Jacob Pins Leben und Werk

Biographie Jacob Pins

Jacob Pins (damals noch Otto Pins) wurde am 17. Jan. 1917 in Höxter geboren. Nach der Volksschule besuchte er ab 1927 das KWG, bis er im September 1933 wegen der zunehmenden Einschränkungen der Juden durch das Nazi-Regime abging, um sich in einem Vorbereitungslager auf seine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten.

Jacob Pins 1935 vor seiner Abreise nach Palästina
Jacob Pins 1935 vor seiner Abreise nach Palästina

In einem Brief schreibt er später: „Im Herbst 1933, als Obersekundaner, verließ ich das Gymnasium, als mir klar war, dass ich dort keine Zukunft mehr hatte. Natürlich ist mir viel Schlimmes erspart geblieben, da ich Höxter Anfang 1935 verlassen habe, um mich in Stettin noch eineinhalb Jahre körperlich und fachlich auf das Leben in Palästina vorzubereiten. Im August 1936 kam ich noch einmal für kurze Zeit zurück, um zu packen und endgültig von meinen Eltern und Freunden Abschied zu nehmen. Natürlich wusste ich damals noch nicht, dass es ein Abschied für immer von meinen Eltern war, denn wir hatten geplant, dass sie mir möglichst bald nachfolgen sollten. Leider kam es anders, und noch bevor es meinen Eltern gelang, die politischen, finanziellen und bürokratischen Hürden und Hindernisse zu überwinden, brach der Krieg aus und die Falle war geschlossen. Im Dezember 1941 wurden sie mit den übrigen Juden aus Höxter nach Riga ins Getto geschickt und dort im Juli 1944 ermordet.“

Ein weiterer Brief gibt Auskunft über die schwere Situation in Palästina in den ersten Jahren: „Ich bin bereits im August 1936 nach dem damaligen Palästina ausgewandert und lebte bis 1941 in einem Kibbuz. Es war dies eine außerordentlich schwere Zeit. Wir hatten noch keinen eigenen Boden und lebten als Tagelöhner von der Außenarbeit in Citrusplantagen. Es war eigentlich eine Saisonarbeit, hauptsächlich im Winter zur Ernte, während der Sommer ständig Arbeitslosigkeit brachte. […] Die Wirtschaftslage verschlimmerte sich mit dem Ausbruch des Weltkrieges, da der Export von Orangen nach Europa eingestellt wurde. Wir hatten nicht mehr genug zu essen und litten buchstäblich Hunger. Fast noch mehr litten wir unter der Arbeitslosigkeit. Schließlich, 1941, gaben wir auf und schlossen den Kibbuz, ein seltener Fall.“

In dieser scheinbar ausweglosen Situation hatte Jacob Pins, zusätzlich seit 1939 durch Kinderlähmung gehandicapt, den Mut, seinem Leben eine ganz neue Richtung zu geben: „Ich beschloss nun, gegen den Rat aller Freunde und Bekannten, einen alten Traum zu verwirklichen und Kunst zu studieren. Den Kibbuz hatte ich völlig mittellos verlassen, meine Kleider waren in den zurückliegenden fünf Jahren völlig zerschlissen, ich konnte mich kaum noch unter Menschen zeigen. Nur meinem westfälischen Dickkopp ist es zu danken, dass ich nicht aufgab und nach unendlichen Mühen erreichte, dass ich ein kleines Stipendium bekam, um bei Jakob Steinhardt in Jerusalem mein Studium zu beginnen. […] Mein Stipendium war jedoch äußerst knapp. Ich musste weiterhin mehr als sparsam leben und das Spitzwegsche Bild vom armen Poeten wäre mir damals als Darstellung luxuriösen Wohllebens erschienen. Immerhin, allen Widerständen zum Trotz schaffte ich es und stellte 1945 in einer kleinen Galerie in Tel Aviv zum erstenmal meine Holzschnitte aus. Zu meiner Überraschung war es ein voller Erfolg, sogar das Museum kaufte eine Arbeit an. Ich war auf dem Weg und stellte in den folgenden Jahren ständig aus.“

Umringt von Kindern auf der Straße: Jacob Pins Anfang der 1980er Jahre beim Entwurf von Skizzen
Umringt von Kindern auf der Straße: Jacob Pins in den 1970er Jahre beim Entwurf von Skizzen

