Jüdische Bürger in Höxter

Die Familien Katz in Höxter und Umgebung

Der Name Katz (zunächst ›Kaz‹) ist einer der ältesten und am weitesten verbreiteten Namen unter den Juden in Deutschland und darüber hinaus. Er entstand aus der Zusammenziehung der Anfangsbuchstaben von „kohen zedek“ (›Priester der Gerechtigkeit‹), und man findet ihn vor allem bei den aschkenasichen Juden. Auch in Höxter und Umgebung sind mehrere Familien dieses Namens verzeichnet. Bereits 1696 wird in Ovenhausen der Schutzjude Levi Katz genannt, und spätestens seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts ist dort eine Familie Katz ansässig. Mindestens seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verzeichnen die Archive auch in Albaxen Angehörige einer Familie Katz. Ableger beider Familien findet man auch in Höxter. Darüber hinaus verzeichnen die Archive noch weitere, meist einzelne Träger des Namens, die aber vermutlich nicht mit diesen Familien verwandt waren.

Die Familie Katz (1) – Albaxen und Höxter

Am weitesten zurück reichen die Informationen über den sephardischen Zweig der Albaxer Familie Katz. Diese Vorfahren lebten ursprünglich in Spanien, bis die Inquisition sie 1492 zur Auswanderung zwang, wie die 2012 100-jährig gestorbene Irmgard Horn geb. Katz aus den Familienerinnerungen berichtete. Ihr Weg führte die Familie über Holland zunächst nach Prag, wo sie ein gutes Jahrhundert lebte, bis sie nach dem 30-jährigen Krieg nach Deutschland weiterzog.

Es ist nicht bekannt, wann sich die ersten Angehörigen der Familie in Ostwestfalen niederließen, wofür sie sich erst die Duldung als Schutzjuden erkaufen mussten. Am Anfang steht ein 1738 in Fürstenau geborener und später in Albaxen lebender Samuel Katz, dessen drei Töchter Thekla (Telz), Hendel und Sara (Zerle) sich nach Lichtenau (Back), Sachsenhausen (Seligmann) und Amelunxen (Archenhold) verheirateten.

Patent für den Schlachter Levi Katz, 30.12.1808
Patent für den Schlachter Levi Katz, 30.12.1808

Der Sohn Levi Katz (1767–1846) blieb dagegen mit seiner Frau Sara (Meriem) Nussbaum (1768–1834) in Albaxen, wo er nach der Emanzipation der Juden im Königreich Westfalen des Napoleon-Bruders Jérôme ein „Patent, giltig für das Jahr 1809“ zur Ausübung des „Gewerbes eines Schlächters“ erhielt mit der Zusicherung, es „ohne alle Hindernis und Störung“ betreiben zu können, vorausgesetzt, er entrichtete die fälligen Abgaben termingerecht.

Über die meisten der sieben Kinder gibt es außer den Lebensdaten keine Informationen. Die älteste Tochter Telschen (* 1797) war als Silberschmidt verheiratet, und ihre in Niederalme mit dem Färber Selig Ruhstädt (1811–1887) verheiratete Schwester Reichel/Rieka (1803–1895) hatte mit ihrem Mann vier Kinder, deren Leben und Schicksal hier nicht dargestellt werden kann.

Levis ältester Sohn Samuel Katz (1799-1867) dagegen, verheiratet mit der Fürstenauerin Röschen Rose (1813–1905), übernahm das Gewerbe des Vaters in Albaxen und führte es offensichtlich erfolgreich weiter. Er besaß dort zwei Häuser, zahlte die zweithöchste Defizitsteuer der Juden und wurde etwa 1854 bei der Neuordnung der jüdischen Gemeinden zum Vorsteher gewählt.

Von seinen acht Kindern heirateten die Töchter in jüdische Familien aus der Umgebung ein (Silberschmidt, Kleinstrass, Hirschland, Gottschalk). Die Söhne Heinemann Katz (1843-1920) und Levi Katz (1847-1909) dagegen bereiteten mit den Eltern die Übersiedlung nach Höxter vor, denn die Kreisstadt bot mit ihrem Einzugsbereich bessere Möglichkeiten für den Handel, zumal Höxter durch den Bau der Eisenbahn seit den 1860er Jahren an das Eisenbahnnetz angeschlossen war.

