Jüdische Bürger in Höxter

Ableger der Lauenförder Familie Löwenherz in Höxter

Noch heute zeugt vor allem die prachtvolle Villa Löwenherz in Lauenförde von der bereits im 17. Jahrhundert dort ansässigen Familie, die Anfang des 19. Jahrhunderts den Namen Löwenherz annahm. Vielen ist jedoch heute nicht mehr bewusst, dass der Name der bekannten Firma Herlag ursprünglich eine Kurzbezeichnung der Hermann Löwenherz AG war.

Die Villa Löwenherz in Lauenförde Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Villa Löwenherz in Lauenförde Anfang des 20. Jahrhunderts

Zwar blieb Lauenförde bis ins 20. Jahrhundert der Stammsitz der Familie Löwenherz, jedoch lebten Mitglieder der Familie im 19. Jahrhundert unter anderem auch in Höxter, und auch die Söhne der Familie in Lauenförde besuchten in Höxter das Gymnasium.

Der in Lauenförde geborene David Löwenherz (1790–1848) hatte dort 1840 eine Fellhandlung gegründet und betrieb dazu eine Holzflößerei und einen gepachteten Steinbruch. Nach seinem Tod wurden diese von seinem ältesten Sohn Herz (1823–1898) übernommen, und dieser gründete dann 1883 die „H. Löwenherz Holzwarenfabrik und Dampfsägewerk“, aus der später unter seinem Sohn Hermann (1854–1918) die Herlag hervorging.

Während David Löwenherz’ zweiter Sohn Abraham (1828–1907) nach seiner Heirat in Beverungen eine Familie gründete, zogen die Söhne Heinemann und Nathan nach ihrer Heirat Anfang der 1870er Jahre nach Höxter, wo sie allerdings nur rund 15 Jahre mit ihren Familien lebten.

Heinemann Löwenherz und sein Sohn David

Einverständniserklärung des Vaters David Löwenherz zur Heirat seines Sohns Heinemann mit Pauline Rothschild vom 8.4.1872, wie sie damals bei der Heirat der Kinder notwendig war
Einverständniserklärung des Vaters David Löwenherz zur Heirat seines Sohns Heinemann mit Pauline Rothschild vom 8.4.1872, wie sie damals bei der Heirat der Kinder notwendig war

Heinemann Löwenherz (1834–1895) war seit 1872 mit der in Hofgeismar geborenen Pauline Rothschild (* 1847) verheiratet und zog mit ihr in das wohl neu gekaufte Haus in der heutigen Corbiestraße 6 (später „Braunschweiger Hof“) in Höxter, wo die Familie bis mindestens 1885 blieb. Dort wurden auch der Sohn David (1873–1918) und die Tochter Agnes (* 1876) geboren. Das Familieneinkommen bestritt er offenbar zumindest unter anderem mit Geldgeschäften.

1884 verkaufte Heinemann Löwenherz das Haus, und bald danach zog er mit der Familie aus Höxter fort, um in Eisfeld ein Dampfsägewerk mit einer Holzwarenfabrik zu gründen. Er kehrte aber wohl später nach Höxter zurück, denn er wurde hier nach seinem Tod auf dem jüdischen Friedhof begraben. Das Eisfelder Werk wurde von seinem Sohn David fortgeführt, und später trat auch seine Neffe Richard mit in den Betrieb ein.

1897 spendete David Löwenherz seinem Gymnasium eine Reihe von Büchern
1897 spendete David Löwenherz seinem Gymnasium eine Reihe von Büchern

Heinemanns Sohn David (1873–1918) besuchte zunächst die jüdische Schule in Höxter und dann ab 1882 das hiesige König Wilhelm Gymnasium. 1889 ging er mit dem Zeugnis der einjährig-freiwilligen Reife ab, um Kaufmann zu werden. 1896/97 leistete er seinen Militärdienst in Höxter ab und lebte danach zunächst ein Eisfeld.

