaxen – stellte 1905 den Antrag, die Synagogengemeinde aufzulösen, da die Anzahl der Gemeindemitglieder nicht mehr hinreiche und die Gemeinde seit mehr als zehn Jahren nur noch auf dem Papier bestehe. Die Gebetsrollen befänden sich in seinem Haus und seien „infolge der langjährigen Nichtbenutzung der Gefahr des Verderbens ausgesetzt“. Der Antrag wurde zunächst abgelehnt, aber anscheinend später genehmigt.
Jedenfalls lebten 1933 in Albaxen nur noch David und Minna Schlesinger, Kinder des genannten Israel Schlesinger, die aber die Synagoge in Höxter besuchten. Der Bruder Salli war im Ersten Weltkrieg gefallen, und ein weiterer Bruder (wohl Louis), ebenfalls Kriegsteilnehmer, lebte im Ruhrgebiet und in Bonn und war später als Prokurist in Hildesheim tätig, von wo ihm 1940 mit seiner Familie die Flucht in die USA gelang.
Über die ersten Jahre des Dritten Reiches gibt es nur vereinzelte Informationen über Albaxen. Allerdings ist bekannt, dass auch in Albaxen und Stahle zeitweise Transparente hingen mit der Aufschrift „Juden raus aus unserem Vaterland“. Die beiden letzten Juden aus Albaxen wurden Opfer der Judenverfolgung. David Schlesinger kam in der Pogromnacht um, und seine Schwester Minna starb nach ihrer Deportation „zum Arbeitseinsatz im Osten“.
David Schlesinger, *20.11.1880 in Albaxen, Sohn von Israel Schlesinger und Julie (Gitel), geb. Silberberg aus Madfeld.
Als zweites Kind der Familie geboren, führte er nach dem Tod des Vaters (1915) und der Mutter (1922) mit seiner Schwester Minna das kleine Gemischtwarengeschäft der Eltern bis 1938 fort.

David Schlesinger wurde ein Opfer der Pogromnacht 1938. Er wurde nachts von zwei SA-Leuten und einem Polizisten aus Höxter aus dem Bett geholt, um mit einem offenen Kübelwagen nach Höxter transportiert zu werden. Blutüberströmt, bewusstlos und mit einem Schädelbruch kam er am Rathaus in Höxter an, dessen Keller als Gefängnis für die anschließend nach Buchenwald verschleppten Juden diente. Dort wurde er von dem bereits inhaftierten jüdischen Arzt Dr. Richard Frankenberg untersucht, dem es noch gelang, den Transport Schlesingers in das katholische St. Nicolai Krankenhaus zu veranlassen, wo Schlesinger jedoch am 10.11.1938 gegen 11 Uhr starb. Als Todesursache wurde Schädelbasisbruch „infolge Unglücksfalls“ angegeben. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Höxter beerdigt.
Mehrere Ermittlungsverfahren und Prozesse ab 1946 zogen sich bis 1961 hin, ohne dass jedoch die Todesursache beweisbar geklärt werden konnte. Die SA-Männer, die Schlesinger abgeholt hatten, sagten in einem Prozess vor dem Landgericht Paderborn (Urteil vom 18. Juni 1948) aus, er sei auf dem Weg nach Höxter unterwegs aus dem Wagen gesprungen und habe sich dabei die tödlichen Verletzungen zugezogen.
Dagegen spricht jedoch die Aussage des Polizeimajors P. sagte im Prozess: „In der Stadt ging das Gerücht, daß die Mannschaft, die den Schlesinger aus Albaxen geholt hat, tatsächlich unterwegs den Schlesinger herabgeworfen hat, so daß er gegen einen Baum geschleudert wurde und an den Verletzungen gestorben ist. Das Gerücht schien mir nicht unbegründet zu sein.“ (Zitat aus den Prozessakten). Bestraft wurde letztlich der ehemalige NSDAP-Ortsgruppenleiter wegen schwerer Freiheitsberaubung, wobei die Strafe jedoch wegen der vorausgegangenen Internierungs- und Untersuchungshaft als verbüßt angesehen wurde.
Minna Schlesinger, *5.8.1889 in Albaxen, Tochter von Israel Schlesinger und Julie (Gitel), geb. Silberberg aus Madfeld.
Zusammen mit ihrem Bruder David führte sie nach dem Tod des Vaters (1915) und der Mutter (1922) das elterliche Kolonialwaren- und Manufakturgeschäft weiter. Nach dem Tod ihres Bruders in der Pogromnacht vom 9./10.1938 und der „Arisierung“ des Geschäfts war auch ihre Existenzgrundlage vernichtet war. 1940 wurde sie vom Amtsbürgermeister als „arbeitsfähig“ gemeldet, allerdings ist unbekannt, wo sie „eingesetzt“ wurde. Hinweise auf Telgte (bei Münster) bleiben unklar. Im März 1942 wurde sie von der Gestapo im Rahmen der „Endlösung“ zum „Arbeitseinsatz im Osten“ abgeholt. Letztes Lebenszeichen war eine Karte aus dem Warschauer Ghetto. Sie wurde 1952 für tot erklärt. Das Wohnhaus mit Scheune und ca. drei Morgen Land war in das Eigentum des Deutschen Reiches übergegangen.
Ernst Würzburger: Die ehemalige Synagogengemeinde Albaxen. In: Höxter-Corvey, H. 11, Nov. 1990, S. 5/7/9/11/15