Zunächst kam jedoch der deutsch-französischen Krieg von 1870/71, in dem Levi, der jüngere der Brüder, als Soldat mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse und anderen Orden ausgezeichnet wurde, die seine Mutter auf einem Kissen in Ehren hielt. Seine Enkelin Irmgard erinnerte sich, dass nach seinem Tod „die ganze Stadt Anteil bei seiner Beerdigung nahm.“

Mit der Reichsgründung 1871 fielen schließlich die letzten Beschränkungen für die Juden, und 1877 kauften die Brüder Heinemann und Levi Katz das Haus in der Corveyer Allee 1, in das sie mit ihren Eltern und ihren kurz zuvor geheirateten Frauen einzogen, um dort einen Handel für Getreide, Dünge- und Futtermittel zu eröffnen, der bis 1923 bestand.

Bruchstücke des zerstörten Grabsteins von Levi Katz, der ins Ehrenmal eingesetzte Grabstein für Heinemann Katz und der unvollständig wieder aufgerichtete Grabstein für dessen Frau Rica
Bruchstücke des zerstörten Grabsteins von Levi Katz, der ins Ehrenmal eingesetzte Grabstein für Heinemann Katz und der unvollständig wieder aufgerichtete Grabstein für dessen Frau Rica

Heinemann Katz bekam mit seiner Frau Rica Hirschland (1853–1929) aus Steinheim außer dem nach vier Tagen gestorbenen Sohn Samuel (1884) drei noch in Albaxen geborene Töchter. Helene (* 1878) heiratete den Amelunxer Salomon Archenhold (1859–1935), Paula (* 1880) den aus Gießen stammenden Louis Rosenthal (1863–1916) und Hedwig (* 1882) Siegfried Hirschland (* 1878) aus Steinheim. Alle drei retteten sich im Dritten Reich durch die Emigration in die USA.

Heinemanns Bruder Levi Katz (1847–1909) war mit der Brenkhauserin Rebecca Rose (1854–1936) verheiratet und hatte mit ihr nur den Sohn Siegmund, der nach dem Tod seines Vaters (1909) und seines Onkels (1920) den Landhandel zunächst weiterführte.

Siegmund Katz 1888 als Vorschüler, 1891 in Quarta und 1894 in Untersekunda
Siegmund Katz 1888 als Vorschüler, 1891 in Quarta und 1894 in Untersekunda

Siegmund (Sigismund) Katz (* 1879) besuchte nach der damals am KWG bestehenden Vorschule von 1889 bis 1896 das Gymnasium und schloss es mit der Mittleren Reife und der Versetzung in die Prima ab. Danach trat er in den Landhandel der Familie ein, um ihn bald nach Anfang des 20. Jahrhunderts zu übernehmen. 1911 heiratete er die in Lichtenau geborene Julie Archenhold (* 1886). Bereits vorher hatte es mehrfach Heiraten zwischen den beiden Familien gegeben.

Ein Grund für die „intermariage“ zwischen den Familien Katz und Archenhold „war die Auferhaltung der sephardischen Tradition“, wie die Tochter Irmgard erzählte. Denn auch die Vorfahren der Familie Archenhold stammten aus Spanien. Sie fährt aber in Gedanken an ihren eigenen späteren Mann fort: „Meine Eltern waren modern, für sie gab es nur gute und schlechte Menschen. Es war nie eine Erwähnung in unserem Haus, sie fragten nie nach den Vorfahren meines Mannes, sie waren glücklich mit meiner Wahl.“

Geschäftsanzeigen der Firma Katz aus den Jahren des Ersten Weltkriegs
Geschäftsanzeigen der Firma Katz aus den Jahren des Ersten Weltkriegs

Zahlreiche Anzeigen zeugen von der Tätigkeit des Geschäfts, das vor allem Futter-, Getreide- und Düngemittelhandel an- und verkaufte und das etwa auch von den Behörden während des Ersten Weltkriegs in die Verteilung der knappen Ressourcen einbezogen war.

