Jüdische Bürger in Höxter

Die Familien Gans und Segelbaum in Höxter

Der Name Gans/Ganz ist unter den Juden in Deutschland nicht selten, und auch in Höxter ist er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mehrfach vertreten. Nicht klären lässt sich jedoch, ob diese Familien auch miteinander verwandt waren. Dazu kommt noch, dass eine dieser Familien sich hier mit dem angenommenen Namen Segelbaum niederließ.

Diese Familie lebte bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Grebenstein, wo 1704 der Schutzjude Abraham Ganß genannt wird und wo später sein Nachkomme, der Schlachter und Fleischhändler Wolf Gans (✡ 1772), lebte. Von seinen sechs Kindern übernahm der Sohn Abraham Gans den Fleischhandel in Grebenstein. Auch die Tochter Edel (1755–1838) blieb mit ihrem Mann Jesajas Katzenstein (1757–1838) und den Kindern in Grebenstein, während ihr Bruder Herz Gans um 1800 als Knecht nach Geismar ging, aber später mit seiner Familie wohl wieder nach Grebenstein zurückkehrte.

Mit der ältesten Tochter Hanna (Hendel) Gans (1743–1821) kam es dann zur Verbindung in die Umgebung von Höxter, denn sie heiratete den Amelunxer Jacob Simon Rosenberg (1745–1811), den ersten bekannten Namensträger dieser später unter anderem auch in Höxter lebenden Familie, mit dem sie drei Kinder hatte (siehe dort). Ihre 12 Jahre jüngere Schwester Zipora Gans (* 1757) heiratete den in Höxter lebenden Jacob Lebenstein und hatte mit ihm vier zwischen 1775 und 1789 geborene Kinder, die nach der zweiten Heirat ihrer Mutter mit dem aus Polle stammenden Aron Isaak Schach (* 1775) den Namen Schach ihres Stiefvaters trugen, über die aber außer den Geburtsdaten nichts Weiteres bekannt ist.

Sandel Segelbaum und seine Nachkommen

Während diese Kinder Wolf Gans’ noch in der Regel ohne den neuen Namen Segelbaum erscheinen, ist dieser Name bei dem ältesten Sohn Sandel Segelbaum (1751–1834) offenbar bereits fest geworden. Er blieb in Grebenstein, „hat Band und andere geringe Waren feil damit er umher gehet“, war also umherziehender Händler. Er erbte das Haus seines Vaters in Grebenstein, bis er es 1801 verkaufte.

Mit seiner ebenfalls aus Grebenstein stammenden Frau Ester Meyer [Leffmann] (1761–1837) hatte er drei Kinder, von denen der der jüngste Sohn Lewy (1801–1837) jung starb, während der zweite Sohn Abraham (um 1790 – 1861) mit seiner Frau Röschen Seligmann (* 1814) und den zehn Kindern als Pferdehändler und Krämer in Obernkirchen lebte.

Rücktritt Wulf Segelbaums als Vorsteher, 25.5.1831
Rücktritt Wulf Segelbaums als Vorsteher, 25.5.1831

Dagegen heiratete der älteste Sohn Wulf/Wolf Segelbaum (1786–1855) 1820 die in Beverungen geborene Veilchen Marienfeld (1790–1856) und zog vermutlich im selben Jahr nach Höxter, wo er in den folgenden Jahrzehnten als Trödler und Taxator genannt wird. Mit seinem Jahreseinkommen von 300 Thlr (1822) bzw. 250 Thlr (1823) zählte er hier zu wohlhabenderen Juden und war bis zu seinem Rücktritt 1831 zwölf Jahre lang Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Sein Grabstein ist ebenso wie der seiner Frau nicht erhalten.

Das Ehepaar hatte sieben zwischen 1821 bis 1836 geborene Kinder. Während der ältesten Sohn Lazarus (* 1821) möglicherweise jung starb, wanderten seine Brüder Leffmann/Liebmann (* 1828) und Sander/Samuel 1854 in die USA aus. Die anderen Kinder Abraham (* 1823), Sophie (Sara) (* 1826), Johanna (* 1830) und Elise (* 1836) blieben vorläufig noch in Höxter, folgten aber dann 1864 ihren Brüdern in die USA, wo Nachkommen noch heute leben.

Zwar lassen sich die Verwandtschaftsverhältnissse nicht klären, jedoch kann man wohl sicher davon ausgehen, dass noch ein weiterer Träger des Namens Segelbaum im Raum Höxter aus der gleichnamigen Grebensteiner Familie stammte. Dieser Meyer Sandel Segelbaum (✡ 1864), wohl ein Sohn des oben genannten Sandel, heiratete 1821 die in Grebenstein oder Abterode geborene Rika (Röschen) Fränkel (1788–1864) und lebte mit ihr in Bruchhausen, wo das Ehepaar außer einer bei der Geburt gestorbenen Tochter die weitere Tochter Bertha (* 1833) hatte, die dort später mit Adolph Hammerschlag verheiratet war und den Sohn Israel Julius Hammerschlag (* 1861) hatte.

Weitere Familien Gans/Ganz in Höxter

Ob auch andere Träger des Gans in Höxter mit dieser Familie verwandt waren, ist unsicher. So legt es der Vatersname nahe, in dem schon 1809 in Höxter lebenden Meyer Wolf Gans/z (1769–1839) einen weiteren Sohn des obigen Wolf Gans-Segelbaum zu vermuten, was der Geburtsort Meinbrexen allerdings eher unwahrscheinlich macht.

Der Grabstein für Veilchen Eichwald geb. Gans auf dem Friedhof in Höxter, 1948
Der Grabstein für Veilchen Eichwald geb. Gans auf dem Friedhof in Höxter, 1948

Meyer Wolf Gans, der mit seinem Einkommen im oberen Drittel lag, kam vermutlich bei seiner Heirat mit der Höxteranerin Gella Levin (1770–1848) nach Höxter, wo das Ehepaar vier Kinder bekam, von denen zwei jedoch jung starben. Während die Tochter Hanne (* 1813) mit ihrem ebenfalls aus aus der gleichnamigen Höxteraner Familie stammenden Mann Heinemann Hochfeld (* 1809) in Minden lebte, war ihre Schwester Veilchen (Feile) (1807–1876) mit dem in Höxter zugezogenen Tuchhändler und späteren Zementfabrikanten Jacob Heinemann Eichwald (1809–1892) verheiratet. Zur Familie Eichwald siehe dort.

Fritz Ostkämper, 8.12.2016
e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de