Er heiratete die aus Eisenach stammende Clara Backhaus aus einer Brauerei- und Holzhandlungsfamilie, die unter anderem auch die Schwellen für die Werra-Bahn lieferte. Sicher war es das Holz, das die beiden zusammenbrachte. Sie blieben jedoch nicht in Eisfeld, sondern ließen sich bald in der attraktiveren Residenzstadt Coburg gut 20 km von Eisfeld nieder, wo sie intensiv am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnahmen.

David Löwenherz bemühte sich besonders darum, das Andenken des in Eisfeld geborenen Schriftstellers Otto Ludwig (1813–1865) wachzuhalten. Auf eigene Kosten richtete er 1909 im Geburtshaus des Schriftstellers ein Otto-Ludwig-Zimmer ein und initiierte 1913 zu dessen 100. Geburtstag eine Gedenkfeier. David Löwenherz ist es auch zu verdanken, dass in den Jahren 1912 bis 1914 eine (wenn auch unvollständige) Gesamtausgabe der Werke erscheinen konnte. Darüber hinaus zählte David Löwenherz zu den Mitbegründern des Literaturvereins in Coburg.

David Löwenherz
David Löwenherz

Für sein vielfältiges soziales Engagement wurde David Löwenherz, der während des Ersten Weltkriegs seine Fabrikräume für die Unterbringung von Verwundeten zur Verfügung stellte und mit namhaften Beiträgen zur Einrichtung eines Sitzungssaals im Rathaus von Eisfeld beitrug, der Titel Kommerzienrat verliehen, und er wurde von Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft gewürdigt. Er starb 1918 mit nicht einmal 45 Jahren.

Aus seiner Ehe mit Clara, geb. Backhaus gingen drei Kinder hervor, von denen die beiden jüngeren Söhne Walter (1905-1965) und Max Georg (1909–2002) im Dritten Reich in die USA emigrieren konnten, während der älteste Sohn Heinz Heinemann (Chaim) (1902–1943) vergeblich hoffte, dem Holocaust durch die Flucht nach Holland zu entkommen. Er wurde 1943 mit Frau und Tochter in Auschwitz ermordet.

Nathan Löwenherz und sein Sohn Richard.

Ebenso wie Heinemann Löwenherz zog auch sein jüngster Bruder Nathan (1841–1908) Anfang der 1870er Jahre nach Höxter. Zunächst wohnte er mit seiner aus Homburg stammenden Frau Josefine Lanz (1855–1911) in dem damaligen alten Gebäude des Hotels Stadt Bremen, zog aber dann 1883 in sein neu errichtetes stattliches Haus an der Ecke Corveyer Allee/Bismarckstraße, das bis ins 20. Jahrhundert in seinem Besitz blieb und noch noch heute, äußerlich kaum verändert, an seinem Platz steht..

Obwohl Nathan Löwenherz anscheinend bereits in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre aus Höxter verzog, integrierte er sich in der Stadt. Er war Schöffe und gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern der hiesigen Volksbank. Außerdem wird er hier 1879/80 als Angehöriger einer Freimaurerloge genannt. Vier Kinder wurden in Höxter geboren, von den zwei aber früh verstarben. Die Tochter Irmgard Emma wurde 1887 in Lauenförde geboren. Sie kam später nach Erbauseinandersetzungen zusammen mit ihrem Mann Erich Rose in den Besitz der Herlag.

Nathan Löwenherz zog dagegen mit anderen Mitglieder der Familie nach Coburg, wo er bis ins 20. Jahrhundert als Dampfsägewerksbesitzer genannt wird und weiterhin Freimaurer blieb. Ob er ein eigenes Werk besaß oder in den Betrieb seines Bruders Heinemann und dessen Sohn David eintrat, ist nicht geklärt. Dafür könnte sprechen, dass sein in Höxter geborener Sohn Richard (1881 – um 1940) nach seinen einjährig freiwilligen Dienst und einem Volontariat in Aschaffenburg als Mitinhaber in den Betrieb seines Vetters David in Eisfeld eintrat.