Siegmund Katz blieb in diesen Jahren auch seinem Gymnasium verbunden. Er nahm 1912 an der Einweihung des neuen Schulgebäudes an der Bismarckstraße teil, spendete für seine Ausstattung und ebenso wieder 1923 für die Errichtung einer Gedenktafel für die gefallenen Schüler des KWG. Aus unbekannten Gründen gab er im selben Jahr das Geschäft in Höxter auf und zog mit seiner Frau und der Tochter Irmgard nach Hannover. Seine Mutter Rebecca, die erst 1930 ebenfalls nach Hannover gezogen war, starb dort 1936, wurde aber in Höxter neben ihrem Mann Levi begraben.

Irmgard Katz (1912–2012) war das einzige Kind von Siegmund und Julie Katz. Wie ihr Vater wurde sie im Haus Corveyer Allee 1 geboren und hatte „viele, viele wunderbare Erinnerungen von [ihrer] Kindheit“ in Höxter. Besonders befreundet war der Vater mit Benno Lipper, aber dessen Schwester „›Tante Ida‹ Pins Lipper war seine besondere Freundin, die Mutter des Künstlers Otto Pins und dessen jüngeren Bruders. Vater war so glücklich, als Tante Ida und Familie [1926 von Lüdinghausen] wieder nach Höxter kamen.“

Irmgard Katz besuchte in Hannover das Oberlyzeum (heute Wilhelm-Raabe-Schule), das sie 1932 mit dem Abitur abschloss. Danach wollte sie Mathematik (Statistik) studieren und war auch bereits für das Sommersemester 1933 an der Universität Köln eingeschrieben. Vorher musste sie jedoch noch ein Praktikums-Jahr absolvieren.

Inzwischen hatten jedoch die Nazis die Macht übernommen, jüdische Professoren wurden entlassen, die Universitäten für jüdische Studenten verschlossen. So erhielt Irmgard Katz im April 1933 von der Universität Köln einen Brief, dass auch dort keine jüdischen Studenten mehr aufgenommen wurden.

Ihr blieb also nicht anderes, als sich eine Arbeit zu suchen, und bis Oktober 1938 arbeitete sie in Hannover in einer in Bielefeld ansässigen Firma. Mit der immer weiter zunehmenden Verschärfung der Verfolgungen suchte auch die Familie Katz nach Auswanderungsmöglichkeiten, und im August 1938 bekam Irmgard Katz die Genehmigung. Sie war jedoch das einzige Kind und verschob die Trennung von ihren geliebten Eltern. Die Pogrome des 9. November veranlassten sie aber fünf Tage nach der „Kristallnacht“, in die USA zu fliehen.

Irmgard Horn geb. Katz 1940 in den USA
Irmgard Horn geb. Katz 1940 in den USA

Die Eltern Siegmund und Julie Katz dagegen mussten in Hannover bleiben und später in eines der „Judenhäuser“ an der Körnerstraße umziehen. Von dort wurden sie am 15.12.1941 in das Ghetto Riga deportiert. Danach verlieren sich ihre Spuren. Sie kamen in Riga um oder wurden in einem der Vernichtungslager ermordet.

Irmgard Katz hatte sich bereits vor ihrer Auswanderung in Hannover mit Herbert Horn verlobt, den sie bald nach der Ankunft in den USA heiratete. 1943 wurde in New York der einzige Sohn Robert Jack (Bob) geboren, der nach seiner Heirat mit seiner Frau Marian drei Töchter bekam. Die Familie lebt heute in Washington DC. Dort ist Irmgard Katz im Sommer 2012 mit 100 Jahren verstorben.

Irmgard Horn (sitzend links) und ihre Familie 2004 bei der Hochzeit der Enkelin Juli
Irmgard Horn (sitzend links) und ihre Familie 2004 bei der Hochzeit der Enkelin Juli

Die Familie Katz (2) – Ovenhausen und Höxter

Bereits 1696 wird in Ovenhausen der Schutzude Levi Katz genannt, und 1716 erscheint Salomon Katz dort als Eigentümer eines Stücks Gartenland, 1722 als Besitzer eines Hauses, ein Besitz, der dann an den Sohn Leiffmann Salomon fiel, der von dem Corveyer Abt Carl einen Geleitbrief erhalten hatte. Erst bei dessen Söhnen Moses und Levi und ihren Nachkommen werden die Informationen zahlreicher und ausführlicher. Ob auch der 1781 genannte Heinemann Katz zu den Söhnen Leiffmanns gehört, ist ungeklärt.