Seitdem sind fast sechs Jahrzehnte vergangen, und der Künstler Jacob Pins hat inzwischen weltweit Anerkennung gefunden. 1949 war er unter den Gründern des Jerusalemer Künstlerverbandes. 1952 illustrierte er die hebräische Ausgabe von Kleists „Michael Kohlhaas“. Zahlreiche Ausstellungen in Süd- und Nordamerika, Australien und Europa folgten. 1957 erhielt er den Ohara-Preis der Biennale für Graphik in Tokio, 1961 den Jerusalem-Preis. Seit 1956 unterrichtet Jacob Pins an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem, die ihm 1978 die Professur verlieh. Bekannt wurde er außerdem als Experte ostasiatischer Kunst, seit er 1945 seinen ersten japanischen Farbholzschnitt erworben hatte, der den Grundstock einer großen Sammlung japanischer Pfostenbilder bildet, über die er 1982 das maßgebliche Handbuch „The Japanese Pillarprint“ veröffentlichte.

Jacob Pins um 1988 in seinem Atelier
Jacob Pins um 1988 in seinem Atelier

Trotz der eigenen schlimmen Erfahrungen und trotz der Ermordung der Eltern durch das deutsche Nazi-Regime nahm Jacob Pins die Verbindung zu Höxter wieder auf. Im August 1959 kehrte er zu einem ersten kurzen Besuch nach Höxter zurück, auch um den wenigen zu danken, die seine Eltern bis zur Deportation nicht im Stich gelassen hatten. So kam es in Höxter 1967 (zum ersten Mal in Deutschland überhaupt), 1970 und 1975 zu Ausstellungen seiner Werke im Kunstkabinett Henze. Bei weiteren Besuchen entwickelten sich in den 1980er Jahren weitere intensive Freundschaften nach Höxter, auch mit Gegenbesuchen in Israel.

Ein besonders erschütternden Moment war es, als Jacob Pins im November 1988 bei einem kurzen Aufenthalt in Höxter und einem Besuch der von der Friedensinitiative Höxter zusammengestellten Ausstellung über „Juden in Höxter“ auf einem Foto plötzlich seinen Vater im Dezember 1941 beim Abtransport ostwestfälischer Juden vom Verladebahnhof in Bielefeld ins Getto Riga entdeckte: „Das ist mein Vater… Als ich das sah auf dieser Ausstellung, war ich ungeheuer bewegt, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie.“

Weitere Besuche und erneute Ausstellungen in Höxter folgten. 1989 gab es große Retrospektive in Corvey. 1995 fand eine kleinere Ausstellung von Holzschnitten im Rathaus statt. 1999 würdigte die Stadt Höxter Jacob Pins durch einen offiziellen Empfang, bei dem er sich auch in das Goldene Buch der Stadt eintrug. Im Jahr 2002 übereignete Jacob Pins einen großen Teil seiner Werke an die Stadt Höxter, von denen nur ein kleiner Teil im September 2003 in der hiesigen Sparkasse der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte. Am 15.9.2003 verlieh ihm die Stadt Höxter auf Vorschlag der neu gegründeten „Jacob-Pins-Gesellschaft“ das Ehrenbürgerrecht.

Es war der letzte Besuch von Jacob Pins in Höxter. Dafür erreichten immer mehr Sendungen seine Geburtsstadt. Die Sammlung der Holzschnitte, Aquarelle, Zeichnungen, Gemälde, Drucke und Skizzen ist inzwischen auf über 800 angewachsen, ein Fundus für zahlreiche Ausstellungen in Höxter, Detmold, Warburg, Dringenberg, Trier, Celle. Weitere sind laufend in Vorbereitung.

Gern wäre Jacob Pins noch einmal nach Höxter gekommen, wie er bei einem Besuch Höxteraner Freunde im Oktober 2005 betonte. Es sollte nicht mehr sein. Jacob Pins starb am 4. Dez. 2005 in Jerusalem im Alter von 88 Jahren.

Seit April 2008 bieten das Forum Jacob Pins im Adelshof Heisterman von Ziehlberg jetzt einen angemessenen Rahmen für die Werke dieses aus Höxter stammenden Künstlers.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Pins

Fritz Ostkämper, 29.4.2008