Nach Davids frühem Tod führte Richard Löwenherz die Geschäfte allein weiter und erweiterte die Firma durch eine zweite Möbelfabrik in Coburg. Ebenso wie sein Vetter wohnte er auch in Coburg. Er trennte sich vom jüdischen Glauben, ohne sich aber einer anderen Religionsgemeinschaft anzuschließen. Er heiratete Dagmar Metsch, eine Schauspielerin des Coburger Sommertheaters, die einer baltischen Adelsfamilie entstammte. Die Ehe blieb kinderlos.

Die Villa von Richard Löwenherz in Coburg
Die Villa von Richard Löwenherz in Coburg

1918 kaufte er in Coburg eine prächtige, 1903 in einem weitläufigen Garten im Jugendstil erbaute Villa und ließ sie als Wagnerfreund am Vorbau mit Bildhauerarbeiten aus Wagners Opern Tannhäuser und Lohengrin ausschmücken. Ein Jahr später ergänzte er das Haus als einer der ersten Autobesitzer in Coburg durch den Anbau einer Garage.

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, aber auch noch die ersten Jahre der Weimarer Republik brachten der Firma eine Blütezeit, und die Villa Löwenherz in Coburg war in dieser Zeit ein Schauplätze fröhlicher Feste, bei denen vor allem auch nichtjüdische Bürger, Bankiers und Industrielle mitfeierten.

Diese Blütezeit endete jedoch mit der Wirtschaftskrise nach dem Börsenkrach 1929 und dem zunehmenden Aufstieg der Nazis. 1933 verließ Richard Löwenherz Coburg und versuchte noch eine Zeit die Firma zu retten. 1936 verkaufte er das Haus und emigrierte zusammen mit seiner Frau aus Deutschland nach Jugoslawien, wo er die letzten Jahre seines Lebens unter bescheidenen Verhältnissen verbrachte und seine Frau den Lebensunterhalt als Sprachenlehrerin verdienen musste. Er starb 1940 in Zagreb.

Hermann Löwenherz’ Söhne – Schüler des KWG in Höxter

Während die im Vorangehenden genannten Heinemann und Nathan Löwenherz sich für einige Zeit in Höxter ansiedelten und dann nach Coburg gingen, blieb ihr ältester Bruder Herz Löwenherz (1823–1898) in Lauenförde, wo dessen Sohn Hermann (1854–1916) den Holzhandel und das Sägewerk weiterführte und 1912 durch den Kauf der in Konkurs gegangenen Glashütte im Dorf Amelith erweiterte.

Kommerzienrat Hermann Löwenherz, seine Frau Toni und ihre fünf Kinder Erna, Oskar, Hartwig, Georg und Werner; rechts das Patent über die Ernennung zum Kommerzienrat
Kommerzienrat Hermann Löwenherz, seine Frau Toni und ihre fünf Kinder Erna, Oskar, Hartwig, Georg und Werner; rechts das Patent über die Ernennung zum Kommerzienrat

Hermann Löwenherz war mit der aus Dargun (Mecklenburg) stammenden Toni Lichenheim (1876–1942) verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder. Er genoss in Lauenförde große Anerkennung, denn er stiftete der Gemeinde die Gebäude der Volksschule und der Gemeindeverwaltung, initiierte den Bau der Weserbrücke und gewährte seinen Arbeitern zinslose Kredite zum Bau von Eigenheimen. Er war lange Jahre Vorsitzender des Kreisvereins Uslar des Roten Kreuzes, dem er zum Beispiel nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1000 Mark spendete. 1908 wurde er für seine Verdienste ebenso wie sein Vetter David in Coburg vom Kaiser zum Kommerzienrat ernannt. Seine Frau Toni nahm sich 1942 das Leben, um der Deportation zu entgehen.