Moses Katz und seine Nachkommen

Leffmann Salomons älterer Sohn Moses Katz (gest. 1786), der seinen unmündigen Erben bei seinem frühen Tod ein Vermögen von 1.200 Tl. hinterließ, hatte eine Tochter und drei Söhne, von denen einer wohl jung starb. Da seine drei Kinder bei seinem Tod noch unmündig waren, wurde die Vormundschaft von Vorstandsmitgliedern der jüdischen Gemeinde übernommen. Moses’ Tochter Sara (1780–1842) heiratete später ins (damalige) Ausland.

Auszug aus dem Synagogenbuch des Distrikts Ovenhausen 1809 mit den Familien der Brüder Levy Moses Katz und Samuel Moses Katz
Auszug aus dem Synagogenbuch des Distrikts Ovenhausen 1809 mit den Familien der Brüder Levy Moses Katz und Samuel Moses Katz

Die Söhne Levi und Samuel dagegen blieben als Schlächter und „Gewürzhändler“ (also wohl dörfliche Kleinhändler) in Ovenhausen. Levi Moses Katz (1767–1842), der älterer Sohn, heiratete Sara Nachmann (* 1780) aus Ovenhausen und hatte mit ihr zehn Töchter, von denen mehrere wohl schon als Kinder starben. während drei in jüdische Familien der Umgebung einheirateten: Buna (Bienchen) (1793–1864) den Amelunxer Lazarus Holstein (1780–1853), Sophie Zipora (1807–1841) den ebenfalls in Amelunxen geborenen Seligmann Archenhold (1792–1870) und Gelle (Julchen) (1814–1873) den Metzger Meyer Frankenberg (* 1821) in Nieheim.

Die Grabsteine für Edel Eichholz geb. Katz und ihren Mann Jonas Eichholz
Die Grabsteine für Edel Eichholz geb. Katz und ihren Mann Jonas Eichholz

So fiel Levis Erbe, vor allem das Haus Ovenhausen Nr. 13, in dem sich bis 1855 auch der Betraum der Gemeinde befand, nach der Auszahlung ihrer Schwestern an die einzig in Ovenhausen verbliebene Tochter Edel Katz (1811–1881). Diese heiratete 1843 den aus Bruchhausen stammenden Isaak Frohsinn (✡ 1849) und hatte mit ihm vier Kinder. Er starb aber früh, und so heiratete Edel 1852 in zweiter Ehe den Färber und Handelsmann Jonas Eichholz (1828–1899) aus Völsen. Kinder gingen aus der Ehe nicht mehr hervor.

Von den Kindern aus der ersten Ehe heiratete die Tochter Brendel (1844–1933) 1892 den verwitweten Schlachter Wolff Calmer Engländer (1840–1896) in Delmenhorst und versorgte dessen fünf unmündige Kinder. Ihre Schwester Bertha (1848–1886) blieb dagegen in Ovenhausen, wo sie mit dem dortigen Kaufmann und Schlachter Levy Uhlmann (1849–1927) verheiratet war. Das Schicksal dieser Familie wird an anderer Stelle dargestellt, ebenso wie das der Familie des Bruders Isaak Frohsinn (1850–1896), der mit seiner aus Beverungen stammenden Frau Therese Udewald (* 1857) zwischen 1880 und 1885 nach Höxter verzog und dort mit ihr fünf Kinder hatte, von denen zwei früh starben, während die anderen drei im Holocaust ermordet wurden.

Auch Moses’ zweiter Sohn Samuel Katz (1772–1837) blieb in Ovenhausen und betrieb im Haus Nr. 87 sein Geschäft als Schlächter und „Gewürzhändler“. Nach dem Tod seiner ersten Frau Jette Sosmann (* 1782) aus Harzen/Lippe heiratete er die in Albaxen geborene Kindel Kleeberg (1785–1856). Dreizehn Kinder gingen aus den beiden Ehen hervor. Von vielen sind nur Geburts- und z.T. frühe Todesdaten bekannt, und über andere gibt es nur wenige Informationen.

