Das Vermächtnis lebt weiter

Familie des israelischen Künstlers Jacob Pins sagt Unterstützung für das Forum im Adelshof zu

VON CHRISTINE LONGÈRE

Höxter. „Sie haben etwas Großartiges geleistet!“ Die feierliche Eröffnung des Forums Jacob Pins im Adelshof nutzte Bürgermeister Hermann Hecker gestern, um der Jacob Pins Gesellschaft mit ihrem Vorsitzenden Dr. Dieter Schuler an der Spitze Dank zu sagen. Hecker bezeichnete die entstandene Stätte des Gedenkens und der Begegnung als ein Symbol „nicht nur der Mahnung, sondern auch der Hoffnung“.

Vorsitzender Dr. Schuler, Bürgermeister Hecker und Minister Wittke eröffnen das Forum Jacob Pins

„Auch für die Stadt ist heute ein großer Tag“, sagte Hecker bei der Feier im Historischen Rathaus, die der Schlüsselübergabe am Heisterman von Ziehlbergschen Adelshof in der Westerbachstraße vorausging. Endlich sei es gelungen, dem alten Bauwerk eine neue Bestimmung zu geben – nach Heckers Worten „wahrhaft eine Herkulesaufgabe, die nicht einfach zu bewältigen war“.
Vor allem aber hätten nun die Werke von Jacob Pins in seiner Geburtsstadt ein endgültiges Zuhause gefunden. „Sein Vermächtnis wird weiterleben, und wir sind alle sehr dankbar dafür“, betonte der Bürgermeister Jacob Pins habe seiner Geburtsstadt die Hand zur Versöhnung gereicht. „Er wollte Brücken bauen“, so Hecker weiter, „Brücken der Freundschaft und der Vergebung“.
Dass gestern das Forum Jacob Pins im Adelshof eröffnet werden konnte, zeigt aus Sicht Dieter Schulers, „dass Träumer Realisten sind und etwas verändern können“. Viele glückliche Zufälle hätten bei der Realisierung des Projektes geholfen.
„Der Mensch, dem wir letztlich alles verdanken und der sowohl in unserem persönlichen Leben als auch in Höxter so viel verändert hat“, sei Jacob Pins. Wie Schuler erwähnte, habe er dem Künstler noch kurz vor seinem Tod in einem Telefongespräch versichern können, dass der Aufbau des Forums im Adelshof gelingen werde. „Ich weiß“, habe Jacob Pins geantwortet. „Für uns war es tröstlich“, fuhr Schuler fort, „dass wir ihm diese Gewissheit schenken konnten.“

Witwe Elsa Pins, Bruder Rudy Pins, Minister Wittke, Dr. Schuler bei der Eröffnungsveranstaltung im Historischen Rathaus

Er wünsche der Jacob Pins Gesellschaft „viel Erfolg für ihre wichtige Aufgabe“, heißt es in einer von Bundespräsident Horst Köhler übersandten Grußbotschaft, die Schuler an die Teilnehmer der Eröffnungsfeier weitergab. Auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigte die Aktivitäten des Höxteraner Kunstvereins (siehe „Zur Eröffnung gute Wünsche“). Das Forum im Adelshof sei ein Beitrag zur Gestaltung von Zukunft und „Stein gewordenes bürgerschaftliches Engagement“, äußerte der nordrhein-westfälische Minister für Bauen und Verkehr, Oliver Wittke, Lob.
Statt des Publizisten Ralph Giordano, der seit langem der Jacob Pins Gesellschaft eng verbunden ist, jedoch wegen einer ernsthaften Erkrankung nicht an der Feier teilnehmen konnte, richtete Monsignore Stephan Wahl aus Trier das Wort an die zahlreichen Gäste. Als junger Student hatte Wahl Jacob Pins in Jerusalem kennengelernt. Er sei dankbar, sagte Wahl, für die Begegnung mit einem Menschen, dessen Gastfreundschaft ihm unvergesslich bleibe, dankbar auch für das kritische Bewusstsein, das er bewirkt, und die Fragen, die er ausgelöst habe.
Auch nach der Eröffnung des Forums werde sich die Jacob Pins Gesellschaft „auf keinen Fall zur Ruhe setzen“, beteuerte Schuler: „Wir verstehen Geschichte nicht als Einbahnstraße, sondern leiten daraus Verantwortung für die Gegenwart ab.“ An das „Ungeheure und Konkrete“ der Geschichte erinnere die Anwesenheit von Rudy Pins bei dem Festakt. Der in New York lebende Bruder von Jacob Pins musste vor 74 Jahren als Heranwachsender seine Heimatstadt Höxter verlassen und sich für immer von seinen Eltern verabschieden.

Margot Pins, Cousine von Jacob Pins, mit ihren Kindern Judy, Michal und David

Mit dem Friedensgruß „Shalom!“ hieß Schuler die aus Israel zur Eröffnung des Forums angereisten Angehörigen von Jacob Pins willkommen: seine Frau Elsa, die Frau eines verstorbenen Cousins, Margot Pins, mit ihren Kindern Judy, Michal und David, sowie Martha Lebenstein, ebenfalls Frau eines Cousins, mit ihrer Tochter Rebekka.
„Die Verbindung Höxter-Israel bleibt weiter lebendig“, unterstrich Dieter Schuler.
Das Forum Jacob Pins bezeichnete Rudy Pins als „eine große Ehre für meinen Bruder“. Zugleich würden damit seine Eltern und alle jüdischen Familien der Stadt geehrt. Der Holocaust sei nicht vergessen, durch „ihre Mühe und ihr Gewissen“ habe die Jacob Pins Gesellschaft jedoch einen Beitrag „zur Heilung alter Wunden“ geleistet. Sie habe „Freundschaftsgefühle und guten Willen“ für Höxter ausgelöst. „Darauf können Sie stolz sein“, wandte sich Rudy Pins an die Mitglieder der Gesellschaft und fügte hinzu: „Ich bin sicher, dass mein Bruder Ihnen tiefsten Dank aussprechen würde.“
An das, was Höxter für Jacob Pins bedeutete, erinnerte David Pins. Für ihn sei es zunächst nicht einfach gewesen, die Haltung seines Onkels gegenüber seiner Geburtsstadt zu verstehen. Doch es gelte, von ihm zu lernen. Im Namen der Familie versprach David Pins, die Arbeit des Forums Jacob Pins zu unterstützen.
Den musikalischen Rahmen des Festaktes im alten Rathaus gestaltete das gemeinsame Orchester des König-Wilhelm-Gymnasiums und der Musikschule Höxter unter Leitung von Eva Greipel-Werbeck. Viele lobende Worte gab es dann bei der Besichtigung der im historischen Adelshof neu entstandenen Räume.

Zur Eröffnung gute Wünsche

„Das Forum Jacob Pins verbindet drei sehr schöne Ziele miteinander: Es ehrt allen voran Jacob Pins als bedeutenden israelischen Künstler in seiner Heimatstadt Höxter. Die Idee, diese Würdigung mit einer Dokumentation jüdischen Lebens und jüdischer Geschichte in der Stadt zu verbinden, finde ich sehr schön. Dass mit der Einrichtung des Forums gleichzeitig noch ein jahrhundertealtes Gebäude restauriert und erhalten werden kann, ist ein bemerkenswerter Nebeneffekt! So darf ich nun diese Gelegenheit nützen, Ihnen auf diesem Wege für Ihren Einsatz um das Forum Jacob Pins zu danken und Ihnen für den großen Tag der Eröffnung alles Gute wünschen.“
Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Westfälischen, 5.4.2008

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