Nach dem Tod ihres Mannes (1916) übernahm Toni vorläufig die Herlag, da die Kinder dafür noch zu jung waren. Später trat dann der zweite Sohn Oskar (1900–1956) mit in die Geschäftsführung ein. Er hatte nach der Privatschule in Lauenförde von 1913 bis 1917 bis zur Mittleren Reife das Gymnasium in Höxter besucht und dann eine Bankausbildung gemacht. 1928 heiratete der die amerikanische Schauspielerin und Opernsängerin Florence Webb (1900–1986), eine Nichtjüdin.

Oskar Löwenherz 1930
Oskar Löwenherz 1930

1930 trat er aus der Herlag aus und gründete ein eigenes Unternehmen, für das Lauenförder Tischler die Möbel herstellten, die er dann von einem Lager an der Weserbrücke vertrieb, während seine Frau wohl teilweise in Göttingen lebte, wo die beiden Töchter geboren wurden.

Oskar Löwenherz ging bereits 1934 in die Niederlande. Wegen Nicht-Zahlung der ›Reichsfluchtsteuer‹ wurde er 1938 mit einem Steuersteckbief gesucht. Seine Frau Florence zog 1936 mit den Kindern und der Schwiegermutter Toni nach Göttingen. Als amerikanische Staatsbürgerin konnte sie dann 1939 mit den Kindern in die USA ziehen, und im selben Jahr folgte ihr auch ihr Mann. Seine Mutter Toni blieb in Göttingen zurück, wo sie angesicht der drohenden Deportation am 22. März 1942 den Freitod wählte.

Florence Webb (vorn links) mit ihrer Familie und der Familie Pirone vor der Villa Löwenherz
Florence Webb (vorn links) mit ihrer Familie und der Familie Pirone vor der Villa Löwenherz

Oskar Löwenstein nahm nach seiner Einbürgerung in den USA 1941 den Mädchennamen Webb seiner Frau an und arbeitete an der Erfindung und Konstruktion verschiedener spezieller Holzmöbel, etwa von Spieltischen aus Holz, wofür er zwei Patente anmeldete. Er starb 1956, aber seine Frau bewahrte die Erinnerung an die glücklichen Jahre und besuchte 1982 mit ihren Töchtern und Schwiegersöhnen die Villa Löwenherz in Lauenförde und die Familie Pirone, die die Villa gekauft hatte, und auch andere Angehörige der Familie haben Lauenförde und und das Haus mehrfach besucht. Florence Webb starb 1986 in den USA.

Hartwig Löwenherz (oben, Mitte) 1913 in der Untersekunda
Hartwig Löwenherz (oben, Mitte) 1913 in der Untersekunda

Oskars älterer Bruder Hartwig Otto (1898–1956) besuchte zunächst in Lauenförde eine private Lehranstalt und dann von 1912 das Gymnasium in Höxter, wo er 1916 die Notreifeprüfung ablegte, weil er zum Heeresdienst einberufen wurde. Nach der Rückkehr aus dem Krieg studierte er Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften und trat nach seinem Diplom 1924 in die Leitung der seiner Mutter gehörenden Tafelglashütte in Amelith ein.

Der Doktorarbeit beigefügter Lebenslauf (1926)
Der Doktorarbeit beigefügter Lebenslauf (1926)

1926 promovierte er mit einer Dissertation über „Außenhandelsbedingtheiten der deutschen Glasindustrie“ zum Doktor und wechselte bald darauf in die Maschinenfabrik und Eisengießerei Gebr. Hannemann & Cie in Düren ein, wo er wenig später auch die Procura erhielt. Denn 1930 heiratete er die Tochter Lotte (1909–1998) des Teilhabers und Geschäftsführers Hermann Löwenstein. Drei Kinder wurden in Düren geboren.

Hartwig Löwenherz, stehend 4. v.r. (mit Brille), um 1936 mit der Belegschaft der Firma Hannemann
Hartwig Löwenherz, stehend 4. v.r. (mit Brille), um 1936 mit der Belegschaft der Firma Hannemann

Als der Druck zur Arisierung der Firma im Dritten Reich immer mehr zunahm, nutzte er im Oktober 1938 eine Geschäftreise und blieb in Schweden, wohin auch seine Frau mit den Kindern emigrierte. Ein weiterer Sohn wurde dort geboren. Hartwig Löwenherz starb 1956 in Schweden, seine Frau Lotte 1998.