So war die Tochter Rieke (* 1810) in Bruchhausen mit Salomon Frohsinn (1813–1874) verheiratet und hatte mit ihm vier Kinder. Von ihrer Tochter Betti (Elisabeth Caroline) ist bekannt, dass sie 1877 bei Ihrer Heirat mit dem Bruchhäuser Bauern Carl Heinrich Wendt zum Protestantismus übertrat. Riekes Zwei Halbschwestern Riekes waren in Vörden mit Brüdern aus der Familie der Handelsleute Israelsohn verheiratet, Johanne (Hendel) (1823–1876) mit Moses Israelsohn (1816–1899) und Peschen (Betti) mit Philipp Israelsohn (1828–1887). Weitere Einzelheiten sind bisher nicht untersucht.

Bruckstück des Grabsteins für Abraham Katz
Bruckstück des Grabsteins für Abraham Katz

Mehr ist dagegen über zwei Söhne aus der ersten Ehe Moses Katz’ bekannt. Denn der Sohn Abraham (Adolf) Katz (1818–1872) zog Anfang der 1860er Jahre nach Höxter und war hier in der Neuen Straße 12 Inhaber einer Kornhandlung. Mit seiner 1851 geheirateten Frau Thela (Telschen) Israel (* 1827) hatte er zwei Kinder.

Die Tochter Bertha (* 1852) heiratete 1872 den Höxteraner Kaufmann Meyer Eichwald (* 1853) aus der Familie der wohlhabenden Familie der Zementfabrikanten, der bis mindestens um 1890 hier ein Geschäft für Stoffe und Bekleidung betrieb, und hatte mit ihm zwei Töchter, über die nichts Weiteres bekannt ist.

Der 1853 geborene Sohn Sali Katz, der nach der Selecta von 1867 bis 1870 das neu geründete KWG besucht hatte, wanderte 1885 in die USA aus. Möglicherweise folgten ihm andere Mitglieder der Familie. Weitere Einzelheiten sind jedoch nicht bekannt.

Der Grabstein von Levi Katz auf dem Friedhof in Ovenhausen
Der Grabstein von Levi Katz auf dem Friedhof in Ovenhausen

Von den dreizehn Kindern Samuel Moses’ blieb nur der Sohn Levi Moses Katz (1820–1898) dauerhaft in Ovenhausen, wo er einen offensichtlich erfolgreichen Viehhandel betrieb, denn zusätzlich zu dem vom Vater ererbten Haus Ovenhausen Nr. 87 kaufte er 1867 auch das Nachbarhaus Nr. 88. Seit 1854 war er Stellvertreter und ab 1876 Vorsteher der jüdischen Gemeinde. 1851 heiratete er die Nieheimerin Regine Frankenberg (1827–1876), die ihm acht Kinder gebar, von denen mehrere früh starben. Nur über zwei der Kinder gibt es weitere Informationen.

Die Ankunft Wolf Katz’ in den USA, 1892 (Ausriss aus Einwanderungsunterlagen in Ellis Island)
Die Ankunft Wolf Katz’ in den USA, 1892 (Ausriss aus Einwanderungsunterlagen in Ellis Island)

Während der Sohn Wolf Katz (1859–1920), der bis zur 8. Klasse das KWG besucht hatte, 1880 nach Amerika auswanderte, blieb der ältere Sohn Moses Katz (1857–1922) zunächst in dem geerbten Haus Ovenhausen Nr. 88, bis er Anfang des 20. Jahrhunderts in die Brenkhäuser Straße 23 in Höxter übersiedelte, um hier bis zu seinem Tod seine Geschäfte zu betreiben. Seine in Dössel geborene Frau Lina Schönfeld (1865–1941) überlebte ihn um fast 20 Jahre und wurde im Oktober 1941 als letzte auf dem jüdischen Friedhof in Höxter begraben.

Von den vier Kindern Moses Katz’ fiel Sally (1888–1916), der Älteste, im Ersten Weltkrieg. Die mit Salli Grünewald (* 1886) in Beverungen verheiratete Tochter Regine (1890–1922) starb 1922 mit 31 Jahren und hinterließ ihrem Mann zwei Töchter, 14 und 2 Monate alt. Ihr Mann konnte mit seiner zweiten Frau Else Wronke (1898), und den inzwischen drei Töchtern 1936 nach Buenos Aires ins Exil flüchten.

Die beiden anderen Töchter von Moses Katz fielen jedoch dem Holocaust zum Opfer. Johanna (* 1893) war in Wolfenbüttel mit Hugo Kohn (* 1885) verheiratet, und Sofie (* 1897) hatte den Höxteraner Kaufmann Paul Netheim (* 1888) geheiratet. Sie alle wurden 1942 deportiert und ermordet.

Levi Katz und seine Nachkommen

Leffmanns zweiter Sohn Levi Katz (* 1737) bekam mit seiner Frau Sara fünf Kinder. Ein Kind starb wohl jung, und von den Kindern der in Amelunxen mit Levi Nathan Neustadt (1771–1831) verheirateten Tochter Phlippine (Veilchen) (1776–1815) und ihren fünf Kinder sind bisher nur die Geburts- und einige Todesdaten bekannt.

Drei Kinder von Levi Katz heirateten nach Bruchhausen. Der jüngste Sohn Samuel (1787–1887) hatte mit seiner Frau Fradchen (Friedrike) Wertheim (1799–1872) mindestens eine Tochter. Leben und Schicksal weiterer Nachkommen harren noch der Erforschung.

Durch die Heiraten des Sohns Abraham und der Tochter Brendel mit Geschwistern aus der dortigen Familie Frohsinn kam es so zu einer doppelten Verbindung zwischen den beiden Familien. Während die Nachkommenschaft von Brendel Katz (1774–1835) und ihres Mannes Sostmann Leffmann Frohsinn (1766–1836) noch nicht erforscht ist, gibt es über die Familie ihres Bruders Abraham weitere Informationen.

Abraham Katz (1777–1853) siedelte sich mit seiner in Bruchhausen geborenen Frau Esther Frohsinn (1780–1858) in Erkeln an. Interessant ist vor allem sein Sohn Salomon Josef Katz (* 1811), der vor 1842 nach Amerika auswanderte und dort den Namen Kieneke annahm. Die Erkeler Nicht-Jüdin Theresia Christina Kuhlemann (1824–1890), zu der er offenbar bereits vorher eine Beziehung hatte, reiste ihm nach, und 1842 heirateten die beiden.

Der geschäftstüchtige Salomon Katz-Kieneke kam während des amerikanischen Sezessionskriegs (1861–1865) durch den „Sprithandel“, also den Handel mit Alkohol, zu einem großen Vermögen. Die einzige Tochter heiratete jedoch einen offenbar schlecht wirtschaftenden Geschäftsmann, der schließlich Bankrott machte.

Nach dem Tod Kienekes und der Tochter stattete seine Witwe ihre Enkelin mit einem Erbe aus, verteilte aber das übrige Vermögen an wohltätige Stiftungen in den USA. Jedoch vergaß sie auch das Heimatdorf Erkeln nicht und stiftete ihm 1890 die außerordentliche Summe von 30.000 Dollar, „deren Zinsen zur Unterhaltung, Unterstützung und Hülfe der alten und kranken Armen des Geburtsortes meines Ehemannes und meines eigenen [zu] verwenden“ seien.

Der Pfarrer von Erkeln schlug nun vor, einen Teil des Kapitals zum Ankauf eines Grundstücks und zur „Erbauung eines Armen-Kranken und Kinder-Heimes“ zu verwenden. Der Gemeinderat beschloss jedoch, die anfallenden Zinsen zu verteilen, woraufhin sich der Pfarrer zurückzog, weil er Konflikte befürchte. Und so kam es auch: „Die Uneinigkeit, der Streit in der Gemeinde über die Verteilung ist schon so groß, daß wenig fehlt, daß man sich deshalb die Köpfe einschlägt.“ Schließlich verfiel das ursprüngliche Kapital von 30.000 Dollar während der Weimarer Republik durch die Inflation.

Fritz Ostkämper, 5.11.2015
e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de