Georg Löwenherz (1904–1965), der dritte Sohn der Familie, gilt als Schwarzes Schaf der Familie. Auch er ging nach dem Besuch der Privatschule in Lauenförde bis zur Obertertia zum Höxteraner KWG (1915–1917), wechselte aber dann auf das Max-Planck-Gymnasium in Göttingen.

Heiratsanzeige, Sollinger Nachrichten 23.7.1929
Heiratsanzeige, Sollinger Nachrichten 23.7.1929

Er kehrte später nach Lauenförde zurück und übernahm die Leitung der Glashütte in Amelith. 1928 verlobte er sich mit der aus Bochum stammenden Käthe Rosenberg, die er ein Jahr darauf heiratete. Schon nach drei Jahre wurde die Ehe jedoch geschieden. (Käthe Rosenberg war später als Wurtenberg verheiratet und floh 1938 in die USA.)

Wenige Tage nach Georg Löwenherz’ Heirat kam es in den landwirtschaftlichen Gebäuden der Glashütte Amelith zu einem Brand, der nach und nach auch das Herrenhaus und den ganzen Gebäudekomplex vernichtete. Es stellte sich aber heraus, dass der Brand durch einen absichtlich herbeigeführten Kurzschluss entstanden worden war, zu dem Georg Löwenherz einen Elektromeister aus Höxter angestiftet hatte. Ein Angestellter des Elektromeisters, der ebenfalls an der Brandstiftung beteiligt war, versuchte daraufhin Löwenstein zu erpressen und schrieb auch entsprechende Briefe an dessen Mutter Toni. Diese war jedoch nicht bereit, den Versicherungsbetrug zu decken, sondern übergab die Briefe an die Polizei.

Sollinger Nachrichten 12.11.1930
Sollinger Nachrichten 12.11.1930

Wie das Gericht beim anschließenden Prozess feststellte, hatte Georg Löwenherz die Brandstiftung „aus reiner Habgier“ angestiftet, nämlich um die Versicherungssumme einzustreichen. Er wurde dafür zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Elektromeister erhielt eine geringere Strafe.

Georg Löwenherz ging nach anscheinend vorzeitiger Entlassung 1931 nach Rouxville in Südafrika, wohin ein Großonkel ausgewandert war. Über sein Leben dort gibt es keine Informationen. Er starb 1965 in Kapstadt.

Werner Löwenherz (1905–1932), der vierte Sohn der Familie, wurde ebenfalls am KWG in Höxter zur Aufnahmeprüfung angemeldet. Aus unbekannten Gründen, vielleicht weil er bei der Aufnahmeprüfung scheiterte, besuchte er das Gymnasium hier jedoch nicht, sondern ging wie sein Bruder Georg auf das Max-Planck-Gymnasium in Göttingen. Weitere Informationen über ihn sind nicht bekannt. Er starb mit 26 Jahren in Chemnitz.

Erna Amalie Löwenherz (1902–1977), die einzige Tochter der Familie, heiratete 1922 den aus Halle a.d. Saale stammenden Julius Katzenstein (1890–1975) und hatte mit ihm drei Töchter, von denen die jüngste bald nach der Geburt starb. Nach 15 Jahren wurde die Ehe 1937 geschieden, und Erna heiratete den Hamburger Rechtsanwalt Hans Seidl (1899–1968).

Im Dritten Reich konnte das Ehepaar 1939 (od. 1941) nach Brasilien emigrieren, kehrte aber nach dem Krieg nach Hamburg zurück. Auch die Töchter Charlotte und Elisabeth sowie Ernas erster Ehemann Julius Katzenstein entgingen dem Holocaust durch die Flucht ins Ausland.

Fritz Ostkämper, 26.11.2017
e-mail: ostkaemper@jacob